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Schuh-Mode : Vom Kopf auf die Füße

Marijana Condic trägt ihren Schuh auf dem Kopf. Bild: Fricke, Helmut

In diesem Sommer treten alte Schuhe in neuer Form wieder auf: Espadrilles. Dem Trend helfen zwei Freundinnen aus Frankfurt auf die Sprünge. Ihre Marke „Lika Mimika“ verkauft sich über das Internet in der ganzen Welt.

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          Sie laufen und laufen und laufen: Kaum ist der eine draußen, kommt schon der nächste Paketbote ins dritte Stockwerk der Frankfurter Kommunikationsfabrik. Immerhin: Schwer haben sie nicht zu tragen. Denn ein Paket wiegt nur so viel wie ein paar Schuhe.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Leichte Schuhe, genau genommen. Denn auch wenn Marijana Condic und Lisa Leipziger die guten alten Espadrilles aufgedonnert haben: Ihre Schlupfschuhe, wie man sie früher wirklich mal nannte, bleiben noch immer so leicht wie der Sommer - also der Sommer, der ganz bestimmt auf jeden Fall und ganz klar mal irgendwann vielleicht wirklich kommt.

          Wobei: Dort, wo die Schuhe der beiden Designerinnen laufen, da kann dauernd Sommer sein, in Kalifornien zum Beispiel oder Katalonien. Denn ihre Marke „Lika Mimika“, die einem alten Schuh neue Form gegeben hat, verkauft sich per Internethandel und über Paketboten inzwischen in alle Welt.

          Das Geschäft könnte kaum besser laufen

          Dieser Trend hat einen Lauf. Allein in den vergangenen vier Wochen waren Condic und Leipziger in „Instyle“, „Grazia“, „Brigitte“, „Flair“ und „Gala“ erwähnt - von Blogs und Verkaufswebsites zu schweigen. Auf der Berliner Modewoche werden sie im „Vogue Salon“ präsentiert.

          Das Geschäft könnte kaum besser laufen. Das liegt natürlich auch an der guten Selbstdarstellung der beiden Einunddreißigjährigen. Condic, die kroatische Eltern hat und in Frankfurt aufwuchs, hat schon als PR-Beraterin und Stylistin gearbeitet. Und Leipziger, Tochter des Frankfurter PR-Gurus und Kommunikationsfabrik-Hausherrn Jürg Leipziger, hat Kommunikationsmanagement studiert. Das Branding stimmt schon mal: Der Name „Lika Mimika“ enthält Marijanas kroatische Heimat, die Lika, und als lautmalerisches Multikulti-Element den Namen eines Stammes in West-Neuguinea.

          Der Zufall, nämlich ihre Schwestern, beide Schauspielerinnen, führte sie zusammen. Da waren sie noch in der Schule. Und als beide vor ein paar Jahren Ideen hin und her wendeten, verfielen sie auf Espadrilles. Kein Wunder, denn das richtige Sommergefühl für ihre Erfindung holte sich Marijana in langen Kindheitsferien an den Plitvicer Seen, Lisa auf Mallorca. (Das seltsame Wort Espadrilles übrigens stammt aus dem Okzitanischen und hat womöglich mit dem Espartogras zu tun, dessen Fasern zur Herstellung benutzt wurden.)

          Die Designerinnen: Marijana Condic (r.) und Lisa Leipziger
          Die Designerinnen: Marijana Condic (r.) und Lisa Leipziger : Bild: Fricke, Helmut

          Bei Espadrilles denkt man zwar an den Sommer. Aber einen guten Ruf haben die Treter, in denen in ihrer Blütezeit in den achtziger Jahren auch Don Johnson in „Miami Vice“ herumballerte, eigentlich nicht. Die Wegwerfschuhe - die wegen des asiatischen Konkurrenzdrucks oft nur ein paar Euro kosten - sind meistens flach, bieten keinen Halt, dämpfen kaum, haben kein Fußbett und saugen sich bei Regen von unten voll. Kommentar einer Mode-Fachfrau, die lieber in Nike-Sneakern herumläuft: „Espadrilles sind mir zu schluffig.“

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