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Schuh-Mode : Vom Kopf auf die Füße

Seit zwei Jahren beweisen Condic und Leipziger nun, dass es auch anders geht: Der Schaft ihrer Sommerschuhe ist aus Leder statt aus Leinen, eine Gummisohle schützt vor Nässe von unten, und die dicke Sohle verleiht dem einst von Bauern getragenen Alltagsschuh eine entschieden modische Fallhöhe. Überhaupt kommen bei den Experimenten schöne Kombinationen heraus wie dieser Plateauschuh: Obermaterial Wildleder, Absatzhöhe zehn Zentimeter, Farbe Himbeer. Die Farben wie Koralle, Kirsch, Pink, Pfirsich, Limone, Senf oder Himmelblau werden in der Sonne, so es sie noch gibt, wirklich wirken.

Ihre Schuhe werden über das Internet auf der ganzen Welt verkauft.
Ihre Schuhe werden über das Internet auf der ganzen Welt verkauft. : Bild: Fricke, Helmut

Schon im vergangenen Sommer sah man Espadrilles überall. In diesem Sommer werden sie aus vielen Gründen noch besser laufen. Erstens ist die vielbeschworene „Casualisierung“ so weit fortgeschritten, dass Bast und Jute im Büro niemanden mehr stören. In vielen Berufen, die es vor einem Jahrzehnt noch gar nicht gab (“Mode-Blogger“, „Social-Media-Manager“), gehört es sogar zur Job-Beschreibung, möglichst locker aufzutreten.

Und dann sind da noch die wechselnden Schuhmoden. Vor Jahren waren Flip-Flops der große Sommerhit, und sogar Designer wie Kostas Murkudis arbeiteten daran. Dann waren Wedges - vulgo Keilschuhe - an der Reihe. High Heels staksten ohnehin immer nebenher. All diese Trends liefen irgendwann aufeinander zu. Mit Flip-Flops teilen Espadrilles den südländisch lockeren Charakter. Von den Wedges übernahmen die beiden Designerinnen die hohen Sohlen, von den ebenfalls in den letzten Jahren abhebenden Ankle-Boots den festen Halt. Man sollte es kaum für möglich halten, dass die Modegeschichte noch Überraschungen bereithält. Aber hier phantasieren sich zwei Designerinnen im äußerst schmucklosen Frankfurter Stadtteil Griesheim mit überraschenden Entwürfen dauernd Venice Beach oder die Copacabana herbei.

Stress haben sie schon genug

“Wir sind nicht so vermessen zu glauben, wir hätten den Trend zu Espadrilles begründet“, sagt Condic. „Aber wir haben ihn mit angestoßen.“ Hineingeschlüpft in den Trend sind viele. Bei der Modemarke Valentino ist das Obermaterial, stilecht, aus Spitze. Emilio Pucci druckt die floralen Muster des Hauses drauf, Missoni seinen Zickzack. Stella McCartney ergeht sich in Neonfarben, und Chanel erkennt man an den beiden verschlungenen „C“. Sogar Christian Louboutin, der High-Heel-Gott, man glaubt es kaum, kommt auf die Erde herab.

Dieses Geschäft schlurft also nicht einfach lustlos durch den Sommer. Deshalb müssen Marijana Condic und Lisa Leipziger nun dranbleiben - und das ist nicht so einfach. Denn je größer die Marke, desto größer die Investitionen. Ein Investor wiederum würde die freie Berufsausübung gefährden. Stress haben sie ohnehin schon genug: Beide haben ein Kind, beide wohnen in Berlin und in Frankfurt, beide sind auch darüber hinaus viel unterwegs. Oft müssen sie nach Alicante, wo ihre Schuhe per Hand hergestellt werden, und auf Messen, wo sie an den Handel kommen. Da ist der Verkauf übers Internet im Vergleich ein Segen.

Und wenn es mit dem Sommer nun doch nichts wird? Auch dafür hat „Lika Mimika“ vorgesorgt. Einige klassische Espadrilles mit dem Obermaterial Kaninchenleder haben als Innenfutter: Kaninchenfell. Für weniger als zehn Grad aber sind die wohl auch nicht geeignet.

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