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Runway to Win : Der Teufel trägt Obama

Und dennoch, wenn sich eine so provokante Figur wie Wintour einmischt, die mit ihrer Manier Stoff für einen ganzen Film wie „Der Teufel trägt Prada“ bietet, muss die Stimmung wohl irgendwann kippen. So veröffentlichte Wintour vor zwei Wochen, genau an jenem Tag, als das Arbeitsministerium gestiegene Arbeitslosenzahlen meldete, ein Video für die Demokraten. Im Tweedkostüm und um den Hals das Seidentuch aus der Demokratenkollektion, schwärmt Wintour darin, wie viel Glück sie habe, in ihrem Beruf auf faszinierende Frauen zu treffen. Als sie dann auch noch zwei Karten fürs Abendessen in in Sarah Jessica Parkers Haus - Stückpreis: 40 000 Dollar - zu verlosen hatte, war das die Gelegenheit für die Republikaner, das Video auseinanderzunehmen.

Sichtungstraining für die Garderobe der möglichen First Lady

Gegen „Runway to Win“ sticheln sie, wo sie nur können. Obama sei abgehoben und überhaupt - die Modewelt, mit der er paktiere, die bunten Handtaschen und Designerschals, all das sei außer Reichweite für Amerikaner mit geringem Einkommen. Und außerdem: Wie könne es sein, dass Designer, deren Produkte für gewöhnlich um ein Vielfaches teurer seien, für „Runway to Win“ plötzlich Ware für unter 100 Dollar anböten?

Mit einem Blick auf die Kollektion allerdings erklären sich die Preise eigentlich von selbst. So finanziert sich „Runway to Win“ wohl nicht, wie die Republikaner zu vermuten scheinen, mit illegal abgezweigten Geldern, sondern mit geringem kreativen Aufwand. Es sei ja nicht so schwer gewesen, ein T-Shirt zu gestalten, sagte zum Beispiel Proenza-Schouler-Designer Lazaro Hernandez der „New York Times“.

Auf Kreis und Linie: Narciso Rodriguez zeigt mit dem offiziellen Logo der Kampagne Parteitreue.
Auf Kreis und Linie: Narciso Rodriguez zeigt mit dem offiziellen Logo der Kampagne Parteitreue. : Bild: barackobama.com

Dass sich Hernandez dennoch wie viele andere junge Modemacher dazu hinreißen lässt, etwas zu entwerfen, was auch in einem Souvenirshop Platz finden könnte, liegt an der Aufmerksamkeit, die ihm auf diesem Weg zuteil wird. Der amerikanische Wahlausschuss hat ermittelt, dass rund die Hälfte aller Labels, die für „Runway to Change“ 2008 oder für „Runway to Win“ 2012 spendeten, auch in Michelle Obamas Kleiderschrank hängen. Die Demokratenkollektion ist für amerikanische Designer also gewissermaßen ein Sichtungstraining, um sich für die spätere Garderobe der möglichen First Lady zu qualifizieren.

Bangen um Republikaner-Kunden

Trotzdem bleiben einige Modelabels „Runway to Win“ 2012 doch fern. Schließlich gehen sie mit der Teilnahme auch das Risiko ein, sich von jenen finanziell liquiden Kunden zu entfremden, die aus Überzeugung tendenziell eher die Republikaner wählen. Donna Karan zum Beispiel, 2008 noch eine der Designerinnen der Demokratenkollektion, ist nicht mehr dabei. Auch der Luxuskonzern LVMH hat, wie das Branchenblatt „Women’s Wear Daily“ berichtet, seinen Marken zunächst untersagt, für „Runway to Win“ zu entwerfen - bis Anna Wintour Druck machte und erst so Marc Jacobs, der für LVMH arbeitet, für die Initiative gewinnen konnte.

Wahlkampf auf dem T-Shirt: klare Ansage von Marc Jacobs.
Wahlkampf auf dem T-Shirt: klare Ansage von Marc Jacobs. : Bild: barackobama.com

Warum sich Wintour überhaupt für diesen Nippes einsetzt? In ihrem vor zwei Wochen veröffentlichten Video bleibt sie vage. Sie und Schauspielerin Parker hätten beide ihre ganz eigenen Gründe, Obama zu unterstützen. Die britische Zeitung „The Observer“ ging allerdings am vergangenen Sonntag so weit zu spekulieren, dass Wintour eine Kandidatin für den amerikanischen Botschafterposten in London sein könnte, wenn dieser Ende des Jahres womöglich neu zu vergeben ist.

Das ist wahrscheinlich totaler Quatsch. Sollte es doch dazu kommen, dann fände die dann ehemalige Chefredakteurin der amerikanischen „Vogue“ in London eine Verbündete vor: die jüngere Schwester von Premierministergattin Samantha Cameron. Sie arbeitet als stellvertretende Chefredakteurin bei der britischen „Vogue“.

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