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Robbie Williams macht Mode : So come on, let me dress you

  • -Aktualisiert am

Robbie Williams bei der Präsentation seiner ersten Kollektion im Berliner KaDeWe Bild: dpa

Haartollen und Trenchcoats: Popstar Robbie Williams hat das Modelabel „Farrell“ gegründet und präsentiert in Berlin hochwertige Hipster-Kleidung für junge Melancholiker.

          Der Mann, den viele am liebsten nackt sähen, ist an diesem Tag in Berlin über die Maßen zugeknöpft. Zumindest was das Hemd anbelangt. Darüber kommt eine marineblaue Weste zum Tragen, an der eine Kette für die Taschenuhr hängt. Ein beiger Trenchcoat. Die Pomadentolle ist vielleicht etwas zu prächtig geraten, aber auf jeden Fall akkurat. Robbie Williams hat sich bemüht, wie Großpapas Liebling auszusehen. Und genau darum geht es.

          Wir treffen Robbie, auch schon 39, im Berliner KaDeWe und müssen über Mode reden. Das sei vorweg gesagt, um keine falschen Erwartungen zu wecken, der Brite ist hauptberuflich ja als Popstar tätig. Jüngst hat er ein Modelabel für Herren gegründet, das „Farrell“ heißt, weshalb wir auch über Robbies Großvater reden müssen, den mütterlicherseits, denn das Label trägt dessen Nachnamen.

          Jack Farrell muss ein Kerl von einem Mann gewesen sein, so schildert es der berühmte Enkel später in der Presserunde, in der die Journalisten sich auf das Wesentliche beschränken dürfen: Eine Frage zur Mode, eine zur Person, man musste den schmalen Fragen-Katalog schon vorab einreichen. Deshalb war Robbie auch gut vorbereitet, besonders was den Großvater anbelangt. Das sei ein Typ mit eisernen Prinzipien gewesen und mit einem ausgeprägtes Stilbewusstsein noch dazu, das Jack Farrell immer dann unter Beweis gestellt habe, wenn er gerade nicht in einer Kohlengrube in Stoke-on-Trent schuftete.

          Ein Robbie-Klon auf dem Catwalk: Trenchcoat, Haartolle, Taschenuhr

          „Dann trug Granddad einen Dreiteiler und pomadisiertes Haar“, erinnert sich Robbie Williams, und seine Stimme wird ganz warm. Es ist eine hübsche Vermarktungsgeschichte, die den Zeitgeist trifft. „Farrell“ beschwört Nostalgisches, lässt den britischen Landlord auf die Helden der Arbeiterklasse treffen, zumindest im Mix der Zitate. Gesteppte Westen und Jacken in Jagdgrün hat die aktuelle Kollektion zu bieten, Dreiviertelhosen, grobgestrickte Pullover, Poloshirts, Seemannshemden aus feinem Tuch. Hochwertige Hipster-Kleidung für all diejenigen, die sich nicht die Mühe machen wollen, in stickigen Vintage-Shops nach abgelegten Teilen von anderer Leute Opa zu wühlen, aber bereit sind, etwa 400 Euro für einen leichten Trenchcoat auszugeben.

          In Deutschland gibt es „Farrell“ jetzt in ausgewählten Kaufhäusern, zum Beispiel eben im KaDeWe, das es sich nicht hat nehmen lassen, aus dem Anlass ein publikumswirksames Event zu schneidern. Hunderte Fans drängeln sich am Eingang, manche kreischen, in der ersten Etage warten Geschäftsleute auf zweieinhalb Minuten Smalltalk mit dem Star, der mit dem Aufzug kommt und erst mal auf eine Reihe Robbie-Klone stößt: Modeljungs mit aristokratischer Blässe, Haartollen und Trenchcoats.

          Stark und unverwüstlich, wie Großvater Farrell

          Man fühlt sich ein bisschen wie als Gast auf einer Motto-Party, bei der auch die Möbel entsprechend arrangiert sind, ein dezent abgewetztes Ledersofa, ein Mammutschrank aus dunklem Holz, in dem Accessoires ausliegen, Hosenträger, Baker-Boys-Kappen, ein seidenes Halstuch. Auf körnig getrimmte Schwarzweißbilder aus dem „Farrell“-Katalog stecken in goldenen Rahmen und zeigen hübsche Jungs am Strand, wahrscheinlich Brighton, im Hintergrund der Pier. Oh Zeiten, in denen noch von Seebädern die Rede war!

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