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Raf Simons für Dior : Debüt in der Couture

Frischer Wind aus Antwerpen: Raf Simons Bild: dapd

13 Monate nach dem unwürdigen Abgang John Gallianos steht nun sein Nachfolger fest: Raf Simons wird neuer Chefdesigner für Dior. Die Lösung ist auch eine Erlösung - und natürlich eine Herausforderung.

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          Das wird eine Saison! Bei den Herrenschauen in Mailand im Juni wird Jil Sander ihre erste Kollektion für „Jil Sander“ seit Menschengedenken - also sieben Jahren - präsentieren. Beim Prêt-à-porter im Oktober tritt Hedi Slimane für Yves Saint Laurent auf die Bühne. Und schon Anfang Juli zur Haute Couture wird Raf Simons seine erste Kollektion für Dior präsentieren.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Die am Montagabend verkündete Entscheidung des französischen Modehauses für den belgischen Designer wurde zwar erwartet - denn nach dem unwürdigen Abgang John Gallianos vor 13 Monaten trug sein Nachfolger Bill Gaytten den inoffiziellen Titel „Interims-Designer“. Aber angesichts all der Spekulationen nach Raf Simons’ Fortgang von Jil Sander Ende Februar, die den 44 Jahre alten Designer auch schon bei Yves Saint Laurent sahen oder auch nur bei seiner eigenen Herrenmode-Marke in Antwerpen, ist diese Lösung auch eine Erlösung.

          Zuwachs im Großkonzern

          Und natürlich eine Herausforderung, wie sie kaum ein anderer Designer seiner Generation meistern könnte - einmal abgesehen von Marc Jacobs, der aber doch lieber bei der größten Marke des LVMH-Konzerns bleibt, nämlich Louis Vuitton, und Phoebe Philo, die lieber bei der trendigsten Marke des größten Luxuskonzerns der Welt bleibt, nämlich Céline. Nun bekommen diese beiden Stars also Zuwachs im Großkonzern, denn auch Dior gehört zu Bernard Arnaults Reich, in dem die Sonne nicht untergeht.

          Raf Simons ist erst der siebte in der Reihe der großen Dior-Designer. Am Anfang stand Christian Dior, der mit dem verschwenderischen „New Look“ schon 1947 die Nachkriegszeit in der Mode beendete. Nach seinem frühen Tod übernahm 1957 sein junger Assistent Yves Saint Laurent. Weil er zu jugendlich übermütig war und auch noch zum Wehrdienst eingezogen wurde, folgte 1961 Marc Bohan. Auf dessen Nachfolger Gianfranco Ferré (1988 bis 1996) folgten wiederum John Galliano und sein ehemaliger Assistent Bill Gaytten. Am Dienstag atmete die Modewelt nun auf, dass nach bleiernen Galliano- und historisierenden Gaytten-Kollektionen nun ein frischer Wind aus Antwerpen herüberweht. Auch die Dior-Herrenkollektionen werden übrigens von einem Belgier entworfen, nämlich seit 2007 von Kris Van Assche.

          Den Minimalismus überwunden

          In seinen letzten Kollektionen für Jil Sander hat Raf Simons gezeigt, dass er den Minimalismus durch Farben, Drucke, Silhouetten, Materialien überwunden hat. Dem Modehaus Dior wird ein klarer Blick guttun. Von außen kommt Simons gleich im mehrfachen Sinn. Denn der Designer, der 1968 in Neerpelt geboren wurde, studierte zunächst in Genk Industriedesign, bevor er Möbel entwarf. Erst 1995 begann er mit der Herrenmode, zunächst beeinflusst durch Streetwear, dann durch den Minimalismus. Und 2005, bei Jil Sander, begann er überhaupt erst, Damenmode zu entwerfen.

          Das ist wirklich ein Treppenwitz in der verschachtelten Geschichte des verschachtelten Hauses an der Avenue Montaigne: dass Raf Simons nun gleich in der Haute Couture debütiert, mit der er überhaupt keine Erfahrung hat. Die Erfahrungen mit dem Modemacher wiederum zeigen, dass er auch die hohe Schneiderkunst zu neuer Blüte bringen wird.

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