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Promis machen Mode : Kleiden wie Madonna

Werbung an Hauswänden: Ab März gibt es bei H&M Madonnas Kollektion „M” Bild: AP

Kate Moss, Pete Doherty und Madonna: immer mehr Stars treten auch als Modeschöpfer auf. Die Modehäuser setzen auf die reine Werbewirkung ihrer prominenten Designer. Dabei verstehen diese ganz und gar nichts von Design.

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          Anfang Mai ist „K-Day“ in Großbritannien. Zumindest die modebegeisterten weiblichen Teenager auf der Insel wissen sofort, was damit gemeint ist. An dem Tag bringt die Textilhandelskette Topshop - eine Art britischer Zara, die Frauen aller Altersgruppen anzieht - zum ersten Mal von Kate Moss entworfene Kleider auf den Markt. Boulevardzeitungen sprechen von der „am sehnlichsten erwarteten Kollektion aller Zeiten“.

          Claudia Bröll

          Freie Autorin für die Wirtschaft in Südafrika.

          Selbst die britische „Vogue“, die Billigmode üblicherweise nicht auf dem Titelblatt zeigt, wird ihre Aprilausgabe mit einer Moss-Kreation schmücken. Entsprechend hofft Topshop auf Tausende kaufwütiger Frauen, die in die Geschäfte strömen. Dass das Fotomodell nie eine Modeschule besucht hat und nach eigenem Bekunden überhaupt nicht zeichnen kann, spielt keine Rolle. Es geht um ihren Namen - und das schnelle Geld.

          Kleider von Popsternchen und Skandalrockern

          Moss ist nicht die einzige Prominente, die sich mit einem Mal als Modeschöpferin versucht. Im März bringt H&M die Kollektion M, entworfen von Madonna, heraus. Schauspielerin Sienna Miller bastelt mit Schwester Savannah gerade an einer eigenen Linie. Das britische Popsternchen Lily Allen entwirft neuerdings Kleider und Schuhe. Sogar der britische Skandalrocker Pete Doherty, der im Gegensatz zu Freundin Moss nicht als Stil-Ikone gilt, hat sich vor kurzem als Designer von der Modefirma Gio-Goi aus Manchester anheuern lassen.

          Auch eine Kollektion von Stella McCartney schmückte bereits die Schaufenster

          Auch wenn etablierte Modemacher über die Amateure die Nase rümpfen, ist ihre Anziehungskraft auf die Massen unbestritten. Branchenfachleute warnen jedoch, dass das Geschäft mit der Promimode kurzlebig sei und der Gewinn nicht garantiert. Fällt ein Star bei seinen Fans in Ungnade, will keiner mehr die Hosen und Jacken tragen. „Eine Modefirma muss ein Team professioneller Designer beschäftigen, um langfristigen Erfolg zu haben. Mit Stippvisiten von Fotomodellen, Musikern oder Schauspielern ist es nicht getan“, sagt Willie Walters, Kursleiterin an der Londoner Modeschule Central Saint Martins College.

          „Celebrity-designed fast fashion“

          Berühmte Persönlichkeiten zu Marketingzwecken einzuspannen ist keine neue Erfindung. Auch kamen Fotomodelle schon vor Kate Moss auf die Idee, Mode zu kreieren. In den sechziger Jahren beispielsweise entwarf Twiggy eine Kollektion, allerdings mit eher mäßigem Erfolg. Elle Macpherson machte es besser. Die Australierin verkauft Dessous unter der eigenen Marke, wobei für den kreativen Part mittlerweile andere verantwortlich zeichnen.

          „Heute lassen sich jedoch weitaus mehr Prominente als Designer vermarkten als früher“, sagt Walters. „Die eigene Modemarke ist für diese Leute normales Geschäft geworden.“ Neu ist auch der Wirbel, der um den von den Angelsachsen „celebrity-designed fast fashion“ genannten Branchenzweig gemacht wird. Als H&M eigens kreierte Kollektionen von Stella McCartney und Karl Lagerfeld präsentierte, waren die Teile vielerorts innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Das Unternehmen sprach von einem „großen Erfolg“, allerdings ohne Umsatzzahlen zu nennen.

          Miss Moss' Gefühl für Stil

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