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Pariser Prêt-à-porter : Die wiedergewonnene Weiblichkeit

  • Aktualisiert am

Sommermode aus Portugal Bild: AP

Neben den etablierten Star-Designern, wie Dior oder Jean-Paul Gaultier, präsentieren auch viele Nachwuchs-Modemacher ihre Kreationen auf der Prêt-à-porter in Paris - nicht alles wirklich straßentauglich.

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          Pünktlicher als die Schau beginnt die Demonstration der Tierschützer. Vor dem Zelt in den Tuilerien, in dem Modemacher John Galliano seine Kollektion für das Modehaus Christian Dior zeigen wird, heben sie ihre Schilder in die Höhe: "Pelz wird von schönen Tieren und häßlichen Menschen getragen. John Galliano - Designer des Todes". Immer wieder habe man Galliano heimlich gedrehte Videos und Informationsmaterial über die brutale Haltung und Schlachtung von Tieren gesendet, sagt Michael McGraw, Mitarbeiter der Organisation Peta. "Nie hat er reagiert. Er macht einfach weiter. Er gehört zu den schlimmsten."

          Nicht, daß den meisten Dior-Gästen diese Demonstration mehr als eine kleine Abwechslung im Alltagstrott von 81 Schauen wäre. Aber all diejenigen, die draußen vor der Tür dem exklusiven Ereignis fernbleiben müssen, und das sind viele, können sich über Luxus auf Kosten von Tieren informieren, über Käfighaltung, Vergasung, interkontinentale Massentransporte. "Es gibt aber auch positive Beispiele in der Mode", sagt McGraw, während drinnen die Schau beginnt. "Auf Pelz verzichten Vivienne Westwood, Giorgio Armani und Calvin Klein. Stella McCartney kommt sogar ganz ohne Leder aus." In Paris dagegen gibt es für Peta viel Arbeit: Jetzt im Herbst entfaltet sich im Stadtbild wieder pelzige Pracht.

          Tragbar und leicht

          Doch dieses Mal kommt auch John Galliano weitgehend ohne Pelz aus. Kein Wunder, denn auf den Prêt-à-porter-Schauen, die am Montag begannen und noch bis zum Dienstag kommender Woche dauern, wird die Mode für Frühjahr und Sommer 2005 gezeigt. In einer überraschend tragbaren, überwältigend romantischen und geradezu süßlichen Kollektion mit Blumendrucken, Farbenüberschuß, leichten Sommerkleidern und kurzen Jeansröcken zeigte Galliano, daß man Pelz und das sonstige Brimborium im kommenden Sommer nicht nötig hat. Aber auch das reicht dem Dutzend Tierschützern noch nicht. Für den Fall, daß Pelze auf dem Laufsteg wirklich aussterben, haben sie sich neue Materialien ausersehen: Nun will man sich auch um geschundene australische Merinoschafe kümmern.

          Sommermode aus Portugal Bilderstrecke

          Die überraschende Rührigkeit der Tierschützer wie die verblüffende Schnörkellosigkeit des großen Experimentators Galliano sind gleichermaßen ein Symptom für die aktuelle Mode. Denn kaum etwas bestimmt die Kollektionen, die gerade in den Schaufenstern hängen, so sehr wie der Rückgriff auf altbekannte Schnitte und Stoffe. Die Chanel-Jacke, die brave Bluse zum adretten Kostüm, der Trenchcoat, der knielange Rock, der Pelzbesatz an Kragen und Ärmeln - all das kündet vom durchaus konservativen Grundton der Mode. Die Schauen in New York, Mailand und Paris sind nun der Versuch, für den Sommer diesen "bürgerlichen Schick" weiterzuentwickeln. In New York sah man die romantische Variante mit hellen und leuchtenden Farben, unendlich vielen Abendkleidern und dem "preppy look" der besseren Mädchen. In Mailand setzte man stark auf ethnische Trends, Pelz und Schlangenhaut, Ornament und Dekor.

          „Dior not war“

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