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Pariser Modewoche : Apokalypse mit schwarzen Pumps

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Ein Lichtblick im Auf- und Abstiegskampf ist dagegen der Neuzugang im Hause Hermès. Christophe Lemaire, der zuvor bei Lacoste arbeitete und damit als Fachmann für Poloshirts galt, schien zwar zunächst nicht unbedingt ein Kandidat zu sein, der die Modelinie des Luxushauses nach dem Weggang von Jean Paul Gaultier adäquat weiterführen könnte, aber seit Sonntag steht fest: Er kann es. Seine unaufgeregte Kollektion strahlte eine erhabene Eleganz aus, wie sie sonst auf der Modewoche nur selten zu finden war, nicht nur, weil die Models langsam zur Musik einer chinesischen Zitterspielerin defilierten, die im Publikum saß. Es bestachen auch die farbigen Lederkleider und die bodenlangen Kaftans genauso wie die Lederblousons, die der Marke eine sanfte Sportlichkeit verliehen. "Reisen, Nomaden, Natur, die zwanziger Jahre, Japan, China", zählte Lemaire seine Inspirationsquellen nach der Schau auf. Hermès, das als einziges Luxusunternehmen völlig unbeschadet die Krise überstand, konnte im vergangenen Jahr einen Umsatzgewinn von 46 Prozent verbuchen.

Das sehen auch andere mit neidischem Blick, wie zum Beispiel Bernard Arnault, Vorstand des LVMH-Konzerns, der sich darum im Oktober 20,2 Prozent der Hermès-Aktien gekauft hat. Seitdem ist die Familie Dumas, die den Großteil der Marke besitzt, nicht gerade gut auf ihn zu sprechen, genauso wie Geschäftsführer Patrick Thomas, der nun drohte das Unternehmen wieder von der Börse zu nehmen. Inmitten der immer gigantischer werdenden Luxuskonzerne - am Dienstag wurde bekannt, dass LVMH auch Mehrheitseigner bei Bulgari wird - wirken Familienunternehmen wie Chanel, Hermès und Akris fast wie aus einer anderen Welt.

Akris liefert das Luxus-Accessoire der Saison

Die Schweizer Marke präsentierte sich diesmal im "Salle Wagram", einem Ballsaal von der Jahrhundertwende. Und das war Programm, denn Akris durchlüftete den Minimalismus der vergangenen Jahre. Bislang waren die strengen Richtlinien von Adolf Loos die Basis für Kreativdirektor Albert Kriemler. Nun entdeckte er bei einer Ausstellung in Wien den Architekten Joseph Maria Olbrich, Mitbegründer der Wiener Sezession. Dessen bekanntestes Bauwerk, der Hochzeitsturm auf der Darmstädter Mathildenhöhe, fand sich nicht nur in Details wie in den metallisch anmutenden Kleider, die die Backsteinstruktur des Turms nachbildet, sondern auch in den Farben wieder: Petrol wie das Dach des Gebäudes, Braun wie die Wand und Grün wie die Bäume, die drumherum stehen. "So viel Ornament gab es nie bei uns", sagte Kriemler nach der Schau. Statt Loos' "Ornament und Verbrechen" nun also "Ornament und Versprechen". Nebenbei liefert Akris das Luxus-Accessoire der Saison: die Rosshaartasche "Alpha" für den iPad2.

Viele Fragen blieben dennoch offen. Zum Beispiel die, welche Hose soll man eigentlich im nächsten Winter tragen: Eine schmale? Eine weite? Dreiviertel- oder Siebenachtellang? Oder doch gleich einen Hosenrock? Und in welcher Farbe? Geht man mit Grau, Schwarz und Weiß auf Nummer Sicher oder traut man sich mit den neuen Tönen Currywurstgelb, Ketchuprot oder Laubfroschgrün auf die Straße? Die Designer sind sich uneinig, wie sich in den alles in allem sehr unterschiedlichen Kollektionen zeigte.

Entweder Cape oder Steppmantel

Der Wintermantel aber, so viel scheint sicher, wird vom Cape abgelöst, das entweder flatternd bodenlang an die Vampirfilme aus Hollywood erinnert - und vielleicht ein junges Publikum ansprechen soll - oder als weiße Variation mit ausladenden Federn wie bei Yves Saint Laurent. Die Alternative zum Cape sind wattierte Steppmäntel, die an das Patchworkhandwerk erinnern und wie bei Vionnet in kunterbunten Stoffen gezeigt werden.

Was dieses Mal aber fast alle Designer verbindet, ist die Frisur. Auf gleich mehreren Defilees waren streng zurückgebundene Zöpfe zu sehen, die an die britische Popsängerin Sade erinnern und in den achtziger Jahren von der Designerin Anne Marie Beretta propagiert wurden. "Die Haare sollen glänzen wie auf einer Schellack-Platte", sagt der Frankfurter Designer René Storck, der sich zum ersten Mal in Paris präsentierte und mit seinen luxuriösen Stoffen und aufwendigen Schnitten bestens zum Prêt-à-porter passt. Sein Mini-Defilee direkt nach Chanel fand in einer Privatwohnung an der Oper statt. Klein, aber fein. Auch das hat seinen Zauber.

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