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Pariser Modeschauen : Die Haute Couture schwelgt im Luxus

Üppige Bräute bei Galliano Bild: AP

Samt und Seide, Gold und Brokat - mit Anleihen in kaiserlichen Kleiderschränken haben Frankreichs Stardesigner bei den Haute-Couture-Schauen in Paris in dieser Woche allen Unkenrufen über den Niedergang der Branche getrotzt.

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          Der Haute-Couture-Effekt sieht so aus: Wenn man schon drei Tage vor, nach und zwischen den Schauen, während der Abendessen und Empfänge und morgens beim Frühstück darüber gesprochen hat, daß es vielleicht bald vorbei sein wird mit der Hohen Schneiderkunst, weil sie immer weniger Designer entwerfen und immer weniger Kundinnen kaufen wollen, wenn man also die Krise hinauf und herunter und vielleicht sogar herbeigeredet hat, sitzt man am Donnerstagmittag dichtgedrängt auf den kleinen Goldstühlen bei Jean-Paul Gaultier und muß nochmal alles überdenken. Sieht so eine Krise aus?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Erste Frau, erstes Bild, ein Paukenschlag: Sie trägt ein Cape aus rotem Rentierfell, hohe braune Schaftstiefel und einen Hut so groß wie ein Wagenrad. Aber vor allem trägt sie Stolz und Würde und fegt die Zweifel über den Sinn und Zweck der Couture hinweg. Gaultiers Präsentation gehörte zu den temperamentvollsten Darbietungen bei den Haute-Couture-Schauen in Paris, die am Donnerstagabend zuende gingen. Gleichzeitig machte er mit ihr schmerzlich bewußt, was verloren ginge, wenn die Hohe Schneiderkunst tatsächlich das Jahr nicht überleben würde: Es wäre das Ende der Phantasie in der Mode. Denn im Gegensatz zum Pret-a-porter bietet die Haute Couture Spielraum für die Designer. Nur hier sind sie frei davon, kommerziell denken zu müssen. Bei der Haute Couture geht es nicht um Verkaufszahlen, Order-Größen und Produktionsstrategien. Die Modelle der Haute Couture sollen gerade keine "Must haves" sein, die von der zweiten und dritten Mode-Liga kopiert werden und sich in dieser Form schließlich auf dem Wühltisch im Kaufhaus wiederfinden - sie sollen schlicht einzigartig sein.

          Nur wenige Kundinnen

          Der exklusive Kreis von Kundinnen wird aber wird immer überschaubarer. Längst nicht jede Frau, die in der ersten Reihe sitzt, wird später auch einen der Entwürfe kaufen. Schauspielerin und Model Elizabeth Hurley zum Beispiel, die bei Chanel, Lacroix und Gaultier Jeans mit wechselnden Oberteilen trug, bekommt zwar zu großen Auftritten Couture-Modelle zur Verfügung gestellt: "Aber sie zu kaufen ist immer noch eine andere Frage", gesteht sie vor der Schau bei Gaultier. "Die Kleider sind doch ein bißchen teuer für die meisten von uns." Man brauche keine Kundinnen, findet dagegen der englische Modefachmann Colin McDowell. "Der Zweck der Haute Couture liegt nicht im Verkaufen, sondern in der Publicity."

          Üppige Bräute bei Galliano Bilderstrecke

          Sie wurde auch dieses Mal hergestellt. Bei Gaultier, bei Chanel, bei Lacroix und bei Scherrer, wo die Schau verspätet begann, weil Gerard Depardieu nach einem Motorradunfall mit Krücken in den Saal humpelte. Darüber wird später genauso berichtet werden wie über Chanel: Am Ende des Defilees entstieg Karl Lagerfeld einer riesigen Parfumschachtel. Unter dem Motto "Duo" hatte er zuvor vorwiegend schwarz-weiße Entwürfe präsentiert - in leicht unterkühlter Eleganz. Wie immer würfelte er die Coco-Chanel-Elemente Tweed, Kamelie, Perlenkette neu zusammen. Er drehte unerwartete Pirouetten: die doppelten Röcke, bei denen zwei im gleichen Stoff übereinanderliegen, so daß der eine unter dem anderen hervorlugt, und die Kombinationen von Tweed mit Seide, Spitze mit Satin, Bleistift- mit Faltenrock.

          Warm hält Wolle und Tweed

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