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Oscar-Mode : Tote Tauben und verunglückte Schwäne

  • -Aktualisiert am

Mit wallendem Federschmuck: Penelope Cruz war nominiert als beste Schauspielerin Bild: REUTERS

Die spitzen Zungen der Rivers' lassen die Hollywood-Prominenz erzittern. Mutter Joan und Tochter Melissa nehmen für das amerikanische Fernsehen die modischen Einfälle auf dem roten Teppich der Oscar-Verleihung auseinander. Ihre Urteile sprühen vor schwarzem Humor, ein schlechtes Rivers-Urteil bleibt jahrelang hängen.

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          Die spannendsten Momente der Oscar-Nacht waren für viele schon vorbei, bevor die erste Trophäe am Sonntag überhaupt verliehen wurde. Auf dem roten Teppich vor dem Kodak Theatre hatten Joan und Melissa Rivers, die „first ladies of fashion“, bereits mehrere Stars ins Schwitzen gebracht.

          Die Schauspielerin Maggie Gyllenhaal, die stolz ihre schwarze Robe mit Federbesatz vor den Kameras zur Schau trug, empfing Joan Rivers mit einem trockenen: „Und wie viele Tauben mussten dafür sterben?“ Tochter Melissa merkte vergleichsweise dezent an, Cameron Diaz' Frisur sehe aus wie nach einer Tour auf dem Motorrad.

          Leichte Blessuren und harte Treffer

          Das Gespann aus Mutter und Tochter ist seit Jahren so etwas wie das inoffizielle Empfangskomitee der Academy Awards. Vom Publikum werden sie mit Spannung erwartet. Die Celebritys und besonders deren Stylisten fürchten sich vor den beiden. Mit ihren spitzzüngigen Kommentaren zu den Outfits der Stars haben sie den Gang von der Limousine in das Kodak Theatre für viele auch bei der 79. Oscar-Zeremonie zu einem Hindernisrennen gemacht.

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          Celine Dion, Eddie Murphy und Nicole Kidman kamen ohne Blessuren im Kodak Theatre an. Rinko Kikuchi dagegen traf es wieder hart. Die für ihre Rolle in „Babel“ nominierte Japanerin wurde erst von Joan Rivers für ihr schulterfreies Abendkleid von Chanel gelobt, bekam dann aber noch hinterhergeschickt: „Das war nach dem letzten Mal aber auch fällig!“

          Die „Königin des roten Teppichs“ erinnerte damit an die für Kikuchi mehr als peinliche Verleihung der Golden Globes vor ein paar Wochen. Zu der Gala in Beverly Hills hatte die „Babel“-Darstellerin ein weißes Kleid mit unzähligen weißen Bommeln getragen. Die Rivers erinnerte das an einen toten Pudel. Dank Joan und Melissa Rivers dürfte Rinko Kikuchi auf der Liste der Modesünden nun für alle Zeit einen der vorderen Plätze belegen.

          Genickbrüche und Unfälle

          Sie befindet sich damit in Gesellschaft der Isländerin Björk, das bislang prominenteste Opfer der Rivers. An die Oscar-Verleihung 2001, als sie „I've seen it all“ vortrug, erinnert sich wohl kaum jemand. Aber ihr legendäres Schwanenkleid des Avantgarde-Designers Marjan Pejoski steht bis in alle Ewigkeit als Synonym für verunglückte Oscar-Mode.

          Mit ihren bissigen und ständig neuen Kommentaren über Genickbrüche, Unfälle und tote Vögel hat Joan Rivers dieser Robe zur Unsterblichkeit verholfen. Wie auch Chers „idiotischem Titanic-Hut“, Uma Thurmans Lederhosen a la Heidi und Gwyneth Paltrows „unausgefülltem“ pinkfarbenen Abendkleid, das die Schauspielerin 1999 trug, als sie für „Shakespeare in Love“ ausgezeichnet wurde.

          Grenzgänger der Political Correctness

          Geschichte geschrieben hat Joan Rivers am Sonntag wohl auch mit ihrem Interview der Oscar-Preisträgerin Melissa Etheridge. Nachdem die Musikerin und ihre Lebensgefährtin Tammy Lynn Michaels auf dem roten Teppich enthusiastisch von der Geburt ihrer Zwillinge erzählt hatten, befahl Rivers mit Blick auf Michaels' tiefen Ausschnitt: „Deine Brüste sehen klasse aus. Still' weiter!“

          An der Grenze zur Political Correctness war auch Rivers' Antwort auf die Frage des „Dreamgirls“ -Musikers Keith Robertson, aus welchem Material ihre rote Pelzjacke sei. „Aus meinen toten Hunden“, entgegnete die 73 Jahre alte Komikerin - und ließ Robertson sprachlos auf dem roten Teppich zurück.

          Markenzeichen Facelifting

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