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Nadja Auermann : Die Schöne und der Film

  • -Aktualisiert am

Nadja Auermann in der gewohnten Modelrolle Bild: EPA

Nach ihrer großen Karriere als Model mit den längsten Beinen debütiert Nadja Auermann beim Film. Und macht ihre Sache gar nicht schlecht.

          Immer wieder Potsdam. Irgendwie ist die brandenburgische Landeshauptstadt vor den Toren Berlins zum liebsten Domizil der Reichen und mehr oder weniger Schönen geworden. Die Hinterlassenschaften der Vorkriegshautevolee waren dabei nützlich: Wer eine wirklich repräsentative Villa suchte, hatte hier nach der Wende einfach bessere Chancen als in den weitgehend verteilten Grunewald-Vierteln des alten West-Berlin.

          Auch Nadja Auermann wohnt in Potsdam. Sie empfängt im Cafe "Maison du Chocolat", das sie immer als eine Art Konsulat für ihre raren Interviews nutzt. Vor zwei Jahren ist sie aus Monaco hierhergezogen. Sie hat sich damit bewußt für ihre Wurzeln entschieden: für ein Dasein, in dem Bürgerlichkeit nicht gleichbedeutend mit Spießigkeit ist, für die Gegend, in der sie geboren wurde, und für das Land, dem sie sich verbunden fühlt. "Spätestens wenn die Kinder in die Schule kommen, macht man sich Gedanken darüber, mit welcher Identität sie groß werden sollen. Ich bin gern Deutsche, also wollte ich, daß die Kinder ähnlich aufwachsen wie ich. Später können sie sich immer noch entscheiden, ob sie nach Frankreich oder Amerika gehen. Es ist schön, wenn man eine Basis hat. Das heißt ja nicht, daß man nicht international sein kann."

          Bin ein Muttertier geworden

          Man kann das, was die Dreiunddreißigjährige gerade so nüchtern "Basis" genannt hat, getrost auch mit einem gemütvolleren Wort bezeichnen: "Heimat ist das, was man mit geliebten Menschen und der Kindheit verbindet." Sie wurde "tolerant und international" erzogen, aber gerade in der Fremde erkannte sie sich selbst: "Wenn man wegzieht aus dem Land, stellt man erst fest, wie deutsch man ist." Sie war lange weg. Anfang der neunziger Jahre zog sie nach Paris, arbeite für Firmen wie Chanel, Dior, Versace oder Valentino und vor allem immer wieder für Karl Lagerfeld. Dann zog sie sich ein paar Jahre zurück.

          Und in der neuen Rolle, als Schauspielerin im Thriller „Dornröschens leiser Tod”

          "Darin werden sich viele Frauen wiedererkennen: Ich wollte mich erst mal nur um die Kinder kümmern. Ich bin zu einem richtigen Muttertier geworden." Vor etwa eineinhalb Jahren kehrte allmählich die Lust auf Arbeit zurück. Seitdem sieht man sie wieder auf Laufstegen, als Wonderbra-Model und jetzt auch im Fernsehen - heute zeigt das ZDF um 20.15Uhr den Krimi "Dornröschens leiser Tod", in dem sie ihre erste Hauptrolle spielt.

          Bewunderung für Marlene Dietrich

          Sie wirkt dünner als auf Fotos und auf dem Bildschirm. Man erinnert sich, irgendwo gelesen zu haben, daß die Kamera immer fünf Kilo hinzuzaubert. Von den deutschen Topmodels der vergangenen 15 Jahre ist Nadja Auermann gewiß diejenige, die sich am wenigsten als Pin-up für die Baubuden eignet. Ihr kühles Äußeres spricht eher die exquisiten Geschmäcker an. Das meinte Lagerfeld wohl, als er sie die "Marlene Dietrich der neunziger Jahre" nannte. Sie hat das nie als Hypothek empfunden, sondern nur als Ansporn: "Ich bewundere die Dietrich sehr. Nicht nur als Schauspielerin. Großartig war ihr politisches Engagement. Es ist bewundernswert, wenn sich jemand gegen das eigene Land stellt. Oder vielmehr, wie sie es getan hat, gegen Hitler, weil sie davon überzeugt war, daß durch ihn Unrecht passiert. Eigentlich ist das der größere Patriotismus, wenn man sagt: ,Halt, hier läuft was ganz schief!' Es zeigt eigentlich, daß sie Deutschland extrem geliebt hat."

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