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Nachwuchsmodels : Es läuft gut für deutsche Mädchen

Julia Stegner war vor fast 10 Jahren die Vorreiterin der neuen Modelwelle Bild: dpa

Sie sind jung, blond und diszipliniert. Deutsche Mädchen sind in der Modebranche gefragt wie nie. Ganz ohne Heidi Klum erobert eine neue Model-Generation die Laufstege von New York bis Mailand.

          In der Business-Lounge des New Yorker Kennedy-Flughafens wurde Luca Gadjus vor kurzem erst mal abgewiesen. Außer der Bordkarte musste sie auch ihren Ausweis vorzeigen. In der Lounge wird Alkohol ausgeschenkt, daher ist das Mindestalter 21 Jahre. Luca Gadjus lacht, als sie das erzählt, während sie vor einem Fototermin geschminkt und frisiert wird - noch immer halb ungläubig und halb geschmeichelt.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Nachfrage des strengen Sicherheitsmanns lassen sich mindestens drei Dinge entnehmen: Erstens sind auch Models, die gut im Geschäft sind, heute keine Supermodels mehr - sie werden nicht mehr überall erkannt. Zweitens ist der Preisverfall im Modelgeschäft, der auf den Andrang von Osteuropäerinnen zurückgeht, noch nicht so dramatisch, dass Luca neben den Moderedakteuren in der Holzklasse sitzen müsste. Und drittens darf sich Luca, die mit ihren 25 Jahren schon zu den älteren der neuen deutschen Models zählt, durchaus noch zum Nachwuchs rechnen.

          Es sind vor allem die Sechzehn- und Siebzehnjährigen, die nun von Deutschland aus und ohne Hilfe von Heidi Klums suspekter Casting-Show „Germany's Next Topmodel“ die Laufstege und die Modetitel der Welt erobern: Toni Garrn auf der Märzausgabe der deutschen „Vogue“, Alexandra Tretter auf dem Märztitel der deutschen „Elle“, Katrin Thormann im Dezember auf der italienischen „Vogue“ sowie in dieser Woche auf den Laufstegen von Zac Posen oder Donna Karan, das noch neuere Gesicht Karolin Wolter bei Schauen von Marc Jacobs und Matthew Williamson - und auf der Suche nach Isabelle Sauer wird man bald auf mehr als nur 812 Google-Treffer stoßen. Wohl noch nie hatten deutsche Mädchen in der Modeszene einen so guten Lauf.

          Die heute 24-Jährige wurde auf dem Münchner Oktoberfest entdeckt

          Vom „Brazilian Moment“ zum „Sauerkraut Look“

          Nach Claudia Schiffer, die in den neunziger Jahren zu den Supermodels gehörte (und deshalb auch noch mit 38 Jahren bestens i Geschäft ist), mussten sich deutsche Mädels meist hinten anstellen. Erst gab es in der Modelgeschichte den „Brazilian moment“ mit Gisele Bündchen, Adriana Lima, Raquel Zimmermann und vielen anderen. Dann strömte eine unüberschaubare Flut junger Osteuropäerinnen auf die Laufstege, die Olga oder Nadja oder Natalia hießen, hohe Wangenknochen hatten und mit 16 Jahren ihre gesamte Familie im Ural versorgen mussten.

          „Jetzt könnten 15 Jahre ,Brazil-Terror' ein Ende haben“, sagt Pascal Kluttig, der in Berlin die Modelagentur Seeds betreibt und unter anderen Katrin Thormann unter Vertrag hat. Gefragt sei derzeit der nordische Typ mit klassischen Gesichtszügen und einer blonden Coolness - die allerdings nicht nur deutsche, sondern auch holländische oder skandinavische Models ausstrahlten. Die Deutschen stechen aber heraus. Das „New York Magazine“ spricht vom „Sauerkraut-Look“ auf den Runways: „blond und atemberaubend schön“.

          Das ist auch Katrin Thormann, die kühle Blonde aus dem hohen Norden. Aufgewachsen ist sie in Kiel, entdeckt wurde sie vor vier Jahren auf dem Berliner Alexanderplatz, als sie eine Tante besuchte. Damals gab es noch nicht die Sendung „Germany's Next Topmodel“, die seit drei Jahren bei jungen Mädchen den meist wolkigen Wunsch beschleunigt hat, Model zu werden. Als Katrin damals von einem Scout angesprochen wurde, reagierte sie überrascht: „Im ersten Moment war ich total verwirrt und perplex.“ Vielleicht war es deshalb gut, dass die Agentur ihr erst mal nur kleine Aufträge in Deutschland gab und sie in Ruhe ihr Abitur machen konnte. Im vergangenen Jahr wurde sie ins Ausland geschickt - und startete sofort durch. Prada, Chanel und Louis Vuitton buchten sie für die Laufstege, zweimal war sie schon auf dem Cover der italienischen „Vogue“ - höher geht's nicht in der Mode.

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