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Modeschöpfer Damir Doma : Die großen Ziele sind eingewebt

Blick ins Frühjahr: Damir Domas Models gehen mit einem neuen Accessoire ins kommende Jahr. Bild: AFP

Damir Doma ist eines der größten Talente der internationalen Mode. Der Traunsteiner aus Kroatien ist in Paris schon etabliert.

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          Dieser Mann ist angekommen in Paris. Sein Laden liegt gleich hinter Burberry, Brunello Cucinelli und Moschino – und direkt vor Comme des Garçons. In den Fenstern seines neuen Geschäfts spiegeln sich die Fassaden aus dem 19. Jahrhundert. Das sieht so luxusverliebt aus, nach alter Pracht und neuem Geld - wie passt das zur Ungezwungenheit eines Hausherrn von gerade einmal 31 Jahren?

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Rue du Faubourg Saint-Honoré, eine der wichtigsten Einkaufsstraßen der Welt. Damir Domas Laden schwelgt in den sanften Honigtönen des Fischgrätparketts, dem noblen Beige der Treppen aus geschichtetem Travertin, der kupfergrünen Alterungsschicht handgearbeiteter Verdigris-Deckenspiegel und dem rauhen Charme der belassenen Betonwände. Aber der Modemacher selbst, schwarze Lederjacke, grauer Strickschal, scheuer Blick, gibt nicht viel auf die Konventionen der Luxusmeile. Dass er sein erstes Geschäft vor einem halben Jahr genau hier eröffnete, dafür gibt es nur eine Begründung: „Es ist im Hinterhof! Sonst wäre ich nicht hierhergekommen. Neben Comme des Garçons - das ist genau unsere Positionierung.“

          Von wegen scheu! Damir Doma weiß, wohin er will. Sich mit den wichtigsten Avantgarde-Marken zu messen, das ist schon nicht mehr vermessen bei diesem Designer, der in Kroatien geboren wurde, in Bayern aufwuchs und sich gerade in Paris seine Welt auf eine Art zusammennäht, die man so vorher noch nie gesehen hat.

          „Mein Stil ist erwachsen geworden“

          Anfang Oktober beim Prêt-à-porter. Military-Style mit weiten Mänteln und olivgrünen Oversize-Hosen, sportliche Kleider samt Zipper und Tunnelzug, schön drapierte weiche Lederjacken, ein ärmelloser Seidenoverall in Saphirblau und „surreal green“: Mit dieser Mischung aus elaboriertem Minimalismus, dekonstruierter Avantgarde und dekorierter Sport-Couture traf er genau den Zeitgeist. Sogar die stets kritische Nicole Phelps von style.com, der seine Kollektionen bis dahin zu verträumt waren, schrieb von einem „click moment“. Nach dieser Kollektion könnte man sich Damir Doma, der schon einige Angebote großer Modehäuser bekommen hat, sogar auf dem Posten des Chefdesigners von Balenciaga vorstellen - wo man nächste Woche allerdings Alexander Wang als Nachfolger von Nicolas Ghesquière präsentieren wird.

          “Dieses Jahr ist mein Stil erwachsen geworden“, sagt Doma. „Es dauert, bis man eine eigene Ästhetik, eine eigene Sprache gefunden hat. Aber jetzt bin ich so weit. Ich fühle mich sehr sicher auf meinem Feld.“ Wem das Selbsturteil und die ästhetische Stimmigkeit der Kollektion nicht reicht: Nach nur sechs Jahren im Geschäft kratzt der Modemacher - mit 35 Mitarbeitern in Paris und zehn weiteren, die in Traunstein die Musterkollektionen machen - an der Marke von zehn Millionen Euro Umsatz. Für solche Zahlen müsste man in Berlin viele Designer zusammenrechnen.

          Im Grunde ist er seit seiner Geburt vor drei Jahrzehnten in der Mode. „Meine Mutter ist Designerin und macht in meiner Kollektion die Schnitte. Daher habe ich eine ganz natürliche Beziehung zu dem Geschäft.“ Und daher war es nur logisch, dass Damir, der in Kroatien geboren wurde und am Chiemsee aufwuchs, zur Esmod nach München und Berlin ging.

          „Ich will ein Modehaus aufbauen“

          Wichtiger aber war Antwerpen, seit den Neunzigern ein Sehnsuchtsort deutscher Designer: „Da waren die einzigen, mit denen ich mich identifizieren konnte.“ Er kannte die Stadt gar nicht. Aber am Tag, nachdem er 2004 in Berlin die Modeschule abgeschlossen hatte, fuhr er hin. Wieder einen Tag später war er Praktikant, dann Assistent bei Dirk Schönberger, dem heutigen Chefdesigner der Adidas-Modelinien. Außerdem arbeitete er auch für Raf Simons, der seit diesem Jahr bei Dior das Design bestimmt. „Beide sind intelligent und offen, arbeiten strukturiert und verknüpfen vieles. Einfach nur Kleider zu zeichnen funktioniert heute nicht mehr, das ist viel zu limitiert. Man muss größer denken.“

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