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Modemarke „Opening Ceremony“ : Der Laden um die Ecke

Freunde und Kollegen, aber kein Paar: Carol Lim und Humberto Leon in New York Bild: Mark Peterson/Redux/Redux/laif

Dass man Mode aus aller Welt heute überall kaufen kann, liegt auch an „Opening Ceremony“. Die Marke atmet olympischen Geist - als Schubs in Richtung Globalisierung. Von New York bis London ist es nicht weit.

          5 Min.

          Zwei Geschichten, die mit der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele, der Opening Ceremony, zu tun haben, und mit Mode: Die erste ist schnell erzählt und geht nicht gut aus, hauptsächlich, weil sie in China beginnt. Die zweite hat ihren Ursprung auf der benachbarten Insel Hongkong. Die zwei Modegeschichten sind, jede auf ihre Weise, auch symptomatisch für ein verunsichertes Amerika.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Geschichte Nummer eins findet vergangene Woche ihren Höhepunkt, als sich herumspricht, in welchem Aufzug die amerikanischen Olympioniken bei der Londoner Opening Ceremony ihre Runden drehen sollen. Entworfen sind die Uniformen zwar von dem Modemacher Ralph Lauren, gefertigt aber wurden sie nicht im Heimatland, sondern in China. Wenn alles so bleibt, dürfte die Opening Ceremony für Ralph Lauren deshalb ein mittleres PR-Desaster werden. Ende der ersten Geschichte.

          Für Geschichte Nummer zwei muss man etwas weiter ausholen. Dabei ginge es, pünktlich zur Eröffnung der Olympischen Spiele, nur um einen neuen Store in der Olympia-Stadt und um eine lustige Namensgleichheit - wäre die New Yorker Marke, die Opening Ceremony heißt und sich in London mit einem ersten europäischen Stützpunkt einrichtet, nicht ebenjene Institution, die amerikanische Träume anderer Designer erfüllt, die aus jungen Tröpfen halbe Modemillionäre macht, und mit diesen dann wiederum den Bringdienstcharakter der Globalisierung noch fester in der Mode verankert. Gut, irgendwie hat es Opening Ceremony auch geschafft, Anlaufstelle für die Hipster der Welt zu werden.

          Aber so weit sind Carol Lim und Humberto Leon, die Köpfe hinter Opening Ceremony, im Jahr 2001, im Urlaub in Hongkong, noch lange nicht, und überhaupt müssen sie sich erst einmal kennenlernen. Vor dem Hongkong-Trip liegt eine halbe Ewigkeit Freundschaft.

          Die Rollenverteilung: Sie ist die Fleißige, er geht gerne feiern

          Es ist 1993, und Carol Lim, 18 Jahre alt und im zweiten Jahr Studentin in Berkeley, ist an diesem Abend eigentlich schon bettfertig. Die Schlafanzughose hat sie bereits übergezogen. Sie sitzt nur noch mit ein paar Freunden zusammen, als der damals ihr noch fremde Humberto Leon, Student an derselben Uni und ebenfalls 18 Jahre alt, an der Tür klingelt. Ob man denn nicht noch weggehen möge, schlägt er vor.

          Die Rollenverteilung zwischen den zwei Freunden, die bis heute kein Paar sind, wird in den kommenden Jahren so bleiben: Sie ist die Fleißige, er geht gerne feiern. Aber an diesem Abend lässt sich Lim doch überreden und zieht zur Schlafanzughose nur noch schnell die High Heels an. Gemeinsamkeiten finden Lim und Leon schnell. Abgesehen davon, dass beide ihr Outfit cool finden, haben sie asiatische Wurzeln, sind Vorstadtkinder vom Rande von Los Angeles und kennen die Malls dort in- und auswendig. In den kommenden Jahren entdecken sie gemeinsam die Charity-Läden der Heilsarmee als überraschende Quelle für Gebrauchtes von Chanel oder Louis Vuitton.

          Nach dem Studium verlieren Lim und Leon zunächst den unmittelbaren Kontakt zueinander und treffen sich erst ein paar Jahre später in New York wieder. Lim arbeitet jetzt beim Schweizer Modehaus Bally, Humberto bei Burberry. Wirklich zufrieden ist keiner von beiden, und mit dieser Gemeinsamkeit geht es 2001 in den Urlaub nach Hongkong. Lim und Leon sind begeistert von den Designern der Stadt und überlegen pausenlos, welche Mode-Mitbringsel für wen daheim in New York im Koffer landen sollen. Als der Urlaub zu Ende ist, brauchen sie weit mehr Platz, als in ihrem Gepäck für Souvenirs frei ist. Lim und Leon kratzen ihre Ersparnisse, 20.000 Dollar, zusammen, mit denen sie die Kleider unbekannter Designer aus Hongkong einkaufen und sich ein paar Monatsmieten in der New Yorker Howard Street leisten können.

          Die olympische Idee: Sport, Business, weltweite Partizipation

          Die ist im Jahr 2002 in Maklerkreisen nicht wirklich ein Sahnestück. Die Bürgersteige werden zwar mittlerweile von Laternen beleuchtet, als angeblich letzte Straße Manhattans wurde sie mit ihnen ausgestattet, und die Mörder der Stadt haben sich einen anderen Ort gesucht, an dem sie ihre toten Opfer liegenlassen. Aber nach 20 Uhr kommen immer noch Leute angefahren, um ihren Müll auf dem schmalen Streifen zwischen Broadway und Lafayette abzuladen. Im August 2002 sind Lim und Leon so weit, in einem Haus mit windschiefen Feuerleitern zu eröffnen.

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