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Models : Privat gern selbstgenäht

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Die richtige Haltung: Auch Kate Moss kommt es nicht darauf an, was sie trägt. Zur Stilikone wurde sie trotzdem. Bild: AP

Die vergangenen vier Wochen waren für Models wegen der Schauen Modewochen. Persönlich interessieren sie sich dafür nicht die Bohne, schreibt unsere Autorin – ein ehemaliges Model.

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          Als die französische Stylistin Carine Roitfeld vergangenes Jahr sagte, dass natürlich belassene Augenbrauen am schönsten seien, ging der modische Trend - in gewissen Kreisen - prompt in diese Richtung. Das ist insofern paradox, als Roitfeld selbst keine Freundin des Modediktats ist. Vor zwei Jahren verließ sie ihren Posten als Chefredakteurin der französischen „Vogue“ angeblich deshalb, weil sie keine Lust mehr hatte, im Heft auch solche Kleidung zu zeigen, die ihr persönlich nicht gefiel. Auch in Interviews gibt sie sich rebellisch, gerade neulich wieder, als sie „Le Figaro“ sagte: „Alles Modische ist ein Ärgernis. Die Eleganz, das sind Gedanken.“ Ungewöhnliche Töne für eine Stylistin. Doch andererseits: In den siebziger Jahren war sie Mannequin in Paris. Und Models, wer hätte das gedacht, haben es nicht so mit Mode.

          Im Gegenteil, so scheint es. Gefragt, wie eine Frau sich gut kleide, antwortet das Topmodel Luca Gadjus: „Sie muss sich wohl fühlen in ihren Sachen, sollte keine Looks vom Laufsteg kopieren und den Mut haben, auch mal schlecht gekleidet zu sein.“ Aus Sicht ihrer Kollegin Jana Flötotto sind Modetrends gar nur „ein großes Fragezeichen, von Person zu Person weitergegeben“. Und Kate Moss erst! Laut „Daily Telegraph“ findet sie: „Es kommt nicht darauf an, was du anziehst. Die Haltung zählt.“ Das könnte reine Koketterie sein. Zugleich steckt aber auch anderes dahinter: Überdruss.

          Im Unterschied zu Designern, Fotografen oder anderen Kreativen entscheiden Models sich in erster Instanz nicht aus eigenem Antrieb für die Modebranche, sondern werden für gewöhnlich von Modelscouts entdeckt. Unbedarfte Schulmädchen, die dann über Nacht eintreten in die Modesphäre. Das kann ein Kulturschock sein, bis hin zum dauerhaften inneren Ausstieg.

          Man kennt ja die Bilder von Models in Klatschmagazinen: Gisele Bündchen in abgeschnittenen Jeans und Schlabbershirt, beim Einkaufen in einem Supermarkt. Niemand würde vermuten, dass die schöne Brasilianerin laut „Forbes“ 45 Millionen Dollar pro Jahr verdient. Oder Kate Moss, wie sie beim Glastonbury-Festival durch den Matsch watet, in ollen Gummistiefeln, die selbst „Spiegel online“ 2005 jubeln ließen: „Fetisch für die Füße! Alle wollen sie haben.“ Die Schuhe? Oder die Frau? Was auch immer sie anzieht, wird in den Medien zum Trend erhoben. „Model-Schick“ heißt es dann.

          Sieht beim Einkaufen anders aus: Gisele Bündchen
          Sieht beim Einkaufen anders aus: Gisele Bündchen : Bild: dpa

          Lässig tagsüber, Jeans und Blazer. Aber elegant bis leicht verrucht am Abend, wenn „Kate“ mit einer guten Freundin wie Roitfeld loszieht, die in der „Vogue“ mal über sie schrieb: „vielleicht kein Musterkind, aber die inspirierendste aller Musen“. Die beiden kleiden sich beim Ausgehen auch ähnlich: schmale Hosen oder Lederleggings, enge Kleider, Pencilskirts, Seidenblusen, Pfennigabsätze, viel Spitze und viel Schwarz. Nur selten Muster wie Leoprints. Hier und da etwas Pelz. Teure Taschen, edler Schmuck, offenes Haar.

          So sind sie in der öffentlichen Wahrnehmung zu „Stil-Ikonen“ aufgestiegen. Auch wegen Blogs wie „I want to be a Roitfeld“ oder „Kate Moss Daily“ von Fans, die nach jedem ihrer öffentlichen Auftritte dokumentieren, was die eine oder die andere anhatte. Das sei ihr „manchmal ein bisschen viel“, sagt Roitfeld.

          1999 brachte der deutsche Fotograf Jürgen Teller das Buch „Girls knocking on my door“ heraus, eine Sammlung von Polaroids weiblicher Models, die sich an seinem Londoner Wohnsitz bei ihm vorgestellt hatten. Der New Yorker Craig Arend hat die Idee von den schönen Mädchen, die an fremde Türen klopfen, um berühmt zu werden, vor einiger Zeit ins digitale Zeitalter übersetzt. Für seinen Blog „Alta Mira“ („Hohes Ziel“) fotografiert er Models, die hoch hinauswollen, auf dem Weg zu Castings und Jobs in New York, Mailand, Paris. Manche bleiben für ihn stehen, schenken ihm eine Pose, ein Lächeln. Andere haben es so eilig, dass er sie nur, wie die Paparazzi, im Vorbeigehen ablichten kann. Das Äußere der Mädchen, sagt er, sei von ihrem Leben in zwei unterschiedlichen Welten geprägt - also der Modewelt hier und der Heimat dort.

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