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Modelbusiness : Arbeit an der Show

  • Aktualisiert am

Ein interessantes Gesicht Bild: ©Helmut Fricke

Anne Sophie Monrad ist kein Fernseh-, sondern ein echtes Topmodel. Und eine Schau auf der New Yorker Modewoche ist kein Survival-Event, sondern eine Backstage-Geduldsübung. Alfons Kaiser war mit dem deutschen Nachwuchs-Star unterwegs.

          4 Min.

          14.53 Uhr Sie ist da, endlich. Anne Sophie, schwarzes Tuch in der Hand, rote Tasche über der Schulter, dritte Saison als Model, läuft fast am Hintereingang der Modezelte am Lincoln Center vorbei. Vor ein paar Tagen war sie noch in Tokio, Magazin-Aufnahmen (da zahlen die Hefte noch etwas), jetzt ist sie hier in Manhattan, New York Fashion Week.

          Heute begann der Tag um neun Uhr, Tory-Burch-Fitting, dann Anprobe bei Rodarte, für die Schau morgen, dauert auch ein paar Stunden. Eigentlich sollte sie um 14 Uhr am Zelt sein. Jetzt ist sie in Eile, biegt auf die Holzrampe zum Hintereingang, vorbei an den übergroßen Lüftungsrohren, dem donnernden Generator, ins eiskalte weiße Plastikzelt. Wenn man einen Termin verpasst, gibt's Stress mit der Agentur. Hier ist sie nicht die Letzte. Die Schau von Alexandre Herchkovitch steht in zwei Stunden an.

          15.18 Uhr

          Sie hat ein interessantes Gesicht, sagt Mauricio Ianes, Stylist und rechte Hand von Alexandre Herchkovitch. Das passt zur starken Kollektion. Es ist eine brasilianische Firma, 1992 in São Paulo gegründet. Erst waren es nur T-Shirts, dann eine Gesamtkollektion. Seit sechs Jahren zeigen sie ihre Mode in New York und verkaufen sie in alle Welt.

          Vor ein paar Tagen war sie noch in Tokio, jetzt ist sie hier in Manhattan

          Auch auf dem Laufsteg soll es multikulturell aussehen, daher kommen die Mädchen von überall her. Vanessa von Bismarck, die PR-Frau, die per Headphone ihre Mädchen dirigiert und die Journalisten in Schach hält, sagt über die Mode: theatralisch, funky, cool. Noch trägt Anne Sophie eine Jacke von Urban Outfitters, das Tuch von American Apparel und eine Vintage-Tasche aus London.

          15.33 Uhr

          Rolando Beauchamp, Puertoricaner, goldene Brille, vom Nobelfriseurladen Bumble and bumble, ist mit zehn Angestellten und noch mehr Helfern da. Die Frisuren sollen an die Sechziger und die Achtziger erinnern, sagt er. Er mag es nicht, wenn die Mädels die ganze Zeit in den Blackberry hacken. Sie sollen aufrecht sitzen und die Bewegungen mitmachen. Sie macht das gut, sie geht mit, sagt er über Anne Sophie.

          Rolando hüpft von Mädchen zu Mädchen, von der linken Seite zieht er die Haare hoch, oben werden sie zu einem Knoten gedreht. Vier Leute zerren an Anne Sophie. Die Hände der Friseure am Kopf sehen aus wie die Schlangen, die der Medusa aus dem Kopf kommen. „Spannt ein bisschen, wie ein Facelifting“, sagt sie, „aber es geht.“ Ein Mädchen nebenan verzieht das Gesicht, eine weint.

          15.46 Uhr

          Sie will erst einmal probelaufen, die Schuhe sind schwierig. Ganz schnell sollen sie gehen, dann stoppen, dann zurück. Und wieder durch das Brummen der Klimaanlage zurück zum Frisuren-Zelt. Alle sind inzwischen da. Stylisten, Make-up-Leute, Journalisten, Kameramänner, Designer, PR-Leute, Modelmanager, Assistenten, Models, Caterer.

          Die Friseurinnen schlagen die Bürsten auf die Oberschenkel und stecken die Haarklammern ans Revers ihrer Jacken. Die Fotografen kommen mit Riesen-Rucksäcken. Und jetzt ist auch noch die Polizei da. Aber die suchen nur nach dem Ausgang.

          16.09 Uhr

          Endlich vom Hair zum Make-up, in die Hände von Philippe Chancel, „Key Make-up Artist“ von Mac. Hier muss man nicht viel machen, meint er, nur die schönen Wangenknochen hervorheben und präzisieren. Die Farbe kommt über die Lippen. Zwölf Make-up-Leute sind da: viele Looks, viel Arbeit. Sind die Schuhe türkis, ist das Make-up türkis, sind die Schuhe pfirsichfarben, ist das Make-up pfirsichfarben. Ihre Schuhe sind grün. Philippe Chancel will Farbe zum Accessoire machen: Keine Angst vor Grellem! Vier Fotografen hängen an Anne Sophies grellen Farben. Die Schau soll um fünf sein. Fertig? „Na ja.“

          16.25 Uhr

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