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Modelabel c.neeon : „Wir sind so deutsch“

c.neeon: Einhüllendes vom jungen Modelabel Bild:

Auf der Londoner Fashion Week überraschte das junge Berliner Modelabel c.neeon mit ungewöhnlichen Stoffen und Entwürfen. Als einzige Deutsche vor Ort nutzte das Designer-Duo dabei seinen Außenseiter-Status geschickt aus.

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          Die Augenbrauen zupfen sich Doreen Schulz und Clara Kraetsch nicht. Das unterscheidet die beiden von so ziemlich allen anderen Frauen im zweistöckigen Ausstellungszelt vor dem Natural History Museum. Doreen ist 30 und stammt aus Thüringen, die 31 Jahre alte Clara aus Berlin. Eben haben sie auf der Londoner Fashion Week ihre Entwürfe für Frühling und Sommer 2007 über den Laufsteg geschickt. Ihr Label c.neeon entsteht in Berlin, in einem Atelier in Lichtenberg.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Clara und Doreen sind die einzigen Deutschen unter den 49 Designern, die in der vergangenen Woche in London ihre Kollektionen vorstellten. Es ist üblich, daß sich die Modeschöpfer am Ende eines jeden Defilees den Besuchern zeigen, je nach Temperament triumphal über den Laufsteg schreiten und sich von Publikum und Models beklatschen lassen - oder aber wenigstens einen schnellen Handkuß werfen und sich verbeugen. Die erste Variante wählte diesmal etwa der Modeschöpfer Paul Smith, für die zweite entschied sich zum Beispiel die Designerin Bella Freud, Urenkelin des Psychoanalytikers Sigmund Freud, die es übernommen hat, die Marke Biba wiederzubeleben, jenes englische Kult-Label der sechziger und frühen siebziger Jahre.

          Als aber die c.neeon-Schau im Zelt des British Fashion Council vor dem Naturkundemuseum endet, applaudieren die Zuschauer ins Leere. „Rike wollte, daß wir diesmal rauskommen“, berichtet Clara. Rike Döpp, ebenfalls um die Dreißig, ungeschminkt wie Clara und Doreen, macht die Öffentlichkeitsarbeit für c.neeon. „Aber“, fährt Clara fort, „in dem Moment will man sich lieber verstecken.“ Doreen ergänzt: „Man ist auch wahnsinnig müde.“ Dann wieder Clara: „Außerdem, wenn es die Entwürfe nicht rübergebracht haben - dann weiß ich auch nicht.“ Die Entwürfe aber bringen es rüber. Im vergangenen Jahr gewann c.neeon den großen Preis des Internationalen Mode-Festivals in Hyères; dieser Tage ging eine c.neeon-Ausstellung im Kunstgewerbemuseum Berlin zu Ende.

          „Mode für den einzelnen Menschen”

          „New Generation Designers“

          Jetzt sitzen die beiden erschöpft im Ausstellungszelt, in dem mehr als zweihundert Designer ihre Stände aufgebaut haben. Vor der Schau konnten sie nur einmal proben. Der Laufsteg war von der Biba-Schau am Vorabend noch lila eingefärbt, mußte hastig weiß gestrichen werden - und erst einmal trocknen. Das „C“ in „c.neeon“ steht für „Clara“; „Neeon“ war das klägliche Ergebnis, als Doreens jüngere Schwester im Kleinkindalter versuchte, den Namen der Großen auszusprechen. Unter den von der englischen Bekleidungskette „Topshop“ gesponserten „New Generation Designers“ - die also nicht selbst dafür aufkommen müssen, in London zeigen zu dürfen - sind die Deutschen die einzigen, die nicht in Großbritannien studiert haben. Sondern an der Kunsthochschule Weißensee, wo sie sich 2001 kennengelernt haben. Einmal sagt Clara: „Daß wir immer so auf das Ganze gucken, das kommt vielleicht daher, daß wir von der Kunsthochschule kommen. Das Bauhausprinzip zielt ja auch darauf, daß man ein Kunstwerk von allen Seiten betrachten können muß.“

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