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Modedesigner : Kleider machen heute

Die neue Klementine: Michalsky macht nicht nur Mode, sondern auch Werbung für Waschmittel Bild:

Modedesignern weht in diesen Zeiten ein kalter Wind entgegen. Um Erfolg zu haben, reicht es nicht, schöne Mode zu machen: Nur wer sich gut verkauft und mehr als ein Standbein hat, kann überleben.

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          Der Markt kann grausam sein. Bis zum 22. Dezember war das Leben von Klaus Unrath und Ivan Strano ein Märchen. Sie waren so etwas wie Siegfried & Roy der Modewelt: ihre Entwürfe pompös, ihre Auftritte schillernd, ihre Kundinnen prominent. Minu Barati-Fischer schritt in ihren Abendroben über Berlins rote Teppiche, Sabine Christiansen kam zur Schau nach Paris, Sonya Kraus war eine gute Freundin.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Noch im Dezember hatte Vicky Leandros zwei Kleider bestellt. Zur Anprobe mit den beiden Designern wird es nicht mehr kommen. Ansprechpartner für das Label ist vorläufig ein Mann mit wenig Sinn für Glamour: Björn Gehde, Insolvenzverwalter - seit dem 22. Dezember läuft ein Verfahren beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg wegen nicht bezahlter Rechnungen. Für Unrath und Strano dürfte sich der Absturz anfühlen wie das ernüchternde Ende einer langen Partynacht.

          Schuld am Designersterben

          Die Pleite von Unrath und Strano ist nicht die einzige in der Branche. Und nicht die einzige in Berlin. Manches Label löste sich still und leise auf wie eine Brausetablette im Wasser. Die Marke „Pulver“ zum Beispiel: Vier Frauen, die vor gut fünf Jahren zu den ersten gehörten, die mit Mode aus Berlin für Aufmerksamkeit sorgten. Heute ist ihr Geschäft geschlossen, ihre Mode Geschichte, ihr künftiger Werdegang: ziemlich unklar. Genauso wie der von Zerlina von dem Bussche, die als großes Talent galt, als sie vor sechs Jahren - damals noch im Duo - originelle Trachtenmode auf den Markt brachte. Heute trudelt ihre Marke „Sisi Wasabi“, die mittlerweile zur Icon Fashion Group gehört, führungslos gen Abgrund.

          Gen Abgrund: Sisi Wasabi“ gehört mittlerweile zur Icon Fashion Group

          Schuld am Designersterben ist aber nicht immer die Finanzkrise. Viel hat auch mit dem veralteten Selbstbild des Berufsstandes zu tun: Ich entwerfe schöne Kleider, also bin ich. Tatsächlich aber müsste es heißen: Ich entwerfe schöne Kleider - und verkaufen muss ich sie auch. Mode verlangt heute nach mehr: mehr Marketing, mehr Mut, und am besten hat man mehr als ein Standbein, auf das man seine Marke stellt.

          Jedes Produkt designen

          Der Designer neuen Zuschnitts ist faszinierend und abschreckend zugleich. Er beherrscht die Eigen-PR genauso wie den großen Auftritt auf dem Laufsteg. Er entwirft High-End-Mode, Straßenmode, Taschen, Schlüsselanhänger, Kaffeetassen. Er parliert in Talkshows, hält Small Talk mit Hollywood-Stars und ist Juror einer Casting-show. Das klingt übertrieben? Nicht für den, der Michael Michalsky erlebt hat - der Pop-Star unter den Berliner Designern. Energiegeladen, eitel, immer in Bewegung. Er sagt, was er denkt. Und er macht, was er will. Und das ist eine ganze Menge: seine eigene Kollektion Michalsky, Michalsky Jeans, eine Kollektion für den Taschenhersteller MCM, die Kollektionen für den chinesischen Sportartikelgiganten Dongxiang, er macht Werbung für Waschmittel, Werbung für einen Paketdienst und ist Juror bei der Sat.1-Castingshow „Die beste Idee Deutschlands“.

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