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Modedesigner Harald Glööckler : „Wie Coco Chanel auf LSD“

Brigitte Nielsen tanzt für Glööckler Bild: dpa

Der Modedesigner Harald Glööckler machte mit schrillem Auftreten auf sich aufmerksam. Jetzt kämpft er um Anerkennung - und gegen sein Image.

          5 Min.

          Glamour-Fernsehen beim Shopping-Sender HSE24: Designer Harald Glööckler trägt einen schwarzweißen Anzug im Leoparden-Look. Das Studio ist in goldener Marmor-Optik gehalten. Man führt Verkaufsgespräche, glamouröser Art. Im Angebot: eine beigefarbene Tasche in Velours-Schick für 49,98 Euro. "Elegant, vornehm, nicht aufdringlich", sagt die Moderatorin. "So butterweich - zum Knuddeln", sagt der Designer. Du, Harald", fragt die Moderatorin schließlich, "wann kommen dir eigentlich so glamouröse Ideen?" Glööckler blickt kurz in die Kamera. "Eigentlich ständig", antwortet er und legt glamourös nach: "Gina Lollobrigida hat mal zu mir gesagt: ,Harald, du bist ein Vulkan voller Ideen.'"

          Anke Schipp
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mehrmals im Monat präsentiert Harald Glööckler seine Kollektion beim Münchner Verkaufssender HSE24. Glööckler ist Modedesigner und der Mann, über den gesagt wird, er sei die "deutsche Antwort auf Gianni Versace". Oder er werde "Nachfolger von Karl Lagerfeld". Oder er mache Mode wie "Vivienne Westwood in ihren kreativen Bestzeiten". Oder wie "Coco Chanel auf LSD".

          Mode für Frauen, die gerne Prinzessinnen wären

          Die deutsche Antwort auf Gianni Versace empfängt im Showroom am Mariendorfer Damm in Berlin. Hinter einem schweren Vorhang öffnet sich das Reich des Harald Glööckler. Es hat zweifelsohne monarchische Züge: Die Sessel sind mit rotem Stoff überzogen, der graue Bürofilz wird mit Perserteppichen veredelt, an der Wand hängen goldene Spiegel und Selbstbildnisse in Öl, an den Büsten hängen seine Kleider: reich verziert und aus teuren Stoffen. Mode für Prinzessinnen oder Frauen, die gerne welche wären. Für den Alltag ungeeignet.

          Der schrille Designer und sein Selbstportrait
          Der schrille Designer und sein Selbstportrait : Bild: dpa

          Der Mode-König, der sich auch mal Mode-Künstler nennt, sitzt im Sessel und spreizt die Hände, an denen kastaniengroße Ringe funkeln. Er trägt einen schwarzen Blazer mit goldenen Ornamenten und lächelt. "Sie werden sich wundern", hatte sein Geschäftspartner und Lebensgefährte Dieter Schroth zuvor am Telefon gesagt, "Harald Glööckler ist ganz anders, als man ihn aus der Öffentlichkeit kennt."

          Oft wird er belächelt, meistens ignoriert

          Der öffentliche Harald Glööckler ist nicht zu übersehen. Er findet allerdings nicht dort statt, wo Designer in der Regel anzutreffen sind: in Modemagazinen. Glööcklers Bühne ist der Boulevard. Dort, wo Ariane Sommer und Verona Feldbusch mit kleinem Talent ziemlich groß wurden, weil sie die wichtigste Boulevard-Disziplin, die der Selbstinszenierung, bestens beherrschten. Ein Spezialgebiet - auch von Glööckler. Fotografen mögen ihn, ähnlich wie den Kollegen Mooshammer, weil sich schrille Motive in der Regenbogenpresse gut verkaufen lassen.

          Glööckler gibt den Mann im Leoparden-Look, tritt mal wie ein Maharadscha, mal wie ein Sonnenkönig auf, trägt mehr Schmuck als jede europäische Monarchin und bunt lackierte Fingernägel in der Ausführung extra-large. Einige halten seine Auftritte für glamourös. Andere nicht: Das Berliner Stadtmagazin "Tip" hat ihn einmal unter die "100 peinlichsten Berliner" gewählt. Zeitschriften wie "Elle" und "Vogue" halten Distanz. Im System Mode, wo sich ein Designer nicht auf Partys, sondern mit seinen Entwürfen auf den Laufstegen in Mailand und Paris bewähren muß, ist Glööckler ein Außenseiter. Oft wird er belächelt, meistens ignoriert.

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