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Modebranche in der Krise : Schlussverkauf ohne Ende

Feiern, bis der Insolvenzverwalter kommt: Escada-Party auf der Berliner Fashion Week vor sechs Wochen Bild: dpa

Viele Modehäuser leiden unter den Krisenfolgen. Einige Designer hören auf, andere streiten sich mit ihren Managern oder suchen nach anderer Beschäftigung. Der Insolvenzantrag von Escada in der letzten Woche wird nicht der letzte bleiben.

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          Was machen die Modemacher im Sommer? Urlaub. Domenico Dolce und Stefano Gabbana schippern mit Jennifer Lopez vor Capri. Stefano Pilati, der für Yves Saint Laurent arbeitet, hängt mit Kate Moss und anderen auf einer Yacht vor Saint-Tropez herum. Tommy Hilfiger kümmert sich um sein frisch geborenes fünftes Kind. Urlaubsmuffel Karl Lagerfeld fotografiert zur Erholung in Berlin für die Dreißig-Jahre-Jubiläums-Ausgabe der deutschen "Vogue". Und die anderen? Kämpfen ums Überleben.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Denn der Insolvenzantrag, den Escada am Donnerstag beim Amtsgericht München gestellt hat, wird nicht der letzte Unfähigkeitsnachweis der Modeszene bleiben. Das Münchner Unternehmen ist zwar ein Sonderfall - weil das Design nicht mehr innovativ war, die Anteilseigner stritten, das Management keine Linie halten konnte und Luxus in Deutschland ein besonders schwieriges Geschäft ist. Immerhin sagte Insolvenzverwalter Christian Gerloff am Freitag, dass er Chancen für die Fortführung des Unternehmens sieht.

          Ringen mit dem Modetod

          Aber auch viele andere ringen in diesem Sommer mit dem Modetod. Christian Lacroix, einst die letzte große Hoffnung der Haute Couture, ist insolvent und hofft auf neue Investoren. Veronique Branquinho, eine der bekanntesten Designerinnen der Antwerpener Schule, ist nach elf Jahren geschäftlich am Ende. Der amerikanische Herrenausstatter Hartmax, dem auch Barack Obama seine Anzüge verdankt, wurde in letzter Minute gerettet. Die gerade erst wiederbelebte Londoner Marke Ossie Clark ist schon am Ende.

          Billiger geht's nicht: Ausverkauf in den Fußgängerzonen

          In Italien steht die IT Holding, Mutterhaus von Gianfranco Ferré, unter Gläubigerschutz - was auch Roberto Cavalli in Schwierigkeiten bringt, weil er von seinem Lizenznehmer keine Gebühren mehr bekommt. Und in Berlin sind sogar drei Trauerfälle anzuzeigen: Pulver, Von Wedel & Tiedeken, Sisi Wasabi. Mögen sie ruhen in Frieden.

          Rabattschlachten bedeuten empfindliche Einbußen

          Die Rezession in Deutschland scheint zwar gestoppt zu sein - aber die Modemacher ringen noch nicht mit wachsender Nachfrage, sondern vor allem mit mangelnder Kauflaune. Und der Modehandel bekämpft den Flächenbrand auch noch mit Benzin. Viele Schaufenster zieren Rabattaufkleber: 30 Prozent, 50 Prozent, 70 Prozent. Bei Handtaschen macht das nicht viel aus, da stecken die Modehäuser dank riesiger Gewinnmargen noch viel ein. Aber bei Textilien bedeuten Rabattschlachten empfindliche Einbußen.

          Laut "Textilwirtschaft" haben mehr als die Hälfte der Textileinzelhändler in der vergangenen Saison höhere Preisabschriften verzeichnet als im Vorjahreszeitraum. Zudem begannen die Händler früher mit den Angeboten. Fast das ganze Jahr über ist Schlussverkauf. Gute Marken dürfen aber nicht auf die Resterampe. Denn zu einer richtigen Marke gehören auch hohe Preise. Was verschleudert wird, kann nicht viel wert sein.

          Mehr Marktanteile trotz Umsatzrückgang

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