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Mode : Wieder ein bißchen Biba

Adrette Streifen können auch sexy wirken Bild: dpa

Bella Freud - die Urenkelin von Sigmund Freud - sucht bei der Modewoche in London mit ihrer Kollektion das Lebensgefühl der „Sixties“ in ihrer Stadt. Sie soll der Londoner Kult-Modemarke Biba wieder neues, buntes Leben einhauchen.

          5 Min.

          Am Tag vor ihrer Schau hat sich Bella Freud als Biba-Girl zurechtgemacht. Zu enger Bluejeans und Sneakers trägt die schmale Designerin eine Bluse mit blauem Sechziger-Jahre-Tapetenmuster. „To get into the spirit“, sagt die 45 Jahre alte Engländerin: um schon einmal in die Stimmung zu kommen.

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Bella Freud lächelt ein bißchen verlegen. Ihre Stimme ist warm und leise. Die Ponysträhnen des schokobraunen Stufenhaarschnitts fallen in scheue schokobraune Augen. Zwischen Lippen und Nase leuchten zwei kleine Leberflecken im selben Farbton.

          Biba bot mehr als Kleidung

          Wenn es nach der Urenkelin des Psychoanalytikers Sigmund und Tochter des Malers Lucian Freud geht, werden wir im Frühling und Sommer nächsten Jahres alle ein bißchen Biba. Denn Bella Freud hat die Aufgabe übernommen, die Londoner Kult-Modemarke wieder zu farbenfrohem Leben zu erwecken. Seit 1964 der erste Laden an der Abingdon Road im Londoner Mode-Stadtteil Kensington eröffnet hatte, bot Biba erschwingliche Mode für hippe Mädchen, die gerne die „Beatles“ hörten oder, später, „Manhattan Transfer“.

          In London lebt der Geist von Biba wieder auf

          Die Biba-Girls konnten die Hits ihrer Lieblingsgruppen auch beim Anprobieren enger Oberteile und weit ausgestellter Röcke mitsummen. Biba war das erste Geschäft in London, das Musik über Lautsprecher spielte. Ein Café gab es auch, für Gigs stand eine Bühne bereit. Einmal traten die „New York Dolls“ dort auf. Biba bot mehr als Kleidung. Es war eine Art, zu leben und sich fröhlich bunt zu uniformieren. Das ging bis 1975 gut. Dann schloß der letzte Laden an der Kensington High Street.

          Ein „boyish girl“ sei sie gewesen

          In diesen Tagen aber ist Fashion Week in London, und am nächsten Abend wird das neue Biba, nicht mehr ganz so preisgünstig, über den Laufsteg marschieren. „Die Arbeit an der Kollektion“, sagt die 1961 geborene Bella Freud, „entsperrte etwas in mir.“ Bella, wie sie in dem kleinen Raum im Londoner Stadtteil Notting Hill alle nennen, erzählt am Vorabend der Schau, wie sie beim Blick auf die alten Grafiken der Biba-Archive von ihrer Kindheit angehaucht wurde.

          Ein „boyish girl“ sei sie gewesen, ein jungenhaftes Mädchen. Trotzdem habe sie sich in die verspielten Muster in den Broschüren vertieft, die in ihrem Elternhaus herumlagen. Damals wußte Bella nicht, daß die Millionen kleiner Details der Drucke, diese Mischung aus Jugendstil-Elementen und Flower Power, die Marke Biba formten. Später schenkte ihr die beste Schulfreundin einen Mantel. Auch der ist von Biba. Das hat Bella erst jetzt bemerkt.

          „Viele glauben, ich habe etwas Englisches“

          „Ich mag es, an welchen Stellen diese Kleidung den Körper berührt und an welchen sie ihm fern bleibt“, sagt die Designerin. „Ich mag diese sehr schmalen Schnitte an den Schultern und die volleren Röcke.“ Das schaffe eine mädchenhafte Silhouette, die auch für „boyish girls“ funktioniere.

          So war es keine Frage, daß Bella Freud ja sagte, als sie der heutige Besitzer der Marke Biba bat, das Relaunch zu entwerfen. Die jetzige Kollektion ist nach der Winterkollektion 2006/07 ihre zweite für Biba. Warum ausgerechnet sie? „Viele Leute glauben, daß ich etwas sehr Englisches habe.“

          Bella Freuds Internetseite nennt ihre eigenen Modekollektionen „tongue in cheek intellectual“, auf eine sich selbst nicht ganz ernst nehmende Weise intellektuell. Die Designerin selbst kann mit dem Ausdruck nicht so viel anfangen. Aber vielleicht ist das auch bloß englisches Understatement.

          „Ich will es nicht retromäßig“

          Die Arbeiten ihres Vaters beeinflußten ihre Mode nicht, sagt Bella Freud. Wohl aber teile sie seine Arbeitsmoral. Von Lucian Freud habe sie „das Wissen, daß da etwas ist auf der anderen Seite, für das es sich lohnt, sich durch etwas hindurchzuarbeiten“.

          Die Werke ihres Urgroßvaters hat sie nicht gelesen. Stolz ist sie trotzdem auf ihn: „Er war cool. Er hatte einen guten Humor. Das hat mir mein Vater erzählt.“ Barbara Hulanicki, der aus Polen stammenden Designerin des echten Biba, hat Bella Freud ihre Aufwartung gemacht.

          „Ich habe ihr Blumen mitgebracht. Es wäre ja unnatürlich, wenn wir uns nie getroffen hätten.“ Viel zu sagen hatten sich die alte und die neue Biba-Schöpferin anscheinend nicht. Bella jedenfalls fühlt sich nicht als Kopistin: „Ich will nicht, daß es retromäßig aussieht.“

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