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Mode im Mittleren Osten : „Araberinnen kleiden sich superperfekt“

  • Aktualisiert am

Immer auf der Suche nach neuen Looks: Araberinnen in Dubai Bild: AFP

Majed Al Sabah stammt aus der königlichen Familie Kuweits. Der Scheich vertreibt westliche Mode im Mittleren Osten und kennt so ziemlich jeden in der Modeszene. Das zeigt sich auch während des Gesprächs mit F.A.Z.-Redakteur Alfons Kaiser.

          6 Min.

          Majed Al Sabah stammt aus der königlichen Familie Kuweits. Sein Weg zur westlichen Mode war lang, aber jetzt ist er der wichtigste Einzelhändler im Mittleren Osten. Der Scheich kennt so ziemlich jeden in der Szene - das zeigt sich auch während des Interviews.

          Vor dem Gespräch will er nur kurz etwas bestellen. Aber in der Bar Vendôme des Hotels Ritz sind alle Kellner beschäftigt. Majed al-Sabah wird ungeduldig: „Immer das Gleiche!“ Ein Kellner bemerkt ihn, nimmt die Bestellung entgegen, und nach einer Minute steht der Tee auf dem Tisch. Majed al-Sabah erkundigt sich zunächst nach dem Befinden der Familie. Dann kann es losgehen.

          Wie gefällt Ihnen die Wintermode, die Sie gerade in Mailand und Paris gesehen haben?

          In Mailand war es nicht einfach. Prada, Marni und Gucci haben mir am besten gefallen, in Paris MiuMiu, Dries van Noten, Yves Saint Laurent, Lanvin, Valentino. Bei anderen muss man länger suchen.

          Majed Al Sabah sitzt immer in der ersten Reihe - wie hier in der Yves-Saint-Laurent-Schau in Paris

          Die Mode wirkte sehr konservativ.

          Ja, sie lebt eben vom Wechsel. Aber bei Dolce & Gabbana waren wir ein bisschen überrascht. Eigentlich schockieren sie ja gern. Da ist das Gegenteil dann aber auch wieder interessant.

          Zu den beiden Designern haben Sie eine besondere Beziehung.

          Ja, als ich 1991 begann, Luxusmode in Europa zu kaufen, waren sie offen für mich. Seitdem sind wir loyal zu ihnen und sie zu uns. Etwa 70 Prozent ihres Geschäfts im Mittleren Osten wickeln wir ab. Domenico Dolce ist Sizilianer, und ich bin Araber. Wir haben die gleiche Mentalität, wir glauben noch an Familienwerte.

          Dann ist es für Sie in Italien, wo die Mode noch von Familien bestimmt wird, angenehmer als in Paris?

          Ja, viel angenehmer. Man sieht es am Portfolio unserer Marken. Fendi, Prada, Etro, Ferragamo – alles Familien! Sie entscheiden auch schnell. In Frankreich muss man mehr Geduld mitbringen.

          Und wie war das, als Sie im Juli 1991 zum ersten Mal nach Mailand kamen?

          Damals gab es noch kein Internet. Ich schlug im Index der Magazine die Adressen der Showrooms nach. Und ich bat die französische und die italienische Botschaft um Informationen. Es war schwierig, überhaupt Termine zu bekommen.

          Warum?

          Mal war es Ignoranz, mal Arroganz. Man wusste nicht, dass sich in unserer Weltregion die Frauen auch schön anziehen wollen. Außerdem war der Golfkrieg gerade erst vorbei. In New York – etwa bei Ralph Lauren – war es einfacher. Das hat mir dann wiederum in Europa geholfen.

          Warum waren Sie so überzeugt von Ihrer Modemission?

          Wenn man wirklich daran glaubt, widmet man sich dem vollkommen. Es begann schon in meiner Kindheit. Ich liebte die Mode, aber sie war bei uns in Kuweit kaum zu finden. Die meisten flogen nach Europa, um Kleidung einzukaufen – und das habe ich nicht verstanden. Ich war ein ruhiger, ernsthafter Schüler. Weil ich an schwerem Asthma litt, konnte ich nicht so viel unternehmen. So dachte ich darüber nach, was ich an Einzigartigem im Leben machen könnte.

          Aber Ihre Familie war von Ihren Mode-Ambitionen nicht begeistert?

          Ich komme aus der königlichen Familie, da war die Mode eigentlich nicht akzeptabel. Aber mein Vater und meine Mutter haben mich unterstützt. Heute gehört die ganze Familie zu meinen Kunden.

          Und Sie haben eine riesige Familie!

          Das kann man wohl sagen!

          Und wie wurden Sie zum wichtigsten Luxusmodehändler im Mittleren Osten?

          Ich kam jede Saison nach Paris und Mailand – und wurde langsam anerkannt. Im Jahr 1996 hörte ich, dass Gucci in unserer Region expandieren wollte . . .

          ... als Tom Ford gerade begann, die Marke wiederzubeleben.

          Ja. Die Gucci-Geschäfte waren damals bei uns noch klein, nur 60 oder 80 Quadratmeter. Ich habe als Franchisenehmer einen 600-Quadratmeter-Flagshipstore in Kuweit eröffnet. Das war der Türöffner für viele weitere Marken. Heute führen wir Geschäfte für Prada, Bottega Veneta, Valentino, Manolo Blahnik, Ferragamo, Marni, Yves Saint Laurent und viele weitere, bald auch Tom Ford.

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