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Mode : Helmut ohne Lang

  • Aktualisiert am

Reduzierte Linie, gewagte Schnitte: Mode von Lang Bild: picture-alliance / dpa

Der Modemacher Helmut Lang verläßt Prada - und damit „Helmut Lang“ seine Marke. Ein Kreativteam soll den unkoventionellen Österreicher dort ersetzen.

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          „Helmut Lang“ wird in Zukunft ohne Helmut Lang stattfinden. Am Dienstag wurde bestätigt, daß der österreichische Modedesigner den Prada-Konzern verläßt. Seine Stelle als „Creative Director“ der Marke seines eigenen Namens wird er aufgeben. Damit verläßt nach Jil Sander, die sich von dem Modekonzern am 16. November vergangenen Jahres endgültig verabschiedet hatte, ein zweiter renommierter deutschsprachiger Modemacher den Mailänder Modekonzern, der durch seine Designerin Miuccia Prada Weltgeltung erlangte, von ihrem Mann Patrizio Bertelli geführt wird und in den vergangenen Jahren einen globalisierten Luxuskonzern hatte schaffen wollen.

          Die Kollektionen der Marke „Jil Sander“ werden seit November von einem Designteam verantwortet und weiter verkauft. Das Unternehmen folgt darin einem Trend in der Modebranche, denn nach dem Ausscheiden Tom Fords im vergangenen Jahr bei Gucci wurde er von drei unbekannten Designern ersetzt. Ob im Falle Helmut Lang ebenso verfahren wird, war noch nicht zu erfahren. Jedenfalls stehen nun drei wichtige deutschsprachige Modedesigner ohne ihre Marken da, drei wichtige Marken ohne ihre Gründer: „Joop“, „Jil Sander“, „Helmut Lang“ - mit ihren Namensgebern haben sie nichts mehr zu tun.

          Kostendruck

          Lang, der am 10. März 1956 in Wien geboren wurde und als wichtigster österreichischer Modemacher der Nachkriegszeit gilt, war 1999 eine „Finanzierungspartnerschaft“ mit Prada eingegangen, die ihm größere Expansionsspielräume bei der Vermarktung seines Namens und seiner Mode sicherte - bei angeblich gleichbleibender gestalterischer Freiheit.

          Im vergangenen Oktober hatte Prada den 51-Prozent-Anteil an seiner Firma auf 100 Prozent aufgestockt. Seitdem wirkte er weiter als Designer, verlor aber die Verantwortung für die wirtschaftliche Führung der Marke. Bei Jil Sander gab Prada an, die Schwierigkeiten seien nur in der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens begründet. Auch bei der Marke Helmut Lang - 2004 wurden bei einem Umsatz von etwa 30 Millionen Euro mehrere Millionen Euro Verlust registriert - muß der Konzern vermutlich sparen.

          Ähnliche Nachrichten kommen vom Gucci-Konzern, dem Prada-Widersacher: Dort hatte man Beteiligungen der Marken Alexander McQueen und Stella McCartney erworben. Sie stehen unter dem neuen Präsidenten der Gucci-Gruppe, Robert Polet, unter Druck und erhielten eine Gnadenfrist von zwei Jahren: Bis 2007, so hieß es im Dezember, müßten die beiden Marken schwarze Zahlen schreiben.

          Verweigerer pariserischer Standards

          Helmut Lang, der tschechische, russische und ungarische Vorfahren hat, nach der Scheidung der Eltern bei den Großeltern in der Nähe von Salzburg aufwuchs und seine Jugend in Wien verbrachte, wollte eigentlich Künstler werden. Wegen vergeblicher Versuche, in Geschäften passende Kleidungsstücke zu finden, wurde er kurzerhand Modemacher. Die Fähigkeiten erwarb er sich als Autodidakt. 1979 eröffnete er einen kleinen Laden in Wien.

          Zu Beginn der achtziger Jahre schuf Lang Prêt-à-porter-Kollektionen, und im Herbst 1986 präsentierte er erstmals eine Kollektion in Paris. Lang wurde als Minimalist wahrgenommen, gab sich aber unter anderem mit Anklängen an österreichische Trachten als Verweigerer pariserischer Standards.

          Seit 1988 Lizenzen vergeben

          Er wurde bekannt durch seine raffiniert geschnittenen Jeans und T-Shirts, was viele Modekenner ebenfalls nicht goutierten. Lang blieb aber seiner reduzierten Linie mit oft auf Schwarz, Weiß und Beige reduzierten Farben treu. Als Avantgardist machte er sich einen Namen, weil er die bekannten Formen durch ungewöhnliche Kombinationen, gewagte Quer- und Längsschnitte in den Stoffen, viele Gürtel und Schnallen im Bondage-Stil, eine klare Aussage bei jeder Schau und eine geradezu provozierende Schmucklosigkeit auflöste.

          Seit 1987 entwarf er neben der Damen- auch Herrenmode, und schon seit 1988 vergab er Lizenzen, um seinen Namen besser zu vermarkten. Ende der neunziger Jahre war Langs Mode, die auch durch Werbung auf den New Yorker Taxis berühmt wurde, in den Vereinigten Staaten und Japan sehr bekannt und in vielen Läden zu kaufen.

          In Europa dagegen war sie wegen einer Strategie der Verknappung kaum erhältlich. Inzwischen hat Helmut Lang, der 1998 von Wien nach New York umsiedelte, neben dem Stammsitz in der Greene Street in Soho auch Geschäfte in Mailand, Paris, München und Wien. Im April 2000 wurde Lang als erster Ausländer in das „Council of Fashion Designers of America“ aufgenommen.

          Unkonventionelle Präsentationen

          Auch in der Präsentation der Mode gab sich Lang unkonventionell. Eine Schau in New York sagte er kurzfristig ab und präsentierte sie im Internet. Mit seinem Wechsel nach New York stellte er sich der üblichen Reihenfolge des Schauenreigens - London, Mailand, Paris, New York - entgegen und zeigte seine Kollektion im September, woraufhin die anderen amerikanischen Modemacher folgten und nun jeweils im September und Februar eines Jahres die Mode als erstes in New York gezeigt wird.

          Kaum hatte Lang das durchgesetzt, zeigte er wieder in Paris. Bei den Männerschauen, die am Freitag in Paris beginnen, wird seine Marke nicht gezeigt. Eigentlich wollte sich Lang auf die Damenschauen im März in Paris konzentrieren. Denn auch darin war er für viele andere Modemacher Vorbild: Gern präsentierte er seine Herrenentwürfe auch auf den Damenschauen.

          Vielleicht macht er das auch in Zukunft wieder für eine andere Marke - zunächst unterliegt er aber angeblich einem sechsmonatigen Wettbewerbsverbot für Mode und verwandte Branchen. Zeit genug für Urlaub!

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