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Mode : Ein Hemd, ein Mann

Die Cowboys von „Brokeback Mountain” in Hemden von Rockmount Bild: AP

Man(n) kann sich wieder im Westernlook kleiden. Nach dem Erfolg von „Brokeback Mountain“ sind Flanellhemden und Stiefel wieder in. Doch nicht alle Hersteller freuen sind über den neuen Boom, den der Film ausgelöst hat.

          Ennis trägt ein grau-weiß kariertes Flanellhemd, Jack ein Hemd aus Jeansstoff mit weißen Perlmuttknöpfen. In Wyoming fallen die beiden nicht weiter damit auf. Es sind Hemden, wie sie Cowboys tragen, wenn sie mit ihrem Pferd die Rinder durch die Prärie treiben, mit ihrem Pick-up über staubige Pisten fahren oder beim Rodeo versuchen, einen Bullen in fünf Sekunden zu bändigen. Und doch sind diese Hemden in dem Film „Brokeback Mountain“ ein Symbol für die Liebe zwischen zwei Cowboys.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist kein Zufall, daß in dem Film ausgerechnet Cowboyhemden etwas ausdrücken, über das man nicht spricht - schließlich sind Cowboys nicht bekannt dafür, viele Worte zu verlieren. Seit im 18. Jahrhundert der wilde Westen erschlossen wurde, ist das Outfit der Viehtreiber mit Emotionen besetzt. Es steht für den Traum von Freiheit, für Männlichkeit und für das Gesetz des Stärkeren. „Brokeback Mountain“ hat diese Ideale in Frage gestellt, denn homosexuelle Cowboys passen nicht zum Image des amerikanischen Archetyps. Muß die Westernmode jetzt neu definiert werden?

          Westernmode oder Schnörkel

          Flanellhemden, bestickte Stiefel, Hüte aus Biberfell und Jeans sind die Klassiker der Cowboymode. Ähnlich wie die Trachten in Europa waren sie mal mehr, mal weniger in Mode, wurden populär und wieder unpopulär, wurden verhöhnt und belächelt und doch viel kopiert. Hollywood hat seinen Teil dazu beigetragen: Seit den vierziger Jahren, als John Wayne unermüdlich durch die Prärie ritt und Meilen sammelte, wurde das Bild des Helden gefestigt. Mit John Travolta als „Urban Cowboy“ bekam der extravagantere Western-Style in den achtziger Jahren neuen Auftrieb. „Brokeback Mountain“ dagegen hat ambivalente Reaktionen hervorgerufen - einerseits boomt der Western-Look, andererseits gibt es Skeptiker, die befürchten, das propere Image der uramerikanischen Kleidung könnte häßliche Risse bekommen.

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          Von dem Trend, der schon im vergangenen Jahr einsetzte, als der Film in Amerika anlief, profitieren besonders jene Marken, die den klassischen Cowboy ausstatten und Wert auf Authentizität legen. Die beiden Hauptdarsteller tragen Westernmode ohne Schnörkel: Dazu gehören Hemden der Marke Rockmount, Wrangler-Jeans und die Nachbildung des Stetson - der Cowboyhut aus echtem Biberfell (siehe unten). Keine schlechte Werbung also - über die sich allerdings nicht jeder freut.

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          Bei Stetson zum Beispiel, jener Marke, die vor 140 Jahren von dem Erfinder des Cowboyhuts gegründet wurde, will man nicht unbedingt mit einem Film, in dem zwei Männer sich küssen, in Verbindung gebracht werden. Auch Steve Weil, Besitzer von Rockmount, einem alteingesessenen Familienbetrieb, der in Denver Cowboyhemden produziert, äußert sich in einem Interview zurückhaltend: „Wir wissen natürlich, daß der Film nicht jedermanns Sache ist, aber wir sehen ihn als ein Kunstwerk, und wir finden es gut, mit Leuten wie Ang Lee assoziiert zu werden.“ Das ist diplomatisch formuliert, auch wenn man daraus ablesen kann, daß Weil wie viele Amerikaner das Thema Homosexualität bei Cowboys für absolut abwegig hält. Immerhin hat ihm der Film im vergangenen Jahr einen Umsatzzuwachs von 25 Prozent beschert. Die beiden Originalhemden der Hauptdarsteller von Rockmount im Wert von je 55 Dollar wurden zudem bei Ebay für 101 000 Dollar versteigert.

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