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Mode : Der kalkulierte Stilbruch

Besonders früh hat sich die Modekette Hennes&Mauritz auf den kunterbunten Mix aus Einzelstücken spezialisiert und den Trend vermutlich mit angeschoben. Ihr Sortiment wechselt im Tagesrhythmus, über den Kauf der Billigware muß nicht lange nachgedacht werden. So kommt die Kundin gar nicht erst ins Grübeln, ob sie das Kleidungsstück wirklich braucht und ob es sich in die Gesamtgarderobe fügt. H&M-Stammkundinnen verfügen deshalb oft über ein Sammelsurium an Einzelteilen, die sie unbekümmert sampeln.

Auf der gehobenen Konfektionsebene gehört Christopher Bailey, Chefdesigner bei Burberry, zum Meister der gekonnten Mischung. Das könnte daran liegen, daß er Engländer ist. Auf der Insel gehörte es schon immer zum guten Ton, ziemlich unbekümmert Alt- und Neuware zu kombinieren und dabei hinzunehmen, auf dem Pfad des guten Geschmacks gelegentlich auszurutschen. Bailey hat den Lagenlook perfektioniert. In seiner aktuellen Kollektion hat er sich von englischem Wedgewood-Porzellan inspirieren lassen. Die Folge: Blumenbeete zuhauf, keines, das dem anderen gleicht. Aber - und das ist das Geheimnis des Cross-Dressing: Es sieht trotzdem gut aus.

Üben, üben, üben

Was heißt das für die durchschnittliche Kundin? Üben, üben, üben. "Ich möchte im Moment keine Frau sein", sagte unlängst der Chefredakteur des Fachmagazins "Textilwirtschaft", "sie braucht ein Diplom im Kombinieren." Modezeitschriften wie "Instyle" und "Glamour" haben diesen Bedarf längst als Marktlücke erkannt und sich darauf spezialisiert, ihren Leserinnen seitenweise Styling-Tips zu geben, nach dem Motto: "So kombinieren Sie richtig." Der neue Bekleidungsstil wirkt sich auch auf den Handel aus: "Wir brauchen keine Verkäufer", sagt Ehrlich, "wir brauchen Stilberater."

Die Regeln des Cross-Dressing sind subtil; was aussieht wie zufällig aus dem Schrank gezogen, ist oft generalstabsmäßig geplant. Deshalb, so warnen uns die Stylisten der Magazine, sollten Anfänger vorsichtig sein. Der Schritt von der Style-Queen zur Vogelscheuche ist nur ein kleiner mit fataler Wirkung. Mehr denn je gilt es in der Mode, die Balance zu halten.

Farben präzise kalkulieren

Besonders beim Thema Farben sollte man präzise kalkulieren. Einfach ist es noch, wenn man zwei Farben kombiniert, die sich früher abgestoßen haben, wie Rosa und Orange oder Blau und Grün. Schwieriger wird es mit einer dritten Farbe. Traut man sich die Kombination zu, muß unbedingt ein neutrales Kleidungsstück hinzugefügt werden - entweder eine Jeans oder ein weißes beziehungsweise schwarzes Teil als eine Art Puffer, der das Auge beruhigt. Mutiger kann man bei Pastellfarben sein: Sie verbindet ein gemeinsamer Grundton, und deshalb können sie unbedenklich kombiniert werden. In diesen Farben ergänzen sich auch Blumen und Streifenmuster auf harmonische Weise.

Grundsätzlich aber gilt: Nur auf ein Style-Element konzentrieren, nicht in Farben und Formen gleichzeitig experimentieren. Wenn man einen Rock aus grober Baumwolle mit Chiffonhängerchen kombiniert, ist man schon mutig genug und sollte nicht zusätzlich ein Musterwirrwarr schaffen. Materialmix sieht vor allem dann gut aus, wenn alles die gleiche Farbe hat. Ein weißes Outfit aus Häkeltop, Baumwollrock und Lackledermantel erhält so seine Spannung. Blümchenmuster funktionieren gut, wenn sie wie bei Burberry ähnlicher Herkunft sind. "Instyle"-Beraterinnen warnen: Karos, Streifen, Punkte darf man kombinieren, wenn die Farben harmonieren. Aber: "nicht im Büro und wenn Sie über 35 sind!" Für manche Frau ergibt sich daraus leider folgende traurige Regel: Finger weg vom Cross-Dressing.

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