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Michael Pixis' Mode-Marketing : Kleckse für Lourdes

Michael Pixis zeigt ein von ihm gestaltetes T-Shirt Bild:

Michael Pixis hat ein T-Shirt kreiert. Das trug er zunächst selbst, dann seine Freunde - und schließlich an einem kalten Dezembertag auch Lourdes, die 13 Jahre alte Tochter von Popsängerin Madonna. Jetzt kommt der Schüler mit der Produktion nicht mehr nach.

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          Michael Pixis verkauft seine Sachen bei Dawanda. Das ist ein Do-It-Yourself-Portal im Internet, über das Hobbybastler selbstgestrickte Topfwärmer und selbstgebastelte Handtaschen verkaufen können. Die T-Shirts mit bunten Farbklecksen von Michael Pixis kosten 39,90 Euro. Farbe, Größe und Halsausschnitt kann man selbst auswählen. „Wäre toll, wenn ihr das auch so stichpunktartig schreiben könntet, das erleichtert mir es enorm :)“, schreibt Michael Pixis etwas unbeholfen unter sein Warenangebot. Nichts deutet also darauf hin, dass der Junge mit den Shirts ein großer Geschäftsmann sein könnte oder gar ein kapriziöser Modedesigner. Und trotzdem hat Pixis allein in den vergangenen zwei Wochen 225 T-Shirts verkauft.

          Anke Schipp
          (ipp.), Leben

          Das verdankt der 17 Jahre alte Schüler einer Marketing-Strategie, die in der Modebranche nicht unbekannt ist: Er hat eine prominente Kundin eingekleidet. Eine seltsame Strategie, wenn man bedenkt, dass er sich eigentlich nicht besonders für Mode interessiert, kein Designer werden möchte - und ein T-Shirt auf den Markt bringt, das nicht das Endprodukt eines kreativen Prozesses, sondern aus reinem Zufall entstanden ist.

          Es war an einem Nachmittag vor anderthalb Jahren, als Michael Pixis zu Hause am Fernsehen einen Bericht über Flugzeugturbinen sah, aus denen Farbe geschleudert wurde. Das wollte er auch ausprobieren. Statt Turbinen nahm er Pinsel und Farbe und besprenkelte damit eine Leinwand. Anschließend testete er das Verfahren an T-Shirts, die er zunächst selbst trug, dann seine Freunde, dann die Freunde seiner Freunde. Und schließlich trug es an einem kalten Dezembertag in London auch Lourdes Maria Ciccone Leon, die 13 Jahre alte Tochter von Popsängerin Madonna.

          Der Beweis: Hier trägt Lourdes das T-Shirt, das Pixis in London vor Madonnas Haustür gelegt hat
          Der Beweis: Hier trägt Lourdes das T-Shirt, das Pixis in London vor Madonnas Haustür gelegt hat : Bild: dpa

          Madonna-Haus bei Google Street View gesucht

          Der nette Junge, der an einem Würzburger Gymnasium die zwölfte Klasse besucht, dreht sein T-Shirt der Tochter von Madonna an? Er hatte mal darüber gelesen, dass die Popsängerin selbst maßgeblich zum Erfolg der Marke „Ed Hardy“ beitrug, indem sie sich in den T-Shirts mit den Tattoo-Motiven sehen ließ. Also flog Pixis im Oktober vergangenen Jahres mit seiner Schwester nach London. Zuvor hatte er im Internet nach Fotos des Hauses von Madonna in Mayfair gesucht und anschließend bei Google Street View mühsam den gesamten Stadtteil durchkämmt, bis er das Haus fand, das Madonna mit ihrer Entourage stets über den Hintereingang betrat. Er stellte sein Paket mit T-Shirt und einer netten Karte vor der Tür ab und wartete. Als Leute herauskamen, wurde er nervös und bog schnell um die Ecke. Kurz danach kam er zurück - das Päckchen war weg.

          Danach durchforstete er täglich das Internet nach neuen Fotos von Mutter und Tochter. Es sollte aber noch zwei Monate dauern, bis der Tag kam und Lourdes mit ihrer Mutter eines Morgens beim Verlassen des Hauses gesichtet wurde. Unter einem Blazer trug sie das schwarz gefleckte T-Shirt von Pixis!
          Der Siebzehnjährige führt mit seinem Coup mal eben das Marketing-Konzept so vieler Modefirmen ad absurdum. Die bringen mit Hilfe großer PR-Firmen und VIP-Beraterinnen die Prominenten dazu, ihre Kleider oder Taschen zu tragen. Die oft unscharfen Paparazzi-Fotos von den Outfits sind dann in einschlägigen Magazinen wie „Instyle“ oder „Hello“ mit Labelnennung zu sehen. Eine Werbung, die mehr wert ist als jede noch so schön fotografierte Kampagne.

          Zunächst dachte er nicht ans Geldverdienen

          Michael Pixis dachte aber zunächst gar nicht ans Geldverdienen. Er rief im Dezember erst einmal alle seine Freunde an. Auch seine Eltern waren aus dem Häuschen. Aber erst die Mutter einer Freundin brachte ihn auf die Idee, sein Konzept auch kommerziell zu nutzen. Daher verkauft er seit Februar seine Shirts unter dem Label Pixis auf Dawanda. Seit den ersten Medienberichten gehen täglich Bestellungen ein. Nun kommt er mit der Produktion im elterlichen Badezimmer nicht mehr nach und lässt die T-Shirts in einer Druckerei fertigen.

          Ansonsten ist er damit beschäftigt, Interviews zu geben. Im Mai fliegt er in Begleitung eines Pro-7-Kamerateams nach Los Angeles, um auch anderen Prominenten T-Shirts vor die Tür zu legen. Ziemlich viel für einen 17 Jahre alten Schüler, der mal Innenarchitekt oder so werden will, aber auf keinen Fall Modedesigner. Etwas verlegen schreibt er auf Dawanda.de: „Ich bitte um dein Verständnis, dass es möglicherweise ein wenig dauern kann, bis du dein Pixis-T-Shirt erhalten wirst, die Nachfrage nach den T-Shirts ist momentan sehr groß. Bei Fragen, einfach melden.“

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