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Marc Jacobs' Mode in New York : Phantastisch präzise

Schärpen und Kummerbunde raffen bei Marc Jacobs Linie „Marc by Marc Jacobs” Kleider von Farben in ghanaischer, peruanischer und balinesischer Intensität Bild: ©Helmut Fricke

Grunge-Look mit Sekretärinnenbluse, starke Accessoirefarben auf Babytönen, Gouvernantenröcke und Unschuldsblüschen: Marc Jacobs messerscharfes Styling spielt auf der New York Fashion Week mit Gegensätzen.

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          Er habe doch nur mit dem Gegensatz von Stadt und Land gespielt, sagt Marc Jacobs nach der Schau. Das sah aber zu Gershwin-Musik so aus: Goldbrokat-Überschwang wie in einer orthodoxen Kirche; Farben in ghanaischer, peruanischer und balinesischer Intensität; Jahrhundertwende-, Kimono-, Ladyschnitte in schnellem Wechsel; vom Grunge inspirierter Lagenlook, der mit superkorrekter goldgelber Sekretärinnenbluse oder knallengem Bleistiftrock gegengezeichnet wird; Schärpen und Kummerbunde und Gürtel und Ketten; echt ländliche Stephen-Jones-Sommer-Tellerhüte. Stadt und Land? Das allein wäre der Erklärung wohl zu wenig.

          Alfons Kaiser
          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Aber der Designer spricht schließlich durch seine Mode – und entwarf mit seiner Hauptlinie und mit seiner Zweitlinie „Marc by Marc Jacobs“ die ersten beiden Höhepunkte der „Mercedes Benz Fashion Week“. Noch bis zum Wochenende werden auf den neun Tage dauernden Schauen in Manhattan fast 250 Kollektionen für Frühjahr und Sommer 2009 präsentiert, bevor es in London, Mailand und Paris weitergeht. Aber niemand – nicht einmal die besten Jungen wie Derek Lam, Rodarte, Proenza Schouler, Phillip Lim – reicht an die überbordende Phantasie, das Je-ne-sais-quoi der Zusammenstellung und das messerscharfe Styling von Marc Jacobs heran.

          Jetzt regiert Pünktlichkeit - und alle ahnen es

          Präzise ist neuerdings auch die Organisation. Vor einem Jahr noch hatten sich viele der millionenschweren Einkäufer und der richtig wichtigen Journalisten über die legendäre Verspätung seiner Schau von 122 Minuten aufgeregt. Jetzt regiert Pünktlichkeit, und alle ahnen es. Am Montag entstand geradezu eine Panik, als Victoria Beckham und Jennifer Lopez gemeinsam im Maybach eintrafen, mit Fotografenposen den Eingang minutenlang blockierten, Hunderte zu spät zur Schau zu kommen drohten und sich in die Armory an der Lexington Avenue pressten. Backstage griff derweil ein Helfer zum Mikrofon und rief nur acht Minuten nach dem für 21 Uhr angesetzten Beginn, man solle doch seinen Platz einnehmen: „The show is about to begin!“

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          Zwei weitere Warnungen, und schon begann um 21.15 Uhr das nach dem verschwenderischen Prinzip „one model, one look“ von 53 Mädchen aufgeführte Schauspiel. Die Mischung aus sanften Babytönen und starken Accessoirefarben, aus Gouvernantenröcken und Unschuldsblüschen, aus der Launenhaftigkeit einer Diva und der guten Laune eines Mädchens ließ nur die Frage offen, ob die Marc-Jacobs-Frau sich eher als Investmentbanker-Gattin in den Hamptons erholt oder als die mittlere von den „Drei Schwestern“ Tschechows zeitlos und weltverloren in der russischen Provinz auf die große Liebe wartet.

          Die Zweitlinien-Kundin jedenfalls wäre ungeduldiger. Dabei schloss „Marc“ mit dem Multilayering, den vielen kleinen (sogar Gürtel-)Taschen und den rasanten Farbzusammenstellungen an den vorherigen Abend an. Aber das Urbild einer Zweitlinie liefert eben auch mit Babydoll-Kleidern, dicken schwarzen Seidenstreifen über weißem Spitzenkleid, ein paar hingehuschten Rüschen und Outdoor-Outfit einen leichteren Zugang zur Welt. Den hat auch der Designer wieder gewonnen: Nach der Schau am Dienstag zeigte er sich im roten Tartan-Hosenrock. Seine Kollektionsbeschreibung backstage: „Letztes Mal wollte ich es ,dressy’ und ,edgy’, dieses Mal ,nice’ und ,snappy’.“ Übersetzen lohnt sich nicht. Die Stimmung auf der Party am Vorabend in Robert de Niros Greenwich Hotel hatte schon alles ausgedrückt. Da gab es niemanden, der per Mikrofon Befehle durchgab.

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