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Manolo Blahnik : Wie die Ideen laufen lernen

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Seine Schuhe lassen das Frauenherz höher schlagen Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Anläßlich einer Schuhausstellung weilt Manolo Blahnik, der berühmteste Schuhmacher der Welt in Deutschland. Schon seine Erscheinung zeigt, daß bei ihm die Natur wichtiger ist als die Kunst.

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          Die ersten Schuhe, die er in seinem Leben gefertigt hat, waren für Cartucho. Damals sammelte man in Manolo Blahniks Vaterhaus noch das Silberpapier aus Schokoladenverpackungen.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Also paßte er Cartucho, seinem ersten Hund, zwei Paar silberner Schuhe an. Blahnik, inzwischen der wohl berühmteste Schuhmacher der Welt, kann sich nicht daran erinnern, wie alt er war, als er seinen Foxterrier mit Bändern und Silberpapier drangsalierte und drapierte.

          „Vielleicht sechs, fünf, sieben Jahre alt - ich weiß es nicht.“ Wichtiger als die Zahlen war ihm schon bei diesem Defilee auf sanften Pfoten die Ästhetik: „Er sah darin ziemlich schön aus!“

          Wie ein englischer Lord

          Manolo Blahnik, der zu einer Schuh-Ausstellung im NRW-Forum und zur Schuhmesse GDS nach Düsseldorf gekommen ist, die in diesen Tagen zum hundertsten Mal stattfindet, kann sich an jedes einzelne Paar erinnern, das er geschaffen hat. Aber man sollte ihn nicht nach Daten fragen.

          „Ich kann mich immer nur erinnern, was ich damals trug oder womit ich spielte.“ Seine Leidenschaft fürs Schuhdesign gründet jedenfalls - wie sich an den von ihm verwendeten natürlichen Stoffen, Motiven, Formen zeigt - in der artenreichen Flora und Fauna der Kanaren: Auch die Affen, die sich auf der Bananenplantage der Eltern tummelten, versah er mit Schuhwerk. „Das war wie eine zweite Natur für mich.“

          Manolo Blahnik ist ein freundlicher graumelierter Herr im karierten Anzug, der seine hispanischen Wurzeln in seinem gepflegten britischen Englisch kaum verrät. Bis hinein in die etwas fahrige Gestik und die stotternde Diktion eines Hugh Grant könnte er als englischer Lord durchgehen.

          Die Diplomatenlaufbahn schlug er aus

          Seine Jacke legt er, nachdem er um Erlaubnis gebeten hat, im Gespräch schnell ab, weil es ihm zu warm wird. Über dem weißen Hemd trägt er aber noch immer eine ärmellose cremefarbene Kaschmirweste. Die blau-weiß-rote Krawatte verweist mit ihrer radikalen Kürze auf die Herkunft des Kleidungsstücks aus dem Halstuch und mit ihrer Machart - sie ist gestrickt - auf die robuste Herstellung: Die Natur ist Blahniks Kunst sogar in seiner persönlichen Erscheinung vorgelagert.

          Blahnik, der von seiner künstlerisch und modisch interessierten Mutter immerhin gelernt hatte, wie man aus Stroh und leichtem Stoff Espandrillos fertigt, ging als junger Mann nach Genf, um Jura und Politik zu studieren. „Studieren ist das falsche Wort - ich war da ein Semester. Für ein solches Leben war ich nicht bestimmt.“

          Dann studierte er Literatur und Architektur. „Nur ein Semester. Ich mochte es nicht!“ Bis zum Alter von 23 Jahren wußte er nicht, was er mit seinem Leben anfangen sollte. Eine Diplomatenlaufbahn, wie sie durch einen Onkel vorgezeichnet und von seinen Eltern vorgesehen war, schien ihm nicht lohnend. Seitdem er auf einer Konferenz in Montreux als jugendlicher Helfer Papiere an Delegierte hatte verteilen dürfen oder müssen, wußte er: „Das ist schrecklich!“ All seine Jobs auf Konferenzen: „Sterbenslangweilig!“

          Stylisten sind der Ruin der Mode

          Manolo Blahnik, der im Gespräch gerne abschweift, erzählt, daß Jugendliche in den Sechzigern bereitwilliger ihren Eltern gefolgt seien. Deshalb habe er diese Karriereversuche unternommen. „Heute sind die Kinder viel reifer. Schon mit zwölf oder vierzehn wissen sie ja, was sie werden wollen: Popstar und Celebrity.“ Blahnik, der durch Prominente erst bekannt wurde, meint lachend: „Ich weiß gar nicht, was ein Celebrity ist.“

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