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Mailand : Der Winter, der ein Sommer wird

Kurz und gut - der Trend dieses Winters Bild: dpa

Fast hätte man sich einlullen lassen von dem betörend süßlichen Duft und den rosaroten Rosen auf den Stühlen. Aber man muß die Zeichen nur richtig deuten. Auf dem Laufsteg stehen riesige Boxen. Der Modewinter wird laut.

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          Fast hätte man sich einlullen lassen von dem betörend süßlichen Duft und den rosaroten Rosen auf den Stühlen. Aber man muß die Zeichen nur richtig deuten. Auf dem Laufsteg stehen riesige Boxen. Irgendwo dahinter sitzt Victoria Beckham, ein paar Stühle weiter Fanny Ardant. Der Dimmer geht runter und der Lärmpegel rauf, bis zum Anschlag. Beats schlagen gegen die Zeltdecke, daß man fürchten muß, die Rosen könnten vor Schreck ihre Blüten verlieren. Schon verstanden, Dolce & Gabbana liefert bei der Milano Moda Donna eine Schau mit postmodernen Meetings: Techno trifft Romantik, Moderne trifft Vergangenheit, Victoria Beckham trifft Fanny Ardant.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Ob zwischen den beiden Frauen so etwas wie eine Chemie entstanden ist, die vielleicht sogar stimmt, bleibt ungewiß, ob die anderen informellen Treffen auf dem Laufsteg brauchbare Ergebnisse geliefert haben, läßt sich schon eher sagen. In jedem Fall vermittelt die Inszenierung der beiden Italiener sinnbildlich das, was die Mailänder Schauen, die am Mittwoch zu Ende gingen, ausmachten: Es war ein kontrastreiches Programm. Mit anderen Worten: Manchmal schien man nicht so richtig zu wissen, wo es langgehen soll im nächsten Herbst und Winter.

          Drei Fragen stehen für die Kundin im Raum. Erstens: Wie soll ich mich künftig als Frau definieren? Zwei: Welche Gelegenheit soll das bitte schön sein, bei der ich im Winter ein Chiffonkleidchen tragen kann? Drittens: Wohin mit meinem Norwegerpulli? Das letzte ist am leichtesten zu beantworten: nicht anziehen, aber aufheben! Der große Trend des vergangenen Winters ist zwar vollständig aus der Mode. Aber auch diese Saison belegt wieder: Man muß nur Geduld haben, alles, alles kommt wieder, wird runderneuert, recycelt, resteverwertet. Alles hat ein Ende, nur die Mode keins.

          Welche Jahrzehnte begegneten uns also diesmal? Das Grüne-Punkt-Recycling-Abzeichen in Gold geht an die sechziger Jahre, gefolgt von den achtziger und - der Überraschungssieger - den zwanziger Jahren. Das Revuegirl schreitet die Showtreppe herab und steht dem unterkühlten Sixties-Mädchen im Kellerclub bei. Nicht dumm, immerhin waren beides goldene Dekaden, in denen man sich zu amüsieren verstand. Und noch kann man schließlich hoffen, daß das erste Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts dereinst mal "roaring" genannt werden wird.

          Zu sehen war gleich mehrmals eine Art Fransen-Etagere: Mit dem mehrreihigen Hängerchen sieht man aus, wenn man sich ganz schnell dreht, wie die Bürsten in der Waschanlage - nur eleganter. Zur Mode wird es aber erst in der Kombination. Armani läßt sie zur Hotpants tragen. Noch klüger konterkarieren Domenico Dolce und Stefano Gabbana den Glamour. Ihre Etagere in Altrosa hängen sie über eine Cargo-Hose, über das filigrane Chiffonkleid stülpen sie gegurtete Nylonparkas in Orange und Königsblau, als müßte die Fallschirmspringerin auch für eine Dinnerparty gerüstet sein. Zur Hochform aber laufen die beiden Designer bei ihrer Abendmode auf: Die kunstvoll mit Kristallen bestickten Seidenkleider sind exklusive Einzelstücke. Damit beweisen Dolce & Gabbana, daß sie zwar viele Party-, Pop- und Superstars als Kundinnen haben, aber mühelos eine Ebene höher steigen und Couture machen könnten.

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