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Mailänder Modewoche : Ski Heil, es geht bergauf!

Gegen die Kälte sollen im nächsten Winter Strickkapuzen helfen Bild: AFP

Die Mailänder Modewoche zeigt sich von ihrer besten Seite. Nach der Krise haben sich die Designer neue Freiheiten erarbeitet. Früher war die Modewelt für Europäer, heute ist sie für alle.

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          Das hätte man sich auch nicht vorstellen können: Ausgerechnet Raf Simons, als Belgier ein ausgemachter Flachland-Tiroler, als Jil-Sander-Nachfolger ein klarer Minimalist, stattet seine Frauen mit Ski-Pullovern samt Strick-Kapuzen aus, mit knalligen Daunen-Kastenjacken im Stil von Ski-Blousons, mit Steghosen, deren Fersenbänder durch Ausstanzungen in den Plateau-High-Heels laufen. Na ja, sagt Raf Simons backstage, ihm habe die Idee gefallen, die Mode für Herbst und Winter dynamischer zu machen und weiter zu drehen. Das Kunststück ist ihm so gut gelungen, dass er die Marke Jil Sander damit auf ganz neue Gipfel führt.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Nicht dass die Mailänder Modewoche, die am vergangenen Mittwoch begann und an diesem Montag endet, keine spektakulären Talfahrten zu bieten gehabt hätte. Man musste sich nur in die Schau von Krizia verirren, einer Marke, der man nur noch Hals- und Beinbruch wünschen kann. Auch Roberto Cavalli versteckte seine glamouröse Seite geschickt unter gothic-düsteren Kleidern, die nur mit einigen Lacklederteilen und schönem Ausbrennersamt überzeugten. Ebenfalls knapp daneben lag Pucci-Designer Pete Dundas, der mit seiner Loden-, Märchen-, Jägerkollektion trotz aufwendiger Stickereien und trotz begeisterter Seufzer konsumorientierter russischer Gäste dem Landhausstil gefährlich nahe kam. Waidmanns Heil!

          Starke Farben und einfache Schnitte bei Jil Sander

          Aber das waren auch schon die Ausnahmen in einer Woche voller toller Mode. Fendi, Prada, Gucci, Bottega Veneta, Versace, Antonio Marras, Marni, Dolce & Gabbana und eben Jil Sander hatten glänzende Auftritte. Am Beispiel Jil Sander lässt sich auch erklären, wie eine Marke auf Niveau und im Gespräch zu halten ist. Raf Simons bezieht sich mit dem Wintersportstil nämlich auf die starken Farben seiner letzten Kollektionen, führt sein Thema also mit passenden Mitteln fort (schließlich stammen die stärksten Farben aus der Sportmode), bricht mit Blumenmustern und Perlen-Oberteilen die strenge Einfarbigkeit, um mit einfachen Schnitten und klaren Silhouetten dann wieder den Markenkern anzusteuern. Ski Heil!

          Blumen im Winter bei Jil Sander

          Sogar die Abwärtsfahrt der Zahlen bei Jil Sander ist gestoppt: Die Marke ist nach einem geschäftlich verlorenen Jahrzehnt endlich aus der Verlustzone gekommen. Und auch das ist ein Trend. Aus den großen italienischen Konzernen, zu denen all die kleinen Familienbetriebe geworden sind, hört man in diesen Wochen fast nur gute Nachrichten. So berichtet Alfonso Dolce, der Bruder des Designers Domenico, der bei Dolce & Gabbana die Geschäfte verantwortet und mit Gattin in der ersten Reihe sitzt, das Geschäft entwickle sich „sehr, sehr gut“. Prada überspringt die Zwei-Milliarden-Euro-Hürde und bereitet den Börsengang vor. Die Daunenjacken-Marke Moncler, ebenfalls schnell wachsend, will nun auch an die Börse gehen, um noch mehr Geld zum Expandieren zu haben. Valentino und Tod’s wachsen ebenfalls zweistellig. Der gerade zehn Jahre alte italienische Online-Modehändler Yoox – nicht so stylish wie das britische Net-a-porter, aber nicht minder erfolgreich – steigert den Umsatz um 41 Prozent auf 214 Millionen Euro. Und laut Modekammer sollen in der ersten Hälfte dieses Jahres die Umsätze in der Branche um acht Prozent wachsen.

          Von Krise nichts zu spüren

          Man muss in größeren Zeiträumen denken, um ein Skeptiker zu bleiben – wie Luigi Maramotti, der Chef von Max Mara. Sein Vater Achille gründete vor genau 60 Jahren das Modehaus, das nun ein globaler Luxuskonzern ist. „Der Vater begann, die Söhne gehen in die Welt, die Enkel sind in aller Welt“, sagt Luigi Maramotti bei der Eröffnung einer neuen Sportmax-Filiale in der Via della Spiga. Seine Tochter Costanza, 25 Jahre alt, arbeitet schon im Familienbetrieb. Und sein 20 Jahre alter Sohn Elia studiert Wirtschaft in Warwick und lernt gerade Chinesisch. Maramotti gefällt die Idee, dass sein Sohn mit dem alttestamentarischen Prophetennamen gewappnet sein könnte, für den auf der ganzen Welt operierenden Konzern die vielen politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen vorauszusehen.

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