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Mailänder Modewoche : Beckhams Blümchen

  • -Aktualisiert am

Cowboy im Blümchenmuster von Gucci Bild: AP

Familienvater, gutaussehend, modisch interessiert, häuslich, sanft, und außerdem noch Großverdiener. David Beckham ist das "Symbol des neuen Mannes". Und wie sehen des Mannes neue Kleider aus?

          4 Min.

          Familienvater, gutaussehend, modisch interessiert, häuslich, sanft, und jeden Abend bringt er brav viele tausend Euro mit nach Hause, weil er so gut Tore schießen kann. Sollte es tatsächlich möglich sein, die verschwommenen Konturen eines einzigen Mannes in den mehr als 50 Mailänder Schauen, die heute zuende gehen, zu erkennen, dann sind es die von David Beckham. Hauptberuf: Fußballer. Nebenberuf: Idol. Und deshalb, wie Suzy Menkes in der "International Herald Tribune" schreibt: "das Symbol des neuen Mannes." Und wie sehen des Mannes neue Kleider aus?

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Wir befinden uns schon im Sommer 2004. Bei Dolce & Gabbana liegen Sand (Hauptlinie) und frisches Gras (Zweitlinie) auf dem Laufsteg. Das erste Model, das uns dort begegnet, sieht aus, als hätte es den ersten Preis im David-Beckham-lookalike-Contest gewonnen. Leider ist es nicht der echte, aber der hat derzeit in Asien viel zu tun, einen Haufen Werbetermine zu absolvieren, aber bei denen trägt er ausschließlich Dolce & Gabbana, weswegen er im Geiste irgendwie und irgendwo auch in Italien ist. Das Lookalike-Model trägt Beckhams weißen Anzug, den er in Tokio trug, während tausende junge Japanerinnen der Ohnmacht nahe waren: Weißes Leinen, ein Silber-Kreuz auf der Brust, die Haare zurückgebunden. Das sieht sehr cool aus, glamourös und hip, genau wie das rote T-Shirt mit dem "David"-Schriftzug und der Nummer 7 - Beckhams Rückennummer bei seinem nun ehemaligen Verein Manchester United.

          Beckham kann weinen

          Der neue Mann hat aber noch eine andere Seite, die sich in Beckhams rührendem Bekenntnis aus der vergangenen Woche nahezu unverschlüsselt herauslesen läßt: "Wenn ich einen traurigen Film sehe, muß ich immer in einen anderen Raum gehen und weinen. Ich glaube, das habe ich von meiner Mami." Sanft und soft - Eigenschaften, die nun in der Sprache der Kleidung ihren Niederschlag gefunden haben. Zum Beispiel bei Miuccia Prada, eine Designerin, die ohnehin nie für den kernigen Mann, sondern immer für den Kern im Mann entwarf. Schon die Models sind zart gegliedert und schauen melancholisch-ernst. Im vergangenen Sommer hat sie ihnen noch Hawaii-Hemden mit Papiergirlanden verpaßt, jetzt ist sie wieder ganz bei sich, was auch immer einen grauen, strengen Anstrich hat - Prada pur und nie pompös.

          In rotem Leder von Romeo Gigli

          Der Clou ihrer Kollektion ist die Strickjacke aus feinem Kaschmir. Sie ersetzt das Sakko, denn sie wird über Hemd und Krawatte getragen. Das birgt zwar die Gefahr des Altväterlichen, aber Miuccia Prada, geübt in Gratwanderungen, weiß das zu verhindern, indem sie die Kombination auf Linie bringt: Die Jacken liegen schmal am Körper, die Hosen haben Bügelfalte, sitzen aber tiefer auf der Hüfte, schmaler Bund, kein Gürtel. Das schafft Eleganz, einen Bierbauch darf man aber nicht haben. Auch die Farben sind verhalten, immerhin, zu Beige und Grau gesellt sich ein Rosa und ein Rot, in gedämpfter Form.

          Männer-Dekolleté

          Pastelltöne sind auch bei der klassisch britischen, aber immer modischer werdenderen Marke Pringle of Scotland zu sehen, die dem Mann zu allem Glück oder Unglück - kommt auf die Sichtweise an - Pullunder und Twinsets verpaßt. Und noch etwas haben die Designer sich bei den Frauen abgeguckt: das tiefe Dekolleté, das beim Mann freilich nichts außer platter Brust freilegt: als Tank-Top bei Burberry, als Ringelshirt bei Prada. Wie der Mann, so der Stoff: überwiegend weich. Dünne Wolle, Kaschmir, Seide und Satin allerorten. Selbst bei stabileren Materialien bleibt es weich und fließend. Wenn Leder, dann meistens in wilder Form. Bei Fendi ist es sogar geflochten und zum Trenchcoat verarbeitet - im übrigen der am meisten getragene Mantel auf dem Laufsteg in der nächsten Sommersaison.

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