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Mailänder Modeschauen : Miniröcke? Das sind Tops!

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Mehr Schein als Sein bei Dolce & Gabbana Bild: dpa

Eine Woche Mailänder Modeschauen sind auch eine Woche exklusive Partys, dürre Models und extravagante Kleidung. Doch wer ganz genau hinschaut, kann noch viel mehr entdecken. Ein Tagebuch von Anna von Münchhausen.

          6 Min.

          Eine Woche Modeschauen sind auch eine Woche exklusive Partys, dürre Models und extravagante Kleider. Doch wer genau hinschaut, kann noch mehr entdecken. Ein Tagebuch von den Mailänder Schauen mit der Mode für Frühjahr und Sommer.

          Montag. Der Montag unseres Mißvergnügens. Heute sollen die Modeschauen Frühjahr/Sommer 2007 richtig aufdrehen - und alles hat schlechte Laune. Es schüttet. Unablässig. Astronomische Verspätungen, aufgeweichte Stadtpläne, und aus dem Styling der Besucherinnen wird eine tropfende Lachnummer, ruinierte Ballerinas inklusive. Wenn Mode eine kulturelle Sublimierung des Kampfes gegen Kälte und Wetter ist, hat sie an diesem Tag einen Rückschlag erlitten. Und dann knallen Domenico Dolce und Stefano Gabbana auch noch mit der Peitsche, jedenfalls im übertragenen Sinn. Herbe Dominas in Lack, Leder und Gummi beherrschen D&G, die Zweitlinie. Offenbar haben der Sizilianer und der Norditaliener sich in den Archiven von Versace und Gaultier bedient, schwarze Zucht-Uniformen mit blickdichten Strumpfhosen in Pink und Elektrikblau lassen es vermuten.

          Altmeister Armani hält sich auf ganz andere Weise an Bewährtes, und der Erfolg gibt ihm recht. Er ist der Hundert-Millionen-Euro-Mann, der Nettoerlös der Giorgio Armani SpA wurde um 22,7 Prozent gesteigert. „Never change a winning team“, wird er sich gesagt haben. Warum groß etwas ändern? Fließende Abendroben, diesmal von enormen Hüten begleitet, und verschwenderisch um die Hüften herum geraffte Marlene-Hosen mit hüftlangen Jacken. Die strengen weißen Kreuzfahrt-Hosenanzüge von Brioni wirken im Vergleich dazu Dekaden jünger. Echte Schneiderkunst. Ebenso das britische Understatement der Clare Waight Keller.

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          Zwar ist sie erst seit vergangenem Sommer die kreative Kraft des Strickhauses Pringle of Scotland, doch geht sie schon sehr routiniert mit leichter Wolle um. Schmale Kleider mit auf die Hüfte gerutschter Taille, lockere asymmetrische Oberteile und auch die subtile Farbpalette zwischen Sand und Latte macchiato sind der Beweis. Talk of the town ist der neue Laden von Aspesi, einem italienischen Modehaus, das sich auf 750 Quadratmeter mitten in die Via Montenapoleone gesetzt hat. Halb Galerie, halb Kledage-Geschäft. Angeblich muß man hin.

          Dienstag. Superdünne Models, in der vergangenen Woche noch das Aufregerthema in London? In Mailand gehen die Waagen anders, die Mädels sind dürr wie gehabt, und keinen schert's. Schöne Blamage für Lokalgrößen, die so beherzt nach Kontrollmaßnahmen riefen. Kurzer Dialog in der Warteschlange vor Prada: „Hi! Du siehst ja phantastisch aus. Hattest du nicht vorhin noch was anderes an?“ - „Ja. Aber nach der Moschino-Schau . . . Ich fühlte mich einfach nicht frisch, verstehst du?“ Die New Yorkerin hat dann dieses Wahnsinns-Cocktailkleid angezogen, als ginge es gleich zur Oscar-Verleihung.

          Jedenfalls hatte sie das richtige Gespür: Auch Pradas Würze ist die Kürze, und zwar die richtig radikale. Kurze Tuniken, kurze Röcke, bis auf wenige Ausnahmen enorm kurze Kleider. Was unten fehlt, wird oben draufgesetzt - in Form von eleganten Turbanen in kräftigen Juwelen-Farbtönen, die nahezu jedes Outfit begleiteten. „Wirklich, alles so kurz?“ fragt ein fassungsloser Journalist Miuccia Prada backstage nach der Schau. „Ich hatte einfach keine Lust auf alles unterhalb der Taille“, antwortet die Designerin schulterzuckend, um dann zu beruhigen: „Keine Panik, das sollen doch Tops sein.“ Was die Frage nach den sehr nackigen Beinen allerdings nicht löst. Aber für den Verkauf werden die Outfits noch gemildert.

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