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Mailänder Modenschauen : Der Gattopardo tanzt

Da kommt der Leopard ins Schwitzen: Entwurf von D&G Bild: picture-alliance/ dpa

Dreidimensionale Schmetterlingskleider, Teddypelz-Kragen und Hüte mit Giraffen-Flecken: Für die neuen Herbst- und Winter-Kollektionen greifen viele Designer auf Motive aus der Tier- und Pflanzenwelt zurück. Ein Bericht von den Mailänder Modenschauen.

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          Die Mailänder Mode macht sich die Erde untertan. In ihren Modeschöpfungsakten für Herbst und Winter 2007/2008 spielen viele Designer mit allem, was auf Erden kreucht und fleucht. Beispiel Etro, Dienstag mittag, vierter Tag der „Milano Moda Donna“: Die Models führen Äffchen spazieren, als Aufdruck auf der Rückseite eines Oberteils oder auch als Brosche mit Kringelschwanz. Veronica Etro versteht das als Hommage an die Tier-Verrücktheit im Paris der zwanziger Jahre, dem sie auch mit geometrischen Mustern und Art-déco-Ornamenten huldigt.

          Florentine Fritzen
          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit Fiepen und Bellen aus der digitalen Konserve beginnt die Schau der Moschino-Zweitlinie Cheap & Chic. Dann haben die Kläffer ihren Auftritt: Ein jedes Model trägt an zwei Griffen einen Dackel aus Leder. Die Taschen in Hundeform gibt es in Pink, Silber und Grellorange. Dazu empfiehlt Moschino Mäntel, Jacken, Kleider und Hüte mit Giraffen-Flecken. Kombiniert werden die Safari-Farben mit Strumpfhosen in Lila und Türkis - oder mit üppigen Blüten- und Blätterdrucken.

          Geschmeidig wie Katzen

          Giorgio Armani hakt die Flora dagegen mit ein paar Blumenbroschen ab und konzentriert sich auf die Fauna. Seine schwarzweißen Kleider sehen zwar mehr wie Zebrastreifen aus als wie echte Zebras. Dafür sind die Schmetterlings-Drucke in Altrosa und Schwarz aber ganz nach der Natur gestaltet. Das dreidimensionale Schmetterlingskleid sieht aus, als hätte sich ein ganzer Schwarm rosa Falter auf dem Stoff niedergelassen. Die Models mit den runden Glitzerkäppis schreiten geschmeidig wie Katzen, aber im Schneckentempo. Ist das auch ein Tribut an die Tierwelt? Oder will der Zweiundsiebzigjährige die Zeit verlangsamen, auf dass die Marke Armani noch möglichst lange in seiner Hand bleiben möge? Nach einem Bericht des „Handelsblatts“ vom Dienstag jedenfalls sucht er nach einem Käufer für sein Imperium.

          Wie ein Schmetterling: Entwurf von Etro
          Wie ein Schmetterling: Entwurf von Etro : Bild: picture-alliance/ dpa

          Auch Domenico Dolce und Stefano Gabbana haben keine Nachkommen. Aber die beiden sind ja auch noch etwas jünger. Entsprechend wilder können sie sich gebärden: Einladungskarte, Laufsteg und Bühne am Viale Piave für die Schau ihrer Zweitlinie D&G - ein einziges Leoparden-Muster. Der Gattopardo überzieht fließende Leo-Kleider, Hosen, Shorts, Taschen, Gürtel. Auf den Schuhen wird das Muster mit rotem Lack kombiniert. Dann darf sich das Auge erholen: auf japanisch anmutenden Blumen- und Blümchendrucken in Schwarz und Beige.

          Jill Sander in überirdischen Sphären

          Viel Fell ist auf fast jeder Mailänder Schau zu sehen: als Jacke, Mantel, Kragen, Boa oder Ärmelbesatz. Meist hat es die Struktur seidiger Haare - als stammte es von einem schön shampoonierten und gut gestriegelten Tier. Manche Entwürfe sind auch mit Teddypelz bestückt. Die wenigen Männer, die auf der Burberry-Schau zwischen den Frauen laufen, haben solche krausen Kragen. Burberry hat übrigens ebenfalls einen grünen Daumen. Ein Muster lässt an stilisierte Ahornblätter denken, ein anderes an Sonnenblumen. Ein Schuppenkleid verbindet Tierwelt und Mittelalter: Seine Oberfläche wird in der Phantasie zur Drachenhaut.

          Und dann ist da noch ein Modehaus, das sich so gar nicht interessieren will für das Gewusel hienieden. Die Schau von Jil Sander am Dienstag morgen bewegt sich in überirdischen Sphären. Die Entwürfe sind klar und streng, einfarbig, ohne Schnörkel. Nichts Tierisches, nichts Pflanzliches - und eigentlich auch nichts Menschliches. Die Capes, Kleider und Hosen sitzen dicht am Körper, geben aber nichts von ihm preis. Die Kragen schließen züchtig hoch. Die Modelle in Marine, Schwarz, Glitzer oder Malve bleiben nur dank klobiger, schwerer, hockhackiger Schuhe auf Erden. Bis zum Samstag werden Dutzende weiterer Modeschöpfer enthüllen, welche Lebewesen ihnen die liebsten sind.

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