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Mailänder Mode : Gebrochenes Weiß

Im Zentrum der Mailänder Schauen: Prada Bild: REUTERS

Mailänder Modemacher feiern den Optimismus der Branche in hellen Frühjahrsentwürfen. Gleichzeitig fürchten sie dunkle Mächte - der Import aus China wächst stetig.

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          Mit einem weißen Mantel eröffnet Miuccia Prada ihre Schau. Die heimliche Herrscherin der Mailänder Mode will damit in der ersten der wirklich wichtigen Schauen der Saison gleich zu Beginn zwei Dinge sagen: Sie stimmt in den Optimismus einer Branche ein, die nach Jahren der dunklen nun endlich helle Zeiten heraufziehen sieht. Und sie teilt allen mit, daß Weiß auch für sie eine zentrale Farbe des kommenden Frühjahrs und Sommers ist. Schon mit dem ersten Mantel also, der am Dienstag abend über den verspiegelten Laufsteg geht, ist alles gesagt. Aber die Mailänder Modegeschichte ist doch ein bißchen komplizierter, als die Unschuldsfarbe weismachen könnte.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Denn modisch geht Prada vom Weiß gleich in die Elfenbein-, Beige- und Brauntöne über. Da fühlt sie sich wohler. Ihre Kleider geben locker fallend und leicht fließend einen mädchenhaft verspielten Grundton vor, der nur schwer vor dem Kitsch zu retten ist - dem die Zweitlinien anderer Designer mit Rüschen, Spitze und Bordüren verfielen. Miuccia Prada aber umgeht die Lieblichkeitsfalle mit langen grauen Woll-Beinlingen, mit stilisierten Blütenornamenten, mit Gold- und Silberstickereien, die an den Seiten- und Brustnähten entlangführen, mit Apricot-Kleidern, deren Romantik durchs strenge Plissee gebändigt wird. Sie durchbricht die glatte Oberfläche mit Drucken und vor allem mit sepiafarbenen Leinenkleidern, die, wie sie nach der Schau erklärt, mit der Hand weiß bemalt werden und an den Falten und Nähten dann immer noch die Grundfarbe zeigen.

          Frankreich - Italien 5:1

          Auch Anna Wintour, Chefredakteurin der amerikanischen "Vogue", läßt sich backstage die souveräne Kollektion zeigen. Es wird ihr gefallen haben. Denn soeben hat sie Miuccia Prada in ihrer Zeitschrift zu den sieben wichtigsten Modemachern der Welt gezählt. Die Namen der anderen sechs sind allerdings der Grund dafür, daß die Modefarbe Weiß nicht bis ins Gemüt der italienischen Designer reicht. Es sind Narciso Rodriguez, Marc Jacobs (Louis Vuitton), Stefano Pilati (Yves Saint Laurent), Olivier Theyskens (Rochas), Nicolas Ghesquiere (Balenciaga), Alber Elbaz (Lanvin). Dieser Trend ist nicht zu übersehen. Der "Corriere della Serra", der den Amerikaner Rodriguez schon abgerechnet hat, schreibt: "Frankreich schlägt Italien mit 5:1. Eine vernichtende Niederlage." So ähnlich sehen es auch die Designer: Mariuccia Mandelli ("Krizia") sagt, sie werde nicht mehr in der amerikanischen "Vogue" inserieren. Giorgio Armani kündigt an, sein Anzeigenbudget für die Zeitschrift zu verringern. Selbst Gianfranco Ferre und Roberto Cavalli äußern sich empört. (Hätte man sie etwa auflisten sollen?) Nur Stefano Gabbana spricht milde davon, daß es sich um eine Liste handele, nicht unbedingt um die Realität.

          Im Zentrum der Mailänder Schauen: Prada Bilderstrecke

          Eben. Aber die fast panischen Reaktionen auf eine schöne Spielerei mit Wahrheitsgehalt sind entlarvender als die Liste selbst. Sie zeigen, wie empfindlich die Italiener auf amerikanischen Einfluß und französische Dominanz reagieren. Wintour hatte schon dafür gesorgt, daß der Mailänder Schauenplan auf moderedakteurinnenfreundliche vier Tage schrumpft. Dadurch bleiben unbekannte Designer, die vorher oder nachher vor entsprechend kleinem Publikum ihre Kreativität zeigen dürfen, wohl auf ewig unbekannt - und die Italiener verlieren wieder an Aufmerksamkeit, die sie eigentlich brauchen wie die Luft zum Reden. Einige behaupten sogar, mit der Schädigung des Schauenplatzes Mailand versuche Wintour, wichtige Designer nach New York abzuziehen. Aber auch dieses Gerücht zeichnet vermutlich weniger deutlich die angeblich dunklen Mächte als die konkreten Ängste der Mailänder Mode.

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