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Männermode Mailand : Des Mannes Herr werden

Unerbittlich schreitet die Pradaisierung voran. Die abgemilderten Rose-, Violett-, Türkistöne bestimmen das Bild auch bei anderen Schauen. Den Trend zum "Angezogensein", wie das die Modemacher nennen, weil sie sich dadurch wohl einen besseren Verkauf erhoffen, sieht auch Burberry. Dort arbeitet Designer Christopher Bailey - bei den Herren wie bei den Damen - inzwischen auf einer Augenhöhe mit Miuccia Prada und kombiniert souverän sein Safari-Beige mit maritimer Anmutung und Schulterklappen-Jacken. Jil Sander, wo noch das Team verantwortlich war, bevor an diesem Freitag Raf Simons seine Arbeit antritt, gibt sich ebenfalls gedämpft in den Farben und streng in den Formen, die nur durch dezente Knitteroptik und knielange Hosen aufgelockert werden. "Schmal ist fast alles", resümiert Klaus Stockhausen ("GQ"). "Die scharfe, kurze Silhouette setzt sich durch."

Und in Anspielung auf die richtungweisenden Entwürfe Hedi Slimanes für Dior, die nächste Woche in Paris gezeigt werden und vor allem Jugendliche wie Karl Lagerfeld kleiden, meint er: "Vieles sieht aus wie Dior für Erwachsene." Wo Slimanes Visionen aber häufig ins Sinistre gehen, sehen die italienischen Modemacher Licht: Zu Beige, Flieder, Lachs, Pfirsich, Rosa, die ins Pastellene, Pudrige, Freskohafte abdrehen, zu manchen starken Farben wie Blau, Gelb und immer noch Grün tritt in unglaublicher Breite Weiß. Schon für dieses Jahr war die Nichtfarbe (so auch bei Boss) vorhergesagt.

Es gipfelt im weißen Gucci-Frack

Aber erst im kommenden Jahr strahlt Weiß, das Schwarz des Sommers, zumindest unter der Sonne Italiens. Es begann mit Versace, wo übrigens Donatellas öffentlichkeitsscheue Tochter und Fünfzig-Prozent-Anteilseignerin Allegra aus der ersten Reihe die weiße Ware besichtigte. Es ging weiter bei Strenesse, wo Gabriele Strehle aber Wert auf die Schattierungen legt, da reines Weiß in Deutschland wohl wirklich selten auftritt. Und es wurde auf ganzer Breite bei Gucci fortgesetzt, wo der 47 Jahre alte schottische Designer John Ray in seiner dritten Gucci-Herrenkollektion das Weiß stark mit Schwarz kombinierte - und am Ende in weißen Fracks gipfeln ließ.

Gucci, seit Tom Fords Abgang zurück aus der Zukunft, geht in die Dreißiger, zu einer stabilen Optik, zur Abendgarderobe. Da zeigt sich, daß der Mann doch wieder Herr werden möchte. Ganz ähnlich Dolce und Gabbana: In der Hauptlinie nähten sie nicht nur an ihre zerrissenen Jeans doppelte Reißverschlüsse - einer kann dann wahlweise durchaus offenstehen. Nein, sie brachten sogar Abendanzüge, einen in schwerem Gold, wie es heute nicht einmal mehr Moskauer Milliardäre tragen. Die Füße schreiten in dieselbe Richtung, also zurück: Von Sneakern ist auf dem Laufsteg nicht allzuviel zu sehen. Kroko-Slipper, Mokassins aus weichem Leder, Sandalen im Jesus-Stil und zur Abwechslung auch Flip-Flops passen im Sommer besser zum Anzug und zur Jeans.

Die Wiederauferstehung des Herrn

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