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Männermode : Ein bißchen Frau im ganzen Mann

Autsch! Wem hat diese Mode nicht gefallen? Bild: Reuters

Ein Mann, der sich stets um sein Aussehen kümmert, einen extravaganten Geschmack hat und trotzdem nicht schwul ist, ist der richtige Adressat für die in Paris vorgestellte neue Männermode für den Winter 2004.

          Ein Mann, der sich stets um sein Aussehen kümmert, einen extravaganten Geschmack hat und trotzdem nicht schwul ist, nennt man neuerdings nicht mehr "soft", sondern "metrosexuell". Das klingt interessant und läßt sich wunderbar vermarkten. In Hochglanzkampagnen wird dem Mann so hartnäckig weis gemacht, er brauche Tageslotion, Nachtcreme und Make-up, daß man den Trend zum Metrosexuellen für eine Erfindung der Kosmetikindustrie halten und schnell wieder vergessen könnte. Aber es gibt ihn wirklich. Zunächst war er nur eine Idee des englischen Journalisten Mark Simpson, der mit dieser ironisch gemeinten Bezeichnung den idealen männlichen Konsumenten definieren wollte. Knapp zehn Jahre später ist Fleisch und Blut aus ihm geworden. Nun müssen wir damit leben, daß ein begabter, aber eigentlich nicht besonders interessanter Fußballspieler, der sich Zöpfchen dreht, angeblich gerne Damenunterwäsche trägt und ansonsten vor allem clevere Imageberater hat, als die Stilikone unserer Zeit gilt.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das hat auch Auswirkungen auf den Laufsteg, der bekannt dafür ist, Abbilder von Kultfiguren rauf-, runter- und noch mal raufzuschicken. Wo allerdings sonst Steve McQueen oder David Bowie ihrer Wege gehen, dribbelt bei den Pariser Männerschauen, die auch am Montag noch Kollektionen für den nächsten Herbst zeigen, David Beckham entlang. Vorder- und hintergründig schießt der englische Fußballstar in den meisten Kollektionen seine Pässe.

          Boxer, Zuhälter, Cowboy

          Der erste, der ihm freies Spiel läßt, ist John Galliano. Als Kreativdirektor des Modehauses Christian Dior sorgt der Brite seit sieben Jahren für fulminante und spektakuläre Defilees. Nun zeigte er seine erste Männerkollektion, Galliano Homme, und kündigte schon vorher im "Figaro" an, daß sich seine Mode an Männer wie Beckham richtet, die "äußerst männlich sind und auf ihren Look achten". Tatsächlich treibt er das Männliche zunächst bis zum Äußersten. Er schickt wilde Kerle durch das Zirkuszelt am Bois de Boulogne. Sie tragen riesige Pelzmützen mit Fuchsschwänzen bis zur Hüfte und knappe T-Shirts über sechsfach gewellten Waschbrettbäuchen. Er betont den Mann durch festgezurrte Bänder an den männlichsten Stellen und transportiert den Lingerie-Stil aus der Damenmode auf den Herrn, indem er ihn Unterhosen tragen läßt, lang und kurz und superkurz.

          Der Brite Galliano würde im nächsten Winter gerne Strapse bei Männern sehen - aus Jeans

          Gallianos Version vom Mann ist eine Mischung aus Boxer, Zuhälter und Cowboy, der allerdings seinen Daumen nicht machohaft in die Gürtelschlaufe, sondern in den Eingriff seiner Unterhose hängt. Den aggressiven Mann bricht Galliano - und an dieser Stelle wird's metrosexuell - mit femininen Elementen, die wenig subtil sind. Er hängt ihm Hüfthalter um den Bauch und schneidet die Jeans am Bein in zwei Teile, um sie dann mit Strapsen wieder zu verbinden. Auch Röcke trägt der Beckham/Galliano-Mann, reich mit Blüten und Volants verziert. Darüber übersieht man leicht Gallianos Stärke: die perfekte Schneiderkunst, die er sich an der Londoner Savile Row abgeschaut hat und die an den Hosentaschen und der Schnittführunge seiner Anzüge und weit fallenden Smokings abzulesen ist.

          Ziel: die nächste Investmentbank

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