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Luxushersteller Hermès : Fest im Sattel durch die Jahrhunderte

Schlägt aus der Reihe: Hermès Bild: Jérome Galland

Hermès ist seit einer halben Ewigkeit in demselben Pariser Gebäude zu Hause. Dabei liegt die Zukunft der Marke eigentlich andernorts. Wo steht Hermès heute? Ein Besuch.

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          Hermès - ein stummes „H“, ein hart ausgesprochenes „r“ und aus dem „e“ wird ein „ä“. Schon der Klang des Namens passt zu dem, was man über das Haus weiß. Da ist auf den ersten Blick die distinguierte Zurückhaltung, dann ein Hauptteil mit Substanz und zum Schluss eine so typisch französisch arrogante Pointe, dass die schon fast wieder sympathisch wirkt.

          Jennifer Wiebking

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da sind auch die sündhaft teuren Handtaschen mit jahrelangen Wartelisten, die man seit Beginn des 21. Jahrhunderts eng mit dem Traditionshaus aus Frankreich verbindet. Und aktuell ist da auch das Parfum von Claudia Roth - eine Waffe namens Terre d’Hermès. Aber wie sieht es hinter den Kulissen von Hermès aus? Hinter Hermès, Hermès, Hermès, Hermès, Hermès, Hermès, Hermès? Denn wer das Stammhaus auf der Rue du Faubourg Saint-Honoré in Paris betritt, muss zunächst an dem goldenen Schriftzug vorbei, und der ist gleich siebenmal, über jedem Fenster, montiert.

          Je länger der Stiefelschaft, umso gestreckter wirkt das Bein

          Die schwere Tür klappt trotz der Kälte genauso unbeirrt auf und zu wie die Schubladen mit Schmuck im warmen Geschäft. Neue Handtaschen verschwinden in großen orangefarbenen Boxen, ein elegant gekleideter Herr reklamiert etwas, das in einer kleinen orangefarbenen Box steckt. Und die Asiaten? Shoppen natürlich, was das Zeug hält: Mit ihren Rollkoffern navigiert eine Gruppe über den Mosaikboden. Ein Stockwerk höher herrscht unter drei asiatischen Kundinnen, die neben einem Berg Reiterstiefel auf einem Ledersofa Platz genommen haben, Einigkeit: Je länger der Stiefelschaft, umso gestreckter wirkt auch das Bein. Und ein junges asiatisches Mädchen sitzt allein in einer Ecke, das Handy in der einen Hand am Ohr, in der anderen die goldene Kreditkarte - und am Telefon wahrscheinlich gerade die Bank.

          Hier verhält sich also jeder so, wie es sich ein Luxusgeschäft in der heutigen Zeit wünschen würde. Nur einer schlägt aus der Reihe: Hermès selbst. Hätte man sich eben noch fast im Erdgeschoss in ein paar bunten Seidenschals verfangen, geht es in einem der höheren Stockwerke, im Atelier von Hermès, um Sport.

          Auf dem Rücken der Pferde: die Sattlerei im Dachgeschoss von Hermès Bilderstrecke

          Genauer gesagt um Reitsport, um Pferdesättel, die Ursprünge des Hauses, das im Jahr 1837 von Thierry Hermès, einem in Krefeld geborenen Protestanten mit französischer Familie, in Paris gegründet wurde. Bis heute hat das Haus die Sattlerei nicht geschlossen. Die Tierrechtsorganisation PETA sollte man dennoch besser nicht einladen, denn auf dem Tisch wellt sich gerade eine rote Krokodilhaut in voller Länge, inklusive Kopf und Schwanz. Und auch der Besuch einer Feministin würde nicht unbedingt angenehm verlaufen. Die Tierwelt mag bei Hermès vielfältig vertreten sein, doch wenn es um den Homo sapiens geht, dann ist die Sattlerei des Hauses eine Männerwelt.

          Aber ein Blick auf die Finger des Sattlers Jérôme Giboire genügt, um eine Frauenquote völlig abwegig zu finden. Seit zwölf Jahren ist Giboire im Haus beschäftigt. Momentan schimmert unter seinem Daumennagel ein dunkellilafarbener Bluterguss hervor, und die Haut um seinen Mittelfinger erkennt man nicht mehr als solche. Dafür kann Giboire mit diesen Fingern innerhalb von 25 Stunden aus einem Holzskelett einen fertigen Sattel herstellen, der dann mit etwa 300 weiteren pro Jahr ab 4000 Euro über den Tresen geht.

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