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Kunst und Mode : Apolda zieht an

Nur einmal hin und her

Die Modebewegung wird von Stadt, Landratsamt und einigen Modefachleuten um Barbara Larcher, die ehemalige Modechefin des „Stern“, seit Anfang der Neunziger betrieben. Modenächte, Werkverkäufe, Strickerei-Symposien, Kunstausstellungen und seit 1993 ein Designpreis, der in diesem Jahr mit insgesamt 25000 Euro dotiert ist, bringen Leben in die Stadt, die selbst tagsüber wie entvölkert wirkt. Außerdem nahm sich Apolda die großen Namen vor: Rudolph Moshammer kam mit Daisy, Wolfgang Joop zeigte im Jahr 2002 seine Gemälde.

Und vor einem Jahr fuhr eine Delegation aus Weimar nach Paris, um auch Karl Lagerfeld vom Charme Ostthüringens zu überzeugen. In der Nacht zum Freitag sitzt Lagerfeld, nach vier Stunden Interviews und Autogrammschreiben, zum Essen mit seiner Entourage im Hotel. Da erst überzeugt man ihn, sich auch die Jungdesigner anzuschauen. Am Samstag mittag kommt er dann auch wirklich zur „Designerbörse“ in eine leerstehende alte Fabrik, einen frühen Industriebau des Architekten Egon Eiermann. Schon wegen des Auftriebs läuft er aber nur einmal hin und einmal her.

Der erste Preis

Andere Modeleute können sich unauffälliger umschauen: Margareta van den Bosch, Chefin des mit 190 Personen vermutlich größten Designteams der Welt bei Hennes & Mauritz, ist auf dem Weg von New York nach Stockholm vorbeigekommen. Ingo Wilts, Chefdesigner bei Boss, hat beim letzten Mal eine junge Modemacherin eingestellt. Nach Apolda zu kommen erspart ihm die Zeit, in London, Amsterdam, Trier oder Pforzheim in den Modeschulen nach Talenten zu suchen.

Und Albert Kriemler, Chef des Schweizer Modehauses Akris, ist angetan von den Drucken zweier Londoner Designerinnen. Ganz zu recht, wie sich später herausstellt: Denn Kirsty Reilly und Dominique Devaux vom Chelsea College of Art and Design bekommen am Abend den zweiten und dritten Preis im Wettbewerb zuerkannt. Den ersten Preis wird Kristina Schneider erhalten, die aus Zella-Mehlis stammt und an der Fachhochschule Pforzheim studiert hat.

Lagerfeld und das Sonnendeck

Sie drapiert, dreht, schneidet alte Sakkos und läßt den Futterstoff herausquellen, bis schöne Oberteile daraus werden. Auf diese Weise, so meint sie, müßten sich Frauen nicht modisch vermännlichen. Inzwischen ist Karl Lagerfeld der alten Fabrik längst aufs Dach gestiegen. Der Eiermann-Bau erzählt eine weitere Geschichte von Verfall und nahender Rettung: Ein Förderverein hat es immerhin schon geschafft, das Dach herzurichten und abzudichten.

Lagerfeld fotografiert das Sonnendeck des Gebäudes, auf dem die Arbeiter in der Mittagspause wie auf einem Luxusdampfer auf Liegestühlen ruhten. Hier oben, mit schönem Blick auf die Kleinstadt, nimmt er sich eine halbe Stunde zum Fotografieren. Dann verschwindet er wieder. Der schwarze Phaeton fährt dem goldenen Licht der Nachmittagssonne entgegen, die ab und zu ihre Strahlen bis nach Apolda schickt.

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