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Kriminalität : Modemacher Rudolph Moshammer ermordet

  • Aktualisiert am

Rudolph Moshammer mit Hundedame Daisy Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

München verliert einen seiner schillerndsten Prominenten: Der Modemacher Rudolph Moshammer ist einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen. Er wurde am Freitag morgen tot in seiner Wohnung aufgefunden.

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          Der Münchner Modemacher Rudolph Moshammer ist ermordet worden. Die Leiche des Prominenten-Schneiders wurde am Freitag in seinem Haus im Münchner Nobelvorort Grünwald von seinem Chauffeur gefunden.

          Der 59jährige soll mit einem Kabel erdrosselt worden sein. Über Motiv und Täter gab es zunächst noch keine Informationen. Es wurde eine Sonderkommission gebildet, der rund 20 Kriminalbeamte angehören. Die Leiche des Modezaren lag angezogen auf dem Fußboden im ersten Stock seines Hauses. Die Möglichkeit eines Selbstmordes schloß die Staatsanwaltschaft ebenso wie einen Einbruch aus.

          Polizei sucht Zeugen

          Am Vorabend war der Modemacher zunächst mit einer Bekannten in einem Restaurant im Vorort Grünwald essen, ehe er in seinem Rolls Royce alleine ins Stadtgebiet von München fuhr. Die Kriminalpolizei sucht dringend Zeugen, die den Getöteten am Donnerstag abend zuletzt gesehen haben. Die Polizei hat eine Sonderkommission gebildet. 20 Kriminalbeamte arbeiten derzeit an dem Fall, berichtete ein Sprecher. Der Leichnam werde obduziert, Ergebnisse lägen noch nicht vor.

          Rudolph Moshammer mit Hundedame Daisy Bilderstrecke
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          Moshammers Hündin Daisy, mit der sich der exzentrische Modezar immer in der Öffentlichkeit zeigte, wurde am Tatort unversehrt gefunden. Der Chauffeur hat sich des Tieres angenommen.

          Der Mordfall erinnert an den Tod des Schauspielers Walter Sedlmayr, der am 14. Juli 1990 in seiner Wohnung von zwei Brüdern, die Vertraute von Sedlmayr waren, umgebracht worden war. (Erinnerungen an den Fall Sedlmayr)

          Mode für die Schickeria

          Königliche Auftritte, schwarze Perücke und immer die kleine Daisy im Arm - Modezar Rudolph Moshammer war eine schillernde Figur in der Münchner Schickeria. Er kleidete Hollywoodgrößen wie Arnold Schwarzenegger, Adelige wie König Carl Gustaf von Schweden und Berühmtheiten wie Startenor José Carreras mit seiner handgemachten Designermode ein - ohne je eine Schneiderlehre absolviert zu haben. (Alles Mythos: Moshammers Mode) Doch abseits dieser Welt des Luxus engagierte er sich seit Jahren in der Obdachlosenhilfe.

          Seine Biographie mag das erklären. Nach einer zunächst behüteten Kindheit in München verlor Vater Richard Moshammer, der Direktor bei einer Versicherung war, seinen Arbeitsplatz. Mit der Familie ging es bergab - sie hatten nicht einmal mehr das Geld, um die Stromrechnung zu bezahlen. Der Vater verfiel dem Alkohol und starb Jahre später als armer Obdachloser. Doch Moshammer ließ sich von seinem Weg nicht abbringen. Schon zu Schulzeiten hatte er Hüte und Kleider für die Freundinnen seiner Mutter entworfen. Nach einer Lehre als Einzelhandelskaufmann bei einer Stoffgroßhandlung stand sein Berufswunsch fest: Er wollte in der Modebranche berühmt werden.

          Mode der Luxusklasse

          In den sechziger Jahren begann er, extravagante Mode für die Münchner Schickeria zu entwerfen. Seine Boutique "Carneval de Venise" mit Herrenmode der Luxusklasse aus Pelzen, Kaschmir oder Seide entwickelte sich im Lauf der Jahre zu einer der ersten Adressen in der deutschen High Society. Moshammer entwarf Design für Konzerne und Hotelketten, vor allem aber seine seidene Krawattenkollektion wurde weltbekannt.

          Nach eigenen Aussagen konnte er auf Einzelaufträge in Millionenhöhe etwa für ein Mitglied der saudiarabischen Herrschaftsdynastie verweisen. In den letzten Jahren hatte er auch den osteuropäischen Markt für seine exklusive Ware erschlossen.

          Publikumswirksam inszeniert

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