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Kopftuchmode : Das Accessoire des Islam

Daß sie ihrer religiösen Überzeugung Ausdruck verleihen... Bild: Andreas Müller

Kopftücher drücken religiöse Überzeugungen aus - und immer stärker modisches Bewußtsein. In den Golfstaaten trägt man schwarz, in Algerien weiß, in den Palästinensergebieten setzt sich grün durch - bei Ikea trägt man blau oder gelb.

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          Und auf dem Sportplatz? Den kurzen Rock, den Tennisspielerinnen sonst tragen, würden die meisten Musliminnen nie anziehen. Aber der große weiße Kragen mit dem schwarzen Streifen unter dem haubenartigen Schleier imitiert die klassische Tennisbekleidung. Ein Klettverschluß sorgt dafür, daß er nicht verrutscht und auch bei schnellen Ballwechseln kein Haar hervorschaut. Gleich vier solcher Sportmodelle hat die niederländische Designerin Cindy van der Bremen entwickelt. Ein Imam hat die Kleidungsstücke für islamisch korrekt befunden.

          Hans-Christian Rößler

          Politischer Korrespondent für die Iberische Halbinsel und den Maghreb mit Sitz in Madrid.

          Das Stückchen Stoff am Kopf, das in Deutschland schon das Bundesverfassungsgericht beschäftigt und in der Türkei einen Kulturkampf verursacht hat, entwickelt sich weiter. Viele Musliminnen tragen es aus religiöser Überzeugung. Aber ihr modisches Bewußtsein müssen sie damit nicht verleugnen. Das Kopftuch ist zu einem modischen Accessoire geworden, mit dem sie spielen - und das in mehrfachem Sinn. Denn auch mit Entwürfen samt modischen Neonstreifen zum Wandern, Skaten oder für das in der islamischen Welt besonders beliebte Aerobic hat Cindy van der Bremen den Trend der Zeit getroffen.

          Schmale Bordüren, florale Stickereien

          Es sind zwar nicht tausendundeine Möglichkeit, die Internet-Spezialanbieter wie "Hijabshop" den Frauen bieten, ihr Haar zu verstecken. Aber schon die Variationsbreite der virtuellen Kataloge zeigt, daß es einen Markt für ausgefallene Kopftücher gibt, die nicht nur den religiösen Vorgaben genügen, sondern gleichzeitig auch dem eigenen Stil entsprechen und für den jeweiligen Anlaß passen sollen. Das können schmale Bordüren sein, florale Stickereien - oder Leopardenmuster.

          ...heißt nicht, daß sie sich für Mode nicht interessieren

          Die Bandbreite reicht von der Kopfbedeckung für festliche Anlässe oder Partys bis zur Arbeitskleidung. So können muslimische Polizistinnen in London mittlerweile aus vier verschiedenen Kopftuchmodellen auswählen, die zu den Farben der Uniform passen. Die städtische Polizeiführung ließ sie entwerfen, weil Musliminnen, die man dringend für den Polizeidienst gewinnen wollte, bislang die Vorstellung abschreckte, unverschleiert auf Streife gehen zu müssen. Aber auch Unternehmen wie das skandinavische Möbelhaus Ikea ließen für ihre weiblichen Angestellten islamischen Glaubens schon eine Kopfbedeckung schneidern, die zur Dienstkleidung paßt und die Imame zufriedenstellt. Spätestens seit die Firma auch Filialen am Golf eröffnete, hatte man keine andere Wahl.

          Interesse an westlicher Mode

          Die Nachfrage nach Kopftüchern wuchs in jüngster Zeit auch, weil viele Muslime sich wieder stärker ihrer Religion zuwenden, ohne ihr Interesse an westlicher Mode zu verlieren. In den neuen klimatisierten Einkaufszentren, die in Casablanca, Amman oder in den Golfstaaten gebaut wurden, flanieren Frauen mit Kopftuch durch die Boutiquen von Prada, H&M oder Benetton. Manche kaufen sich dort das modische Seidentuch oder den Chiffonschal. Wegen des stetig steigenden Ölpreises können sich vor allem die Kundinnen in den rohstoffreichen islamischen Staaten immer mehr leisten; die internationalen Modehäuser wie lokale Designer umwerben längst diesen lukrativen Kundenkreis.

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