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Kindermode : Bestseller frühreife Mode

Verkaufsschlager „Baby-Dior” Bild: dpa/dpaweb

Kindermode boomt. Aber viele Designer machen aus Kindern kleine Erwachsene - das ruft gelegentlich auch Kritik hervor. Ein FAZ.NET-Spezial.

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          Als Madonna kürzlich in London zur Premiere des neuen Harry-Potter-Films kam, wurde sie von ihrer neun Jahre alten Tochter Lourdes begleitet. Die Sängerin trug ein violettes Outfit, ihre Tochter einen schwarzen Mantel mit weißen Nähten, dazu ein rosafarbenes Täschchen am Handgelenk und verzierte Ballerinas. Die beiden liefen über den roten Teppich wie zwei Stars, die professionell im Blitzlichtgewitter posieren - und nicht wie Mutter und Tochter, zwischen denen 38 Lebensjahre liegen.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Es ist nicht nur ein Phänomen, daß Mütter so jung wie ihre Töchter aussehen wollen, Töchter nähern sich in ihrem Äußeren auch immer mehr ihren Müttern an. Sie tragen die gleichen Kleider, sie schminken sich früh, sie stolzieren auf Absätzen wie lebende Barbie-Puppen und kennen alle wichtigen Modemarken, bevor sie wissen, was das große Einmaleins ist. Verfrühte Adoleszenz könnte man das auch nennen.

          Besucherrekord bei Kindermodemessen

          Die Modebranche spielt eine wesentliche Rolle bei dieser Entwicklung. Und nicht nur eine passive, denn sie reagiert keineswegs bloß auf ein gesellschaftliches Phänomen, indem sie die Nachfrage nach frühreifer Kinderkleidung befriedigt - sie forciert es auch, vor allem aus wirtschaftlichem Interesse. Denn der Markt der Kindermode boomt. Bei der "Pitti Immagine Bimbo", der größten Kindermodemesse der Welt, haben sich am vergangenen Wochenende in Florenz mehr Marken als je zuvor präsentiert. Die Geschäftsführung verzeichnete einen Besucherrekord - allein aus Deutschland kamen ein Drittel mehr Einkäufer als im Jahr zuvor. Offensichtlich steigt auch hierzulande das Interesse an hochwertiger Kindermode, obwohl der deutsche Markt immer noch als zurückhaltend gilt gegenüber den südeuropäischen Ländern, in denen die Kinder besonders herausgeputzt werden. Auch in Deutschland kommen neue Hochglanzmagazine auf den Markt, die sich ausschließlich mit "Kids-Fashion" befassen.

          Kinder im Wunderland - bei Cavalli

          Mit Kindermode läßt sich noch Geld verdienen - was bei der Mode für die Eltern nicht immer der Fall ist. Allein Dior hat in den vergangenen drei Jahren seinen Umsatz bei der Kinderlinie "Baby Dior" um sechzig Prozent gesteigert. Aus diesem Grund wollen sich immer mehr Marken, die eigentlich im Segment der Erwachsenen etabliert sind, am zuckersüßen Kuchen der Kindermode laben. Der gestalterische Aufwand ist oft minimal, denn die Schnitte der Hauptkollektionen werden einfach auf Kindermaße heruntergebrochen. Dahinter steckt aber noch eine andere Überlegung: das Ködern der Kunden von morgen. Es funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Erst kaufen die Mütter ihren Kindern die Marken, die sie selber tragen, später kaufen die erwachsen gewordenen Kinder die gleichen Marken und werden im Idealfall zu lebenslangen Kunden. "Wenn sich Kinder in Dior wohl fühlen", sagt "Baby Dior"-Geschäftsführer Dominique de Longevialle, "werden sie das im Bewußtsein behalten und uns treu bleiben."

          Mini-Version eines Haute-Couture-Spektakels

          Zum umstrittenen Reifungsprozeß der Kindermode gehört auch, daß sie mittlerweile fast so spektakulär vorgeführt wird wie die Erwachsenen-Kollektionen. Auf der Pitti Immagine Bimbo präsentierten sich zahlreiche hochwertige Marken, die man sonst nur von den Laufstegen in Paris und Mailand kennt. "Baby Dior" zeigte seine neue Kollektion für den nächsten Herbst und Winter im Salon eines Nobelhotels - die Mini-Version eines Haute-Couture-Spektakels. Ein Deja-vu-Erlebnis: Die plissierten Seidenkleider und die mit dem Dior-Logo bedruckten Jeansröcke erinnern stark an die Hauptlinie. "Die Kollektion ist eine sanfte Transformation der Dior-Frau in das Dior-Mädchen", erläutert de Longevialle das Konzept der französischen Marke.

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