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Kate Moss : Ohne Gesichtsverlust

Auf dem Laufsteg - elegant Bild: AP

Kate Moss ist das Gesicht der neunziger Jahre und konnte ihre Popularität ins neue Jahrzehnt retten. Kate Moss ist Model, Mythos und Mutter. Ziemlich viel für jemanden, der seinen 30. Geburtstag feiert.

          4 Min.

          Der Erfolg von Kate Moss rief von Anfang an Skepsis hervor. Als sie zu Beginn der neunziger Jahre entdeckt wurde, schrieb man von der "Mittelmäßigkeit" ihres Aussehens, davon, daß sie an verwahrloste Waisenkinder erinnere. Schließlich wies die Engländerin selbst immer darauf hin, daß sie viel zu klein sei für ein Model und krumme Beine habe. Es half nichts: Sie wurde das Gesicht der neunziger Jahre. Und wäre, wenn das Zeitgeschehen seinen gewohnten Lauf genommen hätte, im neuen Jahrzehnt in der Versenkung verschwunden.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch obwohl längst neue Gesichter ins Bewußtsein des Publikums gespült wurden und Kate Moss, die am nächsten Freitag 30 Jahre alt wird, mit vielen Millionen in den wohlverdienten Ruhestand gehen könnte, ist sie gefragter denn je. Anders als erwartet, ist auf ihren rasanten Aufstieg nicht der Abstieg gefolgt. Von Kolleginnen wie Linda Evangelista und Kristen McMenamy redet kein Mensch mehr. Kate Moss aber hat eine Position in der Modewelt eingenommen, die über ihren Beruf hinausstrahlt. Sie ist vom Model zum Phänomen gereift. Und wie jedes seiner Art nur unzureichend zu erklären.

          Trendsetterin Kate Moss

          Zum Beispiel folgendes: Kate Moss kommt auf eine Ausstellungseröffnung im Londoner Design Museum. Zugegen ist eine ganze Menge anderer junger Frauen, auffälliger gestylt, stärker geschminkt. Nur Kate Moss trägt ein elegantes Kleid von Lanvin. Kurz darauf sieht man auf allen wichtigen Partys in London junge Frauen in eleganten Kleidern von Lanvin. "Von Cameron Diaz bis zur Chefin der Pariser Vogue gibt es keine Frau, die nicht töten würde, um den Kleiderschrank von Kate Moss überfallen zu dürfen", schreibt das amerikanische Magazin "Time".

          .. oder leger

          Auch die Experten jubilieren. Designer Marc Jacobs nennt ihren Stil "außergewöhnlich", Manolo Blahnik bezeichnet sie als "very fashionable", und John Galliano spricht etwas übermütig von der "modernen Marilyn Monroe". Auf dem Laufsteg ist sie nur noch selten zu sehen, statt dessen sitzt sie bei Modenschauen in der ersten Reihe, Seite an Seite mit Schauspielerinnen und reichen Damen der Gesellschaft. Kate Moss hat den Sprung geschafft - von der Projektionsfläche zur Inspirationsquelle. Früher war sie ein leeres Blatt, das von anderen beschrieben wurde, heute führt sie die Feder selbst.

          „Ganz und gar gewöhnlich“

          Hat ihr Erfolg als stilbildende Figur etwas damit zu tun, daß sie nicht verkleidet wirkt? Niemals das Werk perfekter Stylisten zu sein scheint? Auch mal zwei Saisons lang die gleiche Tasche zu verschiedenen Anlässen trägt, weil sie ihr vielleicht immer noch gefällt? Kürzlich hat sie der Künstler Alex Katz gemalt und gesagt: "Sie ist ganz und gar gewöhnlich. Und das macht sie so außergewöhnlich." Authentisch könnte man ihre Erscheinung nennen. Und das ist bekanntlich eine Wirkung, die man nicht beeinflußen oder planen kann.

          Aber was lief schon nach Plan bei Kate Moss? Bis zu ihrer Teenagerzeit sah es so aus, als gebe Mittelmäßigkeit den Ton in ihrem Leben an. Sie wuchs im Londoner Vorort Croydon auf, "untere Mittelschicht", wie sie selbst sagt, der Vater arbeitete als Reisekaufmann, die Mutter verkaufte Haarpflege. Sie war an der Riddlesdown High School eine mittelmäßige Schülerin ohne Ambitionen. Ihre Lehrer hatten ihre eine Karriere als Verkäuferin bei Woolworth prophezeit. Zwar posierte sie ganz gern vor der Kamera ihres Vaters, aber ihrer Mutter gestand sie: "Ich glaube nicht, daß ich sehr fotogen bin." Woraufhin ihre Mutter sagte: "Das glaube ich auch nicht."

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