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Karl Lagerfeld : „Das ist ja nicht 1929“

  • Aktualisiert am

Lagerfeld: „Ich bin nicht so dumm wie ich aussehe!” Bild: dpa

Karl Lagerfeld über Mode in Zeiten der Krise: „Diese Krise ist für den Luxus nicht so gefährlich. Selbst in Amerika ist der Umsatz mit Luxus noch nicht runtergegangen.“ Doch müsse man in schweren Zeiten leichte Kollektionen machen.

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          Karl Lagerfeld über Mode in Zeiten der Krise: „Diese Krise ist für den Luxus nicht so gefährlich. Selbst in Amerika ist der Umsatz mit Luxus noch nicht runtergegangen.“ Doch müsse man in schweren Zeiten leichte Kollektionen machen.

          Herr Lagerfeld, Sie sind nach dem letzten Bild der Schau für Ihre eigene Marke gar nicht bis ans Ende des Laufstegs gelaufen wie sonst. Wie kommt's?

          Tun die anderen doch auch nicht! Die Leute haben mich schon genug gesehen.

          Aber die Fotografen hätten noch mehr Bilder machen können . . .

          Schon, aber ich bin auf einem derartigen Ego-Trip, dass ich mich beinahe geniere, da zu stehen. Die haben bald von mir so sehr genug, wie ich selber genug von mir habe.

          Ihre Karl-Lagerfeld-Kollektion wirkte geradezu gutgelaunt . . .

          Umso besser! In schweren Zeiten muss man leichte Kollektionen machen.

          Auch Sie denken über die Krise nach?

          Krise, Krise, Krise - es kriselt nicht auf der ganzen Welt. Das ist ja nicht 1929. Heute gibt es zum Glück auch den Nahen und Fernen Osten, Indien und Russland. Diese Krise ist für den Luxus nicht so gefährlich. Selbst in Amerika ist der Umsatz mit Luxus noch nicht runtergegangen.

          Kennen Sie eigentlich die Umsätze Ihrer eigenen Marke?

          Nein, darum arbeite ich auch gern für Fendi und Chanel: Ich will mit Geld nichts zu tun haben.

          Zumindest freut es Sie, wenn die Umsätze wachsen?

          Ja, aber ich will von Zahlen nichts wissen.

          Ein wichtiges Motiv Ihrer Kollektion fürs Frühjahr sind die asymmetrischen Kummerbunde . . .

          . . . Wie eine Wendeltreppe um den Körper!

          Mitsamt den Fesselmanschetten und den Handschuhen sehen die Mädchen aus wie in einer Rüstung, als ob sie Schutz suchen würden.

          Man muss ja gerüstet sein - auch für die guten Zeiten!

          Aber den schwarzen Pulli statt eines weißen Hemds tragen Sie heute wegen der schlechten Zeiten?

          Ich wollte mal einen anderen Look haben. In der Werbung für das Parfum trage ich schon das weiße Hemd - und ich will ja nicht immer aussehen wie meine eigene Karikatur.

          Noch einmal zur Krise: Verfolgen Sie auch die Wirtschaftsnachrichten, oder blättern Sie gleich weiter zur Kultur?

          Ich bin nicht so dumm wie ich aussehe!

          Und was denken Sie über die Nachrichten von der Finanzkrise?

          Wenn ich ehrlich bin: Manche Leute müssen ins Gefängnis, wenn sie 200 Euro klauen. Und wenn man anderen Leuten Milliarden wegnimmt, kriegt man noch eine Prämie. Ich finde das unerhört. Wie können so viele Milliarden weg sein von einem Tag auf den anderen? Das werden die ja wohl vorher gemerkt haben! Darum halte ich das für kriminell. Aber es wird die Welt ändern. Die neue Welt ist China, Russland und der Orient. Und Amerika ist nicht mehr die Neue Welt wie in Dvoráks Sinfonie. Amerika ist jetzt auch die Alte Welt, wie wir.

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