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„Bread & Butter“-Chef Karl-Heinz Müller : Der neue Sonnenkönig der Berliner Mode

Karl-Heinz Müller hat die „Bread & Butter” wieder nach Berlin zurückgebracht Bild: dpa

Karl-Heinz Müller, Chef der Modemesse „Bread & Butter“, ist wieder an die Spree zurückgekehrt. Eigentlich könnte alles so schön sein, würden sich die einzelnen Modeveranstalter nicht gegenseitig das Leben schwer machen.

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          Richtige Freunde werden die großen Berliner Modeveranstalter wohl nie. Als Karl-Heinz Müller, der die „Bread & Butter“ nach Berlin zurückgebracht hat, aus dem Zelt der „Mercedes Benz Fashion Week“ am Bebelplatz tritt und vor dem Siebener-BMW seines Fahrservice noch eine Zigarette raucht, kommt ein Abgesandter des Modewochen-Veranstalters IMG auf ihn zu. Er solle, bitte schön, mit seinem BMW wegfahren.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Das Pflaster vor dem Zelt ist der IMG, also der „Fashion Week“, also den Wagen des Hauptsponsors Mercedes vorbehalten. Da hat ein BMW der „Bread & Butter“ nichts zu suchen. Müller, der Hotelbetreibern, Taxifahrern, Wirten, Ladenbesitzern und nicht zuletzt den anderen Modeveranstaltern Zehntausende Besucher zugeführt hat, drückt seine Zigarette aus, setzt sich in den Wagen - und erklärt auf der Fahrt zur Schau von Boss-Orange in Treptow sein Konzept.

          „Wowereit ist ein harter Knochen“

          In Berlin muss man Dankbarkeit nicht erwarten - aber übermüdet angesichts all der Diskussionen sieht der 52 Jahre alte Streetwear- und Jeans-Spezialist schon aus. Der Streit um die Hangars und die Haupthalle des stillgelegten Flughafens, die von der „B & B“ für je zwei Monate in den nächsten zehn Jahren gemietet wurden, reicht auch in die erfolgreichste Modeveranstaltung hinein, die Deutschland je erlebt hat. Im Juni versuchten die „Filmbetriebe Berlin Brandenburg“, die ebenfalls Interesse an dem Gelände hatten, beim Bundeskartellamt die „B & B“ zu verhindern - weil das Gelände nach europäischem Recht ausgeschrieben werden müsse. Sie scheiterten.

          Die „Bread & Butter” fand auf dem ehemaligen Flughafen Tempelhof statt

          Und nun will die Berliner CDU, die bei Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) Selbstherrlichkeit wittert, den Senat gerichtlich dazu verpflichten, den Mietvertrag mit der Messe offenzulegen. Das wäre allerdings laut Müller und Wowereit gegen alle Gewohnheiten. „Keiner kann ein Interesse daran haben, dass Einzelverträge öffentlich werden“, sagt Wowereit dazu im Gespräch. Er habe ohnehin nur den Kontakt zwischen Müller und dem Liegenschaftsfonds hergestellt. Die Verträge seien zwischen der „B & B“ und der Berliner Immobilienmanagement GmbH geschlossen worden, einer Tochtergesellschaft des Landes, die auch als „Geschäftsbesorger“ für Tempelhof eingesetzt ist. Außerdem habe er gegen Müllers Willen noch die Option auf das Alliiertenmuseum hineinverhandelt. „Es wurde doch alles vom Rechnungshof geprüft“, sagt Müller - und meint zum Vorwurf von Mauscheleien nur: „Wowereit ist ein harter Knochen.“

          Freundschaftsdienst und Kundenpflege

          Er selbst natürlich auch. Müller wuchs als Sohn eines Bergarbeiters im saarländischen Dillingen auf, machte eine Lehre als Einzelhandelskaufmann im örtlichen Kaufhaus (Abteilung Feinkost), wechselte als Filialleiter zu einer Supermarktkette nach Kaiserslautern, dann zum Süßwarenhersteller Mars, und landete mit 25 Jahren eher zufällig in der Textilbranche. Außendienstmitarbeiter (Levi's), Geschäftsführer (Pepe Jeans), Ladeninhaber (“14 oz.“, bis 2003 in Köln, seit 2008 in Berlin), Messeveranstalter seit acht Jahren - Müller kennt jeden Jeans-Menschen zwischen dem Veneto und dem kalifornischen „Denim Valley“, spricht ihre Sprache, sieht nicht aus wie ein Messechef - und erst recht nicht wie all die High-Fashion-Leute, denen die „Jeanser“ immer etwas zu laut und zu ehrlich sind.

          Dabei ist er schon leiser geworden. Früher hielt Müller Pressekonferenzen auf einer Art Thron ab, und am Ende klatschten die Journalisten wie Passagiere eines Ferienfliegers. Jetzt, auf der ewigen Fahrt im BMW zu Boss, sagt er über die „Fashion Week“ und die andere Modemesse, die „Premium“ am Gleisdreieck: „Die Synergien sind hervorragend. Jeder soll sein Cluster suchen. Ich bin nicht an ,high fashion' interessiert.“ Und meint damit: Die anderen profitieren von unserer Anziehungskraft, und sie sollten nicht immer unter unseren Kunden wildern. Zur Sicherheit pflegt Müller seine Kunden gut. Als G-Star-Chef Jos van Tilburg auf der Messe seinen 50. Geburtstag nachfeierte und die Party ausplätscherte, spendierte Müller ein Überraschungs-Feuerwerk: Freundschaftsdienst und Kundenpflege.

          Suzy Menkes bekam keinen Zutritt

          Bisher hat das Konzept viel gebracht. 2001 fing Müller in Köln auf 7500 Quadratmetern und mit knapp 15.000 Besuchern an. 2003 kam er nach Berlin, 2006 wechselte er nach Barcelona, wo mehr Platz zur Entfaltung war. „Und jetzt haben wir doppelt so viele Besucher wie damals, als wir aus Berlin weggingen.“ Etwa 80.000 - zwei Drittel aus dem Ausland. Auf der nächsten Messe vom 20. bis 22. Januar 2010 will er seine Fläche noch mal um mehr als zehn Prozent erweitern. Unter anderem kommt dann Windsor hinzu - worauf Müller schon deshalb stolz ist, weil er die Zeit der Marketingprodukte in Zeiten der Krise am Ende sieht und nun auf Handgefertigtes setzt.

          Überhaupt ist der umgängliche Messechef durchaus streng: Wer kopiert nur andere Marken? Wo sind die Laufströme? Wen darf man nicht nebeneinanderstellen? Mit seinem scannergestützen Überblick hat er die Abläufe im Blick. Danebengehen kann trotzdem immer etwas. Kritikerin Suzy Menkes von der „International Herald Tribune“, der wichtigste Modegast der Woche, bekam aus Versehen keinen Zutritt und verließ verärgert das Gelände. Müller zeigt auf die Innentasche seines Windsor-Sakkos (“habe ihre Eintrittskarte dabei“), steigt aus dem BMW aus, der bei Boss immerhin vorfahren darf, und sucht unter den 1600 Gästen nach ihr - um den womöglich einzigen Fehler auszubügeln, den er in dieser Woche gemacht hat.

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