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Jugend : Die Generation Golf gibt es wirklich

Die Existenz der "Generation Golf" ist jetzt auch empirisch nachgewiesen. Der Soziologe Markus Klein hat in einem Aufsatz Werte und Einstellungen der zwischen 1965 und 1975 Geborenen untersucht.

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          Die Existenz der "Generation Golf" ist jetzt auch empirisch nachgewiesen. Der Soziologe Markus Klein hat in einem Aufsatz für die aktuelle Ausgabe der "Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie" Werte und Einstellungen der zwischen 1965 und 1975 Geborenen untersucht und ist zu dem Schluß gekommen: "Es gibt die Generation Golf im Sinne einer klar abgegrenzten Geburtskohorte mit einem spezifischen Werteprofil, das sie von anderen Generationseinheiten deutlich abhebt." Die im Jahr 2000 von Florian Illies beschriebene "Generation Golf" zeichne sich dadurch aus, "daß mit ihr die Abwendung von postmaterialistischen Werten beginnt". Obwohl diese Generation "für die Übernahme postmaterialistischer Wertorientierungen prädisponiert" sei, wende sie sich von diesen Werten im Lebensverlauf immer stärker ab. Das Ergebnis zeigt, daß Illies' Essay einer empirischen Überprüfung standhält.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Klein, der am Zentralarchiv für Empirische Sozialforschung der Universität zu Köln arbeitet, stellt Illies gängigen sozialwissenschaftlichen Wertewandelstheorien gegenüber. Der Sozialforscher Ronald Inglehart hatte in "The Silent Revolution" unterstellt, daß sich postmaterialistische Werte in westlichen Gesellschaften von Generation zu Generation immer stärker ausbreiten. Kernbotschaft der "Generation Golf" ist hingegen, daß sich der Wertewandel in der jüngeren Generation umkehrt: "Die Abgrenzung gegen die Vorgängergeneration mit ihrer Moralhoheit war für uns früh eine entscheidende Lebensmaxime", heißt es in dem Buch. Anhand der zwischen 1980 und 2000 erhobenen Daten aus der Allgemeinen Bevölkerungsumfrage der Sozialwissenschaften (Allbus) vergleicht Klein nun die "Generation Golf" mit den Vorgängergenerationen, der "Apo-Generation" (Geburtskohorten 1946 bis 1953) und der "Generation der Neuen Sozialen Bewegungen" (1954 bis 1964). Dabei konstatiert er - vor allem unter Hochgebildeten - eine Umkehr des Wertewandels. Die Änderungen zeigten sich nicht nur zwischen den Generationen, sondern auch im Lebensverlauf der "Generation Golf", in dem es "zu einer drastischen Abweichung von postmaterialistischen Wertorientierungen" gekommen sei.

          Für diesen Wandel des Wertewandels führt Klein mehrere mögliche Gründe an: Wegen der wachsenden Arbeitslosigkeit infolge der Ölkrise und der Entwertung von Bildungszertifikaten im Zuge der Bildungsexpansion sei die Verunsicherung über beruflichen Erfolg größer geworden; zu erwartende Leistungseinschränkungen im System sozialer Sicherung nähmen den einzelnen stärker in die Verantwortung, sich gegen Risiken abzusichern; wegen der Globalisierung könnten nun traditionelle Werte wie Leistungsorientierung, Selbstbescheidung, Disziplin wiederbelebt werden; zudem habe für die nach 1965 Geborenen die Auseinandersetzung mit nationalsozialistischen Verstrickungen der Eltern keine maßgebliche Rolle gespielt, statt dessen habe man das politische Bewußtsein in der Auseinandersetzung mit Lehrern geschärft, die zu den "Achtundsechzigern" gehörten; der Zusammenbruch des Sozialismus und das "Ende der Ideologien" könnten, so meint Klein, in der "Generation Golf" eine Entpolitisierung bewirkt haben.

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