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Jil Sander : Abtritt

Jil Sander Bild: dpa

Jil Sander wieder ohne Jil Sander: Mit dem erneuten Abschied wird wohl endgültig deutlich, daß Prada und Sander nicht füreinander geschaffen sind.

          Einmal kann man wiederkommen, ein zweites Mal wohl nicht. Die Stimmung in der Hamburger Unternehmenszentrale von Jil Sander ist dementsprechend gedrückt. Die Nachricht vom Dienstag, daß Jil Sander als Designerin aus der Marke, die ihren eigenen Namen trägt, aussteigt, wirkt noch am Mittwoch auf die vielen Mitarbeiter wie ein Schock.

          Alfons Kaiser

          Verantwortlicher Redakteur für das Ressort „Deutschland und die Welt“ und das Frankfurter Allgemeine Magazin.

          Schon 2000 war sie aus dem Unternehmen ausgestiegen, um 2003 zurückzukommen. Mit dem jetzigen Abschied wird wohl endgültig deutlich, daß Prada und Sander nicht füreinander geschaffen sind. Mehr noch: In der Modewelt macht sich schon die Ahnung breit, daß damit die verlustreiche Marke Jil Sander womöglich eingestellt werden und die Designerin für immer ihren Rückzug antreten könnte.

          Fehlbetrag von 17 Millionen Euro

          Aus Mailand ist von Prada-Sprecher Jason Jacobs nur zu erfahren, daß der Vertrag nicht verlängert wurde und die Tätigkeit Sanders mit dem 15.November beendet sei. Noch ist nicht klar, ob ein anderer Designer für die Marke entwirft; zunächst wird das Designteam in Hamburg weitermachen. Die Schwierigkeiten, so Jacobs, seien nur in der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens begründet, das 1999 mehrheitlich von der italienischen Prada-Gruppe übernommen worden war.

          So stiegen zwar die Konzernerlöse im ersten Halbjahr 2004, verglichen mit der Vorjahresperiode, um vier Prozent auf 65,4 Millionen Euro - aber ein Fehlbetrag von 17 Millionen Euro blieb. Nun soll die Firma möglichst schnell auf Gewinne ausgerichtet werden. Nach Sanders Rückkehr im Herbst 2003, für die sie dominante Drucke, starke Farben und weibliche Schnitte wie nie zuvor benutzte, mußte sie wieder über Einsparungen bei Stoffen und Herstellungsverfahren verhandeln.

          Enttäuschte Modeszene

          Schon seit ihrem Beginn als Designerin legt sie großen Wert auf die Qualität und die Entwicklung neuer Materialien - am häufigsten war sie auf Stoffmessen zu sehen. Ihr Verhandlungspartner, Prada-Chef Patrizio Bertelli, wird aber auf Sparmaßnahmen bestanden haben. Die Fachzeitschrift „Women's Wear Daily“ macht daher am Mittwoch die „hard-headedness of both“ als Konfliktquelle aus. Vielleicht war auch der neue Prada-Vorstandschef Gian Giacomo Ferraris weniger von Sander eingenommen, als es nötig wäre.

          Auf den Rückzug Sanders, die am 27. November ihren 61. Geburtstag feiert, reagiert die deutsche Modeszene enttäuscht. „Vogue“-Chefredakteurin Christiane Arp nennt die Entscheidung „sehr bedauerlich“. Der Düsseldorfer Einzelhändler Albert Eickhoff ist überrascht, daß ausgerechnet der Aufwärtstrend durch eine solche Entscheidung gestoppt wird. Peter Paul Polte, Chefredakteur der „Textilwirtschaft“, sagt über die Gründe für das Scheitern: „Wenn Jil Sander etwas für ihre Altersgenossinnen entwirft, wirkt sie altbacken.

          Die jungen Frauen aber suchen nicht nach Jil Sander.“ Der Designer Wolfgang Joop, der früher mit ihr befreundet war, sagt, nach ihrem Abgang sei ihre Fama so groß gewesen, daß sie nicht hätte zurückkommen dürfen. Die Erwartungen der Hamburger Damen habe sie nach ihrer Rückkehr nicht mehr erfüllt. Joop will aber versöhnlich enden: „Ich fühle mich einsamer auf dem deutschen Modeplaneten. Wir haben beide ganz schön lange durchgehalten. Man spricht immer wieder vom begabten Nachwuchs, der in Berlin auftaucht - aber dann schnell wieder abtaucht. Da war sie schon eine Größe.“

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