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Indiana Jones als Modefigur : Der Mann mit dem Hut

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Skeptiker in Regisseurspose: Harrison Ford während der Dreharbeiten zum jüngsten „Indiana Jones” Film Bild: ddp

„Indiana Jones“ ist zum Inbegriff lässiger Nonchalance avanciert. Das liegt zum einen am Darsteller Harrison Ford. Zum anderen aber auch an seinem mittlerweile legendären Safari-Outfit: Fedora Hut, braune Lederjacke und khakifarbene Hose. Kaum zu glauben, dass ein Film aus dem Jahr 1954 das Vorbild für dieses „Kostüm“ war.

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          Als der erste Trailer des Films „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels“ endlich im Internet zu sehen war, stand eines gleich fest: „The man with the hat is back.“ Der legendäre braune Fedora-Hut fällt in Staub, dann aber erscheint als Schatten die unverwechselbare Silhouette Indys, der den verlorenen Hut wieder aufsetzt.

          Nach 19 Jahren ist Indy wirklich zurück gekehrt, denn das unverwechselbare Outfit macht den Mann. Die charismatische Ausstrahlung von Indiana Jones ist nicht denkbar ohne seinen berühmten Safari-Look, ohne den Fedora-Hut und die Lederjacke, die seit kurzem im Smithsonian's National Museum of American History ausgestellt sind.

          Ein Abenteurfilm aus dem Jahr 1954 war Vorbild

          Die Originalidee zu den Kostümen Indys entstand 1981 für „Jäger des verlorenen Schatzes“, den ersten Teil der Indiana-Jones-Trilogie, von der vielseitigen Kostümbildnerin Deborah Nadoolman, die auch Kultfiguren wie die Blues Brothers kreierte und die eine kongeniale Zusammenarbeit mit Steven Spielberg verband. Ihre Hauptinspirationsquelle sei damals der Abenteuerfilm aus dem Jahr 1954, „Das Geheimnis der Inkas“, gewesen, verrät die Kostümdesignerin, die heute Präsidentin der „Costume Designer's Guild“, des Verbands der Hollywood-Kostümdesigner ist.

          Reisender in Lederjacke: Filmszene aus „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels”
          Reisender in Lederjacke: Filmszene aus „Indiana Jones und das Königreich des Kristallschädels” : Bild: ddp

          „Jäger“ sollte laut Spielberg dessen Remake werden, „a B-Movie with an A-budget“. So habe sie den etwas überdimensionierten Fedora und die braune Fliegerjacke, die der stählerne Charlton Heston in dem Film als finsterer Abenteurer Steele trug, einfach neu erfunden. Das Indy-Outfit sei aber zugleich auch geprägt durch den Geist der „Hardboiled“-Filme der vierziger Jahre mit Alan Ladd: als desillusionierter Antiheld der Schwarzen Serie trug der melancholische Star jener Zeit einen tief in die Stirn gezogenen, breitkrempigen Fedora und eine schwarze Lederjacke.

          Mit Sandpapier „auf alt“ getrimmt

          „Jäger“ spielte Mitte der dreißiger Jahre, und der Archäologie-Professor und Abenteurer Indiana Jones sollte wie aus jener Epoche entsprungen scheinen, ein mit dem passenden Safari-Outfit ausgestatteter Held, umgeben aber von einem nostalgischen Hauch Lässigkeit einer Film-Noir-Figur. Der Fedora Indys ist aber nicht so breit und sperrig wie der seiner Vorbilder, erklärt Deborah Nadoolman.

          Sie habe einen weicheren Hut mit kleineren Krempen für Harrison Ford entworfen, der ein viel sympathischeres Gesicht als der kantige Steele alias Charlton Heston zeigen konnte. Aus einem Modell des Londoner Hutmachers Herbert Johnson entwarf sie eine sanft geschwungene Variante, die besser zu dem Schauspieler Harrison Ford passte.

          Und auch die Lederjacke, die Heston im Film trug und die als Vorlage diente, wurde von der Kostümdesignerin buchstäblich auf den sanften Abenteurer Indiana zugeschnitten. Verwirklicht wurde sie von dem Londoner Peter Botwright für Berman's und Nathan's. Mit Hilfe von Fords Schweizer Armee-Messer, einer Bürste aus Stahl und einer unglaublichen Menge Sandpapier wurde die Jacke so bearbeitet, dass sie schließlich aussah, als ob Ford sie zwanzig Jahre getragen hätte.

          Tom Selleck wollte nicht Indiana Jones sein

          So wurde das kultige Objekt der Begierde unzähliger Fans kreiert, die es heute mit dem Gefühl einer authentischen Reproduktion bei Peter Botwright kaufen können, der behauptet, die Originalschnittmuster zu besitzen.

          Überraschend wurde Harrison Ford als Indiana Jones besetzt, nachdem der ursprünglich vorgesehene Darsteller Tom Selleck - zum damaligen Zeitpunkt als „Magnum“ im Begriff, der berühmteste männliche Serienstar mit enormem Sexappeal der Achtziger zu werden - abgesagt hatte. Indy sollte zu einer „Magnum“-Variante werden. An dem Erscheinungsbild des kernigen Privatdetektivs, den Selleck von 1980 an verkörperte, verdichteten sich alle männlichen Modesünden der berüchtigten Dekade: übertrieben enge Schlagjeans im Stil von Blaxploitation-Filmhelden und bis zum Bauchnabel aufgeknöpfte Hawaii-Hemden umspannten den von Virilität strotzenden Körper Tom Sellecks. Sein Indy wäre gewiß ein ganz anderer geworden.

          Die „mythische Uniform“ blieb unverändert

          So schlüpfte der als mürrisch geltende Harrison Ford aus dem futuristischen Anzug des kauzigen Sternenkämpfers Han Solo aus „Krieg der Sterne“ in die altmodischen, extrem weit geschnittenen Anzüge des magnetischen Archäologie-Professors Jones, Objekt der Sehnsüchte seiner Studentinnen, und trotzdem hoffnungslos solo. Wenn ihn gefährliche Schatzsuchen aus der Reserve locken, greift er zum Safari-Outfit und verwandelt sich in den gewaltbereiten, mit Peitsche und Revolver bewaffneten, dynamischen Indy.

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