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Hutdesign : Die Putzmacherinnen

  • -Aktualisiert am

Von den goldenen Zwanzigern inspiriert: Ein Modell von Susanne Bänfer Bild: Helmut Fricke

Wer denkt, Kopfbedeckungen seien ein alter Hut, irrt: Vier Hutdesignerinnen aus Frankfurt, Berlin und Hamburg beweisen, dass lässige Mützen, elegante Hüte und festlicher Kopfschmuck wieder schick sind.

          Mützen, Hüte und Kopfschmuck kommen wieder in Mode. Das beweist der Erfolg von vier aufstrebenden Hutdesignerinnen aus Berlin, Hamburg und Frankfurt. Fiona Bennett, Rike Feurstein, Silvia Bundschuh und Susanne Bänfer haben alle das gleiche Handwerk erlernt - doch jede hat ihren eigenen, unverwechselbaren Stil entwickelt. Die vier Designerinnen im Porträt:

          Fiona Bennett: Die Welt auf den Kopf gestellt

          „Für jeden Menschen gibt es den passenden Hut.“ Diese Überzeugung hat sich Fiona Bennett zur Lebensaufgabe gemacht. Die bekannteste Hutdesignerin Deutschlands stammt aus England, dem Land der „milliner“ oder „hatter“, wie man sie heute prosaischer nennt. 1966 wurde sie in Brighton geboren, 1972 zogen ihre Eltern mit ihr nach Berlin. Hier versucht sie seit nunmehr zwei Jahrzehnten, die Kopfbedeckung wieder salonfähig zu machen. Als Fiona Bennett von der Hut-Begeisterung angesteckt wurde, war der Kopfputz, wie er noch bis ins 20. Jahrhundert hieß, aus der Mode gekommen. Nun ist er wieder da.

          Von den goldenen Zwanzigern inspiriert: Ein Modell von Susanne Bänfer Bilderstrecke

          Sie fertigte nach der klassischen dreijährigen Ausbildung zur Modistin (wie Hutmacherinnen heißen) Kopfschmuck für Theateraufführungen und entwarf Hüte für die Kollektionen anderer Designer. 1999 eröffnete sie ihr eigenes Geschäft. Schnell profitierte sie von der Renaissance des Accessoires. Auch Stars machen mit - Christina Aguilera, Katie Holmes oder Roger Cicero zählen mittlerweile zu ihrem Kundenkreis. Ein bisschen von dem Glanz soll auch auf die Kunden fallen, die das Geschäft in der Großen Hamburger Straße in Mitte betreten und über den roten Teppich gehen können. Das Ladendesign mit einem weinroten Plüschsofa im Mittelpunkt erinnert an die fünfziger Jahre. Hüte, Mützen, Kopfschmuck werden inszeniert.

          Das kleine Geschäft unweit der Hackeschen Höfe bringt Glamour in die unspektakuläre Umgebung. Den Standort für ihren Laden mit angrenzender Werkstatt hat sie bewusst gewählt: „Ich wollte mich nicht neben die ganzen Labels in der Friedrichstraße setzen.“ So zeigt sie gleichzeitig die Exklusivität ihrer Stücke, die sie mit vier Angestellten in Handarbeit fertigt. Für eine Mütze bezahlt man zwischen 150 und 300 Euro, Hüte kosten 2000 Euro und mehr. Männern stehen die Schiebermützen gut zu Gesicht: Brad Pitt wählte bei einem Termin in Berlin das Modell Malcom aus (je nach Gemisch 280 bis 300 Euro) und trägt in aller Welt drei der guten Stücke in Olivgrün-Braun, Hellblau und Grau gemustert.

          Aber die Krönung ihres Werks sind zweifellos die Damenhüte. Viele Stücke zeugen von der Exzentrik früher Theatertage. Farben, Muster, Schleier, Blumen - Bennetts Stil ist verspielt, fast mädchenhaft und passt zu der unfertigen Stadt Berlin.

          Ein Cowboyhut, den sie mit Wanderplaketten bestückt hat, ist so schwer, dass der Träger gute Nackenmuskeln haben muss. Anderen Stücken hat Fiona Bennett schon Petit Fours oder Schuhe aus Stoff aufgenäht. Doch selbst wenn die Designerin mit den sanften braunen Locken witzig ist und auch sein will: „Ich will die Menschen verschönern, nicht karikieren.“ Was man dazu noch bräuchte: für jeden Hut einen eigenen Kopf.

          Rike Feurstein: Kleines Stück, große Wirkung

          Rike Feursteins Stil ist reduziert auf die bloße Form. Ihre Hüte und Kappen wirken wie Skulpturen, die ein Bildhauer in Stein gemeißelt hat. „Ich baue meine Hüte“, sagt die Berliner Designerin. Die Formen für ihre Stücke modelliert sie aus Ton, Gips oder Holz. Auch die Leidenschaft für Architektur und Kunst spiegelt sich in ihrer Arbeit wider. So erinnert ihr Lieblingsstück „Seth“, eine kühn geschwungene und trotzdem lässige Kappe, an die Formen des Modedesigners André Courrèges, dessen futuristische Ästhetik aus den Sechzigern die Mode immer wieder beschäftigt. Feursteins Hüte sind elegant und raffiniert.

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