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Herrenmode : Alles fließt in Paris

  • -Aktualisiert am

Neuer Faltenwurf bei Yves Saint Laurent Bild: AFP

Paris stellt den Look wieder auf den Kopf. Dominierten bei den Männern eben noch enge, stromlinienförmige Anzugsilhouetten, drapieren französische Designer die Stoffe nun wieder voluminöser. Ein neuer, weicherer Mann soll entstehen.

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          Die Italiener sind die tapferen Schneiderlein der Männermode, die Franzosen sorgen für Ideen. Nach den Schauen in Mailand, wo die neue Anzugsilhouette des engen Zweireihers mit nur zwei Knöpfen dominierte, stellen die Pariser Designer den Look schon wieder auf den Kopf. Nachdem in den letzten zehn Jahren eine stromlinienförmige Silhouette herrschte, arbeitet Paris nun an ihrer Dekonstruktion. Kleidungsstücke werden drapiert und mit vielen Falten versehen, damit sie am Körper entlangfließen, um einen weicheren neuen Mann entstehen zu lassen.

          Unter Yves Saint Laurent stand die Männerkollektion für eine konservative Garderobe, so wie der Meister sich selbst anzog. Stefano Pilati hielt sich am Anfang sehr an diesen Code des Hauses: schöne Jacketts mit Pochette und Krawatte, Bundfaltenhose aus Flanell. Nun erweitert er die Grenzen des Hauses. Seine Kollektion für Frühjahr und Sommer 2010 spielt mit Volumen: große Parkas mit Riesenkapuzen - eher Jugendgang als Gentleman-Club (siehe Foto).

          Der Pionier hinter der Dekonstruktion des von Hédi Slimane und Dior Homme eingeführten Mikrojacketts ist Rick Owens. Niemand verkauft sich gerade besser - in den besten Boutiquen und auf dem Laufsteg. Owens bläst die Dinge auf, und so gehen seine Turnschuhe gleich bis ans Knie hinauf. Die Ärmel der langen Lederblousons sind abgeschnitten, die Farbpalette erinnert an ausgebleichte Steine. Die Farbpalette von Hermès orientiert sich an Erdtönen. Den Zeitgeist repräsentiert auch der junge Münchner Damit Doma, dessen Entwürfe vom Körper Distanz suchen. Domas beste Ideen: in Blutrot getränkte Tuniken, die fast an Minikleider für Herren erinnerten.

          Wehendes Revers: Anzug von Dior-Designer Kris Van Assche

          „Exzentrisch und ein bisschen verrückt“

          Wie Saint Laurent, so stand früher auch Hubert de Givenchy mit seiner großbürgerlichen Garderobe für seine Marke. Givenchy-Designer Riccardo Tisci blickt aber auf die Straße. Hosen haben eingearbeitete Kummerbünde, Metallhemden sind mit Sternen besetzt - sie waren, wie Tisci nach der Schau verrät, als Bühnenkostüme für Michael Jackson vorgesehen. Auch Kris Van Assche trumpft endlich mit einer wegweisenden Kollektion für Dior Homme auf. Seine Dekonstruktion des Mikrojacketts bringt Futter und Rosshaareinlage nach außen. Die schwarzen Anzüge erhalten in Kombination mit dem Beigeton des Futters einen neuen Look. Van Assche lässt die Stoffe fließen und verlängert die Revers am Jackett so sehr, dass sie beim schnellen Gang der Models durch die Luft schweben. Keine Neuigkeit: Lanvin zeigt die beste Schau der gesamten Saison. Alber Elbaz und Lucas Ossjendriver schnitten ihren Jacketts die Ärmel ab. Ihre Garderobe lässt den normalen Anzug in Vergessenheit geraten. Hemden sind als Blouson geschneidert, Cardigans funktionieren als Jacketts.

          Leider setzt Bruno Pieters für Hugo weiter auf enge Jacketts und Zigarettenhosen - und verpasst damit den Trend zum Fließenden. Wolfgang Joop nimmt nun seine persönliche Garderobe, die ihn zu einem der am besten angezogenen Deutschen macht, als Grundlage fürs neue "Wunderkind Men's". Große Karos auf den Jacketts, überdimensionale Hüte (in Bayern gemacht), Jogginghose mit Kummerbund und wild bedruckte leichte Schals. So stellt er sich den Mann vor: "exzentrisch und ein bisschen verrückt". Markus Ebner

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