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Haute Couture : „Die Zielgruppe wächst“

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Opulentes zeigte Dior bei den Haute-Couture-Schauen Bild: Reuters

Bei Christian Dior will man von einer Krise der Haute Couture nichts wissen. Die zahlungskräftige Zielgruppe für die Luxusroben wachse. Vielleicht auch, weil sich kaum noch Häuser in der Sparte engagieren.

          Kaum noch Kunden, kaum tragbare Kreationen, kaum noch Modehäuser, die sich in der Sparte engagieren. Die Haute Couture schien im vergangenen Sommer am Ende. Für Dior aber bleibt das Luxussegment ein Thema für die Zukunft - auch wenn sich nur wenige Häuser noch engagieren. Fragen an Claus Dietrich Lahrs von Christian Dior Couture.

          Am Montag hat John Galliano für Dior die Haute-Couture-Kollektion gezeigt. Wie wichtig ist die Hohe Schneiderkunst für Ihr Haus überhaupt noch?

          Sehr wichtig. Dior gehört zusammen mit Chanel zu den Häusern, die Haute Couture seit Anbeginn ihres Bestehens nicht nur entwickelt haben, sondern auch bis heute ernsthaft verfolgen. Deshalb ist sie ein wichtiger Bestandteil von Dior. Sie gehört zu unserem Image, das wir verkaufen, und zu dem Know-how, das wir repräsentieren.

          Opulentes zeigte Dior bei den Haute-Couture-Schauen Bilderstrecke

          Aber der Aufwand ist doch immens, gemessen daran, daß später von den zum größten Teil handgearbeiteten Modellen nur eine geringe Stückzahl verkauft wird?

          Das gehört aber zu unserer Markenpflege. Die Haute Couture ist insgesamt reicher und kreativer als das Pret-a-porter. Es gibt eben nur noch zwei Häuser, die das in der traditionellen Form mit eigenen Ateliers machen. Mit der Haute Couture demonstrieren wir nach außen unsere Kompetenz. Denn es kann einfach nicht jeder machen. Das schafft Vertrauen bei den Kunden und ist eine Investition in das Image unserer Marke.

          Und damit lassen sich noch besser Taschen und Parfums verkaufen?

          Natürlich, aber es geht nicht nur um das Image, sondern auch darum, daß sich die Bereiche gegenseitig befruchten. Die Haute Couture beeinflußt das Pret-a-porter, indem neue Produkte entwickelt werden und sie eine wichtige Quelle der Inspiration ist.

          Die Haute Couture als Teststrecke?

          Ein bißchen! Auch die Formel 1 entwickelt Techniken, die später bei den normalen Autos in Serie gehen. In der Haute Couture entwickeln wir Stoffe oder Schnitte, die wir dann auch in der Konfektion einsetzen.

          Aber nicht zuletzt polieren Autofirmen mit ihren Rennställen und prominenten Fahrern das Image auf...

          Natürlich. Auch wir betreiben mit der Haute Couture und den spektakulären Shows Imagepflege, die sich auf die gesamte Marke auswirkt.

          In der aktuellen Winterkollektion gibt es so üppige Roben, daß man damit durch keine Tür paßt. Es sei denn, man wohnt in einem Schloß. Wer soll das tragen?

          Die Entwürfe werden später verändert und auf die Bedürfnisse der Kundinnen angepaßt. Wir schneiden gezielt auf die Kundin zu.

          Es wird ja immer wieder behauptet, die Haute Couture hat so gut wie keine Kundinnen mehr. Wie sieht es bei Dior aus?

          Für uns ist die Haute Couture ein aktives Geschäft. Wir haben viele Kundinnen, auch sehr bekannte, aber wir nennen keine Namen. Es gibt einige, die ausschließlich Haute Couture tragen. Die Zahl der Kundinnen nimmt bei uns sogar zu. Einmal, weil es immer weniger Häuser gibt, die dieses Geschäft betreiben. Der zweite Grund aber ist, daß die Zielgruppe wächst, die in der Lage ist, ein solches Produkt zu kaufen.

          In welchen Ländern wird die meiste Haute Couture gekauft?

          Die Vereinigten Staaten sind für uns ein wichtiger Markt, aber auch die arabischen Länder, dann kommt Europa, dann Asien.

          Spielt der chinesische Markt schon eine Rolle?

          Ja, aber noch keine sehr große. Das wird ein bißchen dauern. Es sieht so aus, als lege die wohlhabende chinesische Kundin zunächst ihr Augenmerk auf das Pret-a-porter.

          Verdient man eigentlich wirklich Geld mit der Haute Couture?

          Der Umsatz, den wir mit der Haute Couture machen, ist nicht unbedeutend. Wir sprechen grundsätzlich nicht über Zahlen und auch nicht darüber, was ein Defilee kostet. Aber es ist ein Geschäft, das sich lohnt.

          Also wird die Haute Couture die nächsten Jahre überleben?

          Ich denke schon. Für uns stellt sich diese Frage jedenfalls nicht. Selbst wenn es nur noch zwei Couture-Häuser auf dem Markt gäbe, würden wir weitermachen. Für uns hat das Thema Zukunft.

          Und die werden Sie weiter mit John Galliano bestreiten?

          Auf jeden Fall.

          Das sieht nach Beständigkeit aus. In den neunziger Jahren wechselten die Designer so schnell die Modehäuser wie Trainer die Vereine. Hat das nun ein Ende?

          Es gibt auch jetzt eine Menge Veränderungen. Es kommt aber immer darauf an, wie Management und Designer zusammenarbeiten. Wichtig ist, daß der Designer sich in der Marke wohl fühlt, daß er respektiert wird in seiner Art, sich auszudrücken, und daß er natürlich auch zur Marke paßt. Galliano hat in den letzten Jahren die Marke erfolgreich weiterentwickelt. Ein Unternehmen muß den Designer dabei unterstützen, eigene Ideen voranzutreiben, ihm Autonomie geben.

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